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Jacqueline Kuhn ist die Beste - und kriegt nicht genug: Sie geht nach der Arbeit abends zu den Montagsmalern, einem Förderkreis für junge Künstler in Frankfurt.

Jacqueline Kuhn

Sie ist Deutschlands beste Malerin

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Fleiß und Geschick haben Jacqueline Kuhn an die bundesweite Spitze ihres Handwerks gebracht. Die duale Studentin suchte früh den Weg in die Praxis - und betreibt zum Ausgleich ein eher ungewöhnliches Hobby: Einradhockey.

Frankfurt/Bad Homburg – Jacqueline Kuhn betritt die Räume der Maler- und Lackiererinnung Rhein-Main in Frankfurt in voller Arbeitsmontur und setzt sich, als wäre nichts gewesen. War es aber: Seit einigen Tagen ist die Bad Homburgerin offiziell „Beste Malerin Deutschlands“. Den Titel errang sie bei einem praktischen Leistungswettbewerb in Nürnberg gegen elf Mitbewerber aus ebenso vielen Bundesländern. Gefordert waren unter anderem Freihandzeichnungen eines vorgegebenen Logos, passgenaue Tapezierungen und möglichst treffsichere Mischungen eines Farbtons.

„Mit dem ersten Platz habe ich nicht gerechnet“, sagt sie. Gleichwohl war sie gut vorbereitet: In den Wochen davor hat sie sich Konzepte überlegt und getan, was in dem Beruf am wichtigsten ist: Üben, üben, üben.

Frankfurt: Deutschlands beste Malerin aus Bad Homburg

Die 21-jährige Malerin ist duale Studentin: Das heißt, dass sie eine praktische Maler- und Lackierer-Ausbildung in den Malerwerkstätten Mensinger in Frankfurt-Preungesheim absolviert und gleichzeitig Bauingenieurwesen an der Frankfurt University of Applied Sciences (UAS) studiert. „Ich bin durch Umwege und Zufall dazu gekommen“, berichtet sie. Zunächst hatte sie ein Ingenieurstudium favorisiert, doch erschien ihr das zu theoretisch. Der duale Studiengang, 2014 ins Leben gerufen, eröffnete ihr die Möglichkeit, Theorie und Praxis zu verbinden.

In der Branche ist sie trotz ihres jungen Alters längst kein unbeschriebenes - respektive unbemaltes - Blatt mehr. Ihre Ausbildung schloss sie im Frühjahr als Innungsbeste ab, im September setzte sie sich beim Landesleistungswettbewerb im Maler- und Lackierhandwerk durch. Mit dem Sieg in Nürnberg ist sie zum Mitglied im Maler-Nationalteam ernannt worden. Damit hat sie die Chance, sich 2020 sogar international zu messen.

Frankfurt: Deutschlands beste Malerin mit Wunsch nach Qualität

„Ich mag die Vielfalt, die der Beruf zu bieten hat. Und man sieht, was man gemacht hat“, beschreibt die junge Malerin ihre Motivation. Ob Tagesgeschäft oder Feinheiten, einen bevorzugten Stil habe sie nicht. Letztere schult sie seit nunmehr drei Jahren bei den Montagsmalern bei der Innung in Frankfurt-Fechenheim: In dem Förderkreis für junge Maler werden Techniken vermittelt, die bei der Kundschaft das Verlangen nach gehobener Qualität wecken sollen. Dazu zählen etwa Fayence-Malereien oder Trompe-l'œils, sprich: illusionistische Malereien, an denen die jungen Maler derzeit arbeiten. 

„Ziel ist, über unser Können und unser spezielles Wissen unsere Aufträge zu sichern“, erklärt Kursleiter und Malermeister Norbert Dehmel. Trotz der Energie, die Jacqueline Kuhn in ihre Ausbildung steckt, bleibt der Ausgleich nicht auf der Strecke. „Die Zeit nehme ich mir“, sagt sie. Seit rund zehn Jahren spielt sie Einrad-Hockey in der Mannschaft des Bad Homburger Jugendkulturtreffs E-Werk.

„Gespielt wird fünf gegen fünf, Alter und Geschlecht sind komplett egal“, erklärt Kuhn, nachdem sie die Fragezeichen auf der Stirn des Reporters sieht. Zum Einsatz kommen Eishockey-Schläger und sogenannte tote Tennisbälle, in denen weniger Luft ist als in fabrikneuen Bällen. Rund 80 Mannschaften gibt es in Deutschland, die sich im Rahmen von Turnieren miteinander messen.

Frankfurt: Deutschlands beste Malerin fährt zu „Euroskills“ nach Graz

Tricks lernen, besser werden - das sind hier wie dort die Ziele der jungen Malerin. Ihre berufliche Zukunft ist noch nicht in Stein gemeißelt. „Nach den bisherigen Erfahrungen kann ich mir aber sehr gut vorstellen, im Handwerk zu bleiben.“ Bau- oder Projektleitungen kämen später eventuell infrage, ebenso wie die Übernahme von Aufgaben in ihrem Ausbildungsbetrieb. 

Jetzt ist aber erst einmal Durchatmen angesagt. Im Februar wird dann in einem Auswahlwettbewerb ermittelt, wer Deutschland im September bei den „Euroskills“ in Graz, den Europäischen Wettbewerben des Handwerks, vertreten darf. Ob sie sich auch dort Chancen ausrechnet? „Ich werde mich gut darauf vorbereiten“, antwortet sie lächelnd.

VON DAVID SCHAHINIAN

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