Frankfurt Marathon

Der deutsche Rekordhalter Arne Gabius hat einiges verändert

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Von Yin-Yoga bis Stretching-Neuerungen: Arne Gabius hat einiges ausprobiert vor seinem vierten Start bei seinem Lieblingsmarathon am 28. Oktober in Frankfurt. Sein Blick geht auch darüber hinaus. Der 37 Jahre alte deutsche Meister hat noch viel vor. Olympia 2020 gehört dazu.

Über mangelnde Bewegung kann sich Arne Gabius nicht beklagen. Dafür muss er nicht einmal die Laufschuhe schnüren. Sein knapp einjähriger Sohn Frederik hat vor ein paar Wochen Laufen gelernt. Und damit hält er den deutschen Marathon-Rekordhalter in der heimischen Dachgeschoss-Wohnung in Stammheim bei Stuttgart ganz schön auf Trab. „Er gibt das Tempo vor“, sagt der 37-jährige Profi-Leichtathlet, der sich sonst nur von flinken Tempomachern auf der Rennstrecke ziehen lässt.

Es ist ein besonderes Jahr für den gebürtigen Hamburger, der am 28. Oktober zum vierten Mal bei seinem Lieblingsmarathon in Frankfurt antreten wird. „Dieses Rennen liegt mir einfach“, sagt Gabius. Er wird nicht mehr allzu viele Jahre auf höchstem Niveau laufen können. Die Zeit läuft sprichwörtlich gegen ihn. Noch zwei bis vier Jahre hat er in sich, hofft er. Und möchte dabei das große Ziel Olympische Spiele 2020 in Tokio erreichen. „Ich habe noch einen olympischen Marathon offen“, sagt Gabius. 2016 in Rio de Janeiro konnte er wegen einer Verletzung nicht dabei sein. Eine große Enttäuschung, die ihm nun als Motivation dient.

Um seine Form im fortgeschrittenen Sportler-Alter zu halten oder vielleicht sogar noch zu verbessern, hat er in diesem Jahr viel ausprobiert. Unter anderem Yin-Yoga. Und er hat sein Stretching-Kraft-Programm „perfektioniert“, wie er empfindet. „Es ist ein Übergangsjahr“, sagt der gebürtige Hamburger. „Ich habe dieses Jahr gebraucht, um mich in Form zu bekommen, um Dysbalancen in meinem Körper zu beseitigen, um neue Übungen einzustudieren“. Jetzt habe er „alles irgendwie in die Bahnen gelenkt“.

Gabius strahlt großen Optimismus aus. Selbst sein deutscher Rekord von 2:08:33 Stunden, im Jahr 2015 in Frankfurt aufgestellt, sei für ihn angreifbar. „Ich habe das Training im Kopf für 2:05 Stunden. Ich weiß, was man trainieren muss. Aber ich muss auch meinen Körper dazu befähigen und auch die Regeneration verbessern. Jeder Muskel im Körper muss funktionieren. Ich weiß, dass ich in den nächsten zwei bis drei Jahren auf jeden Fall eine 2:06 laufen kann.“

Sein Optimismus liegt auch daran, dass er im Training wieder große Umfänge laufen kann. Letztes Jahr habe zwar die Qualität gestimmt, nicht aber die Quantität. „Damals hatte ich in den letzten zwölf Wochen vor Frankfurt einen Trainings-Schnitt von 120 Kilometern pro Woche. Ein guter Hobbyläufer hat mehr. Mein Körper konnte die Umfänge damals nicht verkraften. In diesem Jahr konnte ich erstmals wieder 200 Kilometer und mehr pro Woche realisieren.“ Eine stolze Zahl. Das bedeutet im Schnitt knapp 30 Kilometer pro Tag. Und Gabius sagt: „Ich fühle mich richtig, richtig gut.“

Das ist bemerkenswert nach einem schwierigen Jahresauftakt. Er bekam Probleme mit der Oberschenkel-Rückseite, den sogenannten Hamstrings. Und dann sprang ihm noch ein Nackenwirbel heraus, weshalb er im April den Boston-Marathon bereits nach 15 Kilometern abbrechen musste und danach fast sechs Wochen nicht trainieren konnte. Doch im Sommer, als er mit Frau und Kind für neun Wochen ins schweizerische Pontresina im Engadin zog und dort bei besten klimatischen Bedingungen trainieren konnte, fand er Form und Zuversicht wieder. „Ich glaube, auf dem richtigen Weg zu sein.“ Das mag ihm vielleicht auch der viermalige Olympiasieger Mo Farah zugeflüstert haben. Der britische Star besuchte Gabius in Pontresina und trainierte zeitweilig mit ihm zusammen. „Wir kennen uns seit 18 Jahren“, sagt Gabius.

Für den Marathon in Frankfurt am 28. Oktober setzt er sich nicht unter Druck. Bei seinen bisherigen drei Starts kam er zwar jeweils unter sehr guten 2:10 Stunden ins Ziel. Ein deutscher Rekord sei jedoch diesmal „nicht geplant, weil die Vorbereitung holprig war“. Gabius will „Spaß haben“ und das 42,195 Kilometer lange Rennen „lieber etwas defensiver angehen“. Heißt: Die erste Hälfte der Strecke in etwa 64:15 Stunden – und dann den zweiten Abschnitt schneller laufen – ein sogenannter „Negativ-Split“. Bemerkenswert: Speziell auf die für Läufer mental schwierige Mainzer Landstraße, auf der es im letzten Renndrittel vier Kilometer lang schnurstracks geradeaus geht, freut Gabius sich. „Ich habe von dieser Straße immer positive Bilder im Kopf. Die helfen mir ungemein: Wo die Straßenbahn langfährt. Wo mich jemand anfeuert. Wo vielleicht die Sonne rauskommt. Wo man Rückenwind kriegt. Ich versuche es mir einfach schön zu reden.“ Diese Psychologie helfe ungemein. „Wenn man sich sagt, das wird schlecht und die Mainzer Landstraße ist öde und macht keinen Spaß, dann trifft das auch ein“, weiß Gabius. „Wenn man sich hingegen sagt, ab 31 Kilometern fängt der Spaß an, ist das ein psychologischer Trick, den man braucht. Deswegen sollte jeder Läufer die Strecke schon ein bisschen kennen und sich bestimmte Landmarks setzen, mit denen man tolle Erinnerungen verknüpft.“

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