Ehrung

Deutschlands beste Grundschullehrerin

  • Andreas Haupt
    vonAndreas Haupt
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Einmal im Jahr ehrt die Gesellschaft Deutscher Chemiker den besten Grundschullehrer für naturwissenschaftliche Themen. In diesem Jahr erhält den Preis Helga Göpper von der Pestalozzischule.

Das Wichtige, sagt Helga Göpper, sei nicht sie – das seien die Kinder. Und doch steht sie Ende August, bei der Tagung der Fachgruppe Chemieunterricht der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) im Rampenlicht. Dort überreicht die Fachgruppe der Lehrerin der Pestalozzischule den „Preis für Lehrkräfte an Grundschulen“. Mit der Auszeichnung, die seit 2009 von der Firma Merck gestiftet wird, ist Göpper also – wie das Staatliche Schulamt Frankfurt stolz schreibt – die „beste Grundschullehrerin Deutschlands“ im Fach Sachkunde.

Ausgezeichnet wird Göpper laut GDCh, weil sie die experimentellen und auf die Chemie bezogenen Anteile im Sachunterricht stärke und fördere. „In ihrem Klassenraum sieht es immer aus wie in einer Werkstatt oder einem Labor“, erzählt Schulleiterin Anne Wehr.

Dabei verfolge Göpper bereits seit vielen Jahren einen einzigartigen Ansatz, der bei den Kindern ein „wahrhaft nachhaltiges Interesse für die unterschiedlichsten naturwissenschaftlichen Themen“ erzeuge, so Wehr: Die Kinder erarbeiten sich ein Thema selbstständig mit unterschiedlichen Schwerpunkten. „Sie werden so zu Experten in ihrem Bereich, die ihr Wissen am Ende des Projekts mit den anderen Kindern teilen.“

Werkzeuge an die Hand

„Mein Prinzip ist es, den Kindern ein Werkzeug an die Hand zu geben, um gute Projekte zu machen und dabei verschiedene Kompetenzen zu entwickeln: Sprache, Verständigung, Fachwissen und -begriffe erwerben, Medienkompetenz nutzen, im Team arbeiten, eigene Ideen entwickeln und vieles mehr“, sagt Göpper ihren Ansatz.

Die Themen sind dabei vielfältig: Mal geht es um Kleintiere im Schulgarten, das Leben in der Steinzeit, Wetterphänomene, verschiedene Kartoffelarten, „mal wird Wolle gefärbt, mal ein Lehmofen gebaut oder ein Teich oder ein Duftbeet angelegt“, sagt Anne Wehr. Göpper gelinge es immer wieder, selbst „komplizierteste Vorgänge so aufzuarbeiten“.

Dabei greift Göpper auch anspruchsvolle Themen auf wie die Zukunft unserer Energieversorgung, indem sie mit ihren Kindern eine Stadt entwarf, die sich selbst versorgen kann. Auch die Kernenergie oder die DNA, also unseren genetischen Code, thematisiert sie. „Das sind keine typischen Themen für die Grundschule, aber man kann sie durchaus für die Kinder greifbar machen“, sagt Göpper.

Sie wolle die Kinder zu Menschen erziehen, die sich in gesellschaftlich relevanten Themen einbringen, sagt Göpper. „Sie sollen die Welt als Ganzes begreifen, dass alle Dinge zusammenhängen, und sich für eine lebenswerte Zukunft und ein gutes Miteinander einzusetzen.“ Und über den eigenen Tellerrand hinaus schauen.

Den Stadtteil erforschen

So auch beim Projekt „Stadtteildetektive“, bei dem die Drittklässler der Pestalozzischule mehr über ihren Stadtteil erfahren. Als im vergangenen Schuljahr die Kinder den 140. Geburtstag der im Konzentrationslager gestorbenen Riederwälderin Johanna Tesch auf dem nach ihr benannten Platz feiern wollten. Mit der Hilfe von Göpper und ihren Kolleginnen forschten die Kinder über die im Konzentrationslager gestorbene SPD-Politikerin und stellten eine kleine Ausstellung zusammen.

Dabei werden die Kinder ihrer Klasse für die Mitschüler zu „Multiplikatoren“, etwa im Schulgarten. „Bei einem Projekt haben wir mit Blaukraut aus dem Schulgarten Saft gewonnen und ihn genutzt, um den PH-Wert verschiedener Stoffe zu bestimmen.“ Bei basischen Stoffe färbt sich der Saft blau, bei sauren Stoffen rot. „Wie man das macht, haben die Kinder anderen Klassen gezeigt.“ Indem sie sich intensiv vorbereiten und es anderen erklären, verfestige sich das Gelernte.

Bei ihren zahlreichen Projekten lässt sich Göpper seit 20 Jahren nicht nur immer wieder etwas Neues einfallen. Gerne greift sie auch Projekte und Ideen etwa der Stiftung Polytechnische Gesellschaft oder des Vereins Umweltlernen auf. „Helga Göpper betreut den Schulgarten, unsere naturwissenschaftliche Sammlung und die Werkstatt“, erklärt Anne Wehr – und erinnert an eine Studentin aus dem Riederwald, die als Erste aus ihrer Familie einen Schulabschluss gemacht habe. „Sie sagte zu mir: ,Das habe ich Frau Göpper zu verdanken.’ Und sie hat bestimmt recht.“

(hau)

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