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Katharina Magiera als Floßhilde, Britta Stallmeister als Woglinde, Jenny Carlstedt als Wellgunde und Jochen Schmeckenbecher als Alberich (v.l.) in einer Probenszene zur Oper "Rheingold", die in einer Inszenierung der Regisseurin Vera Nemirova am Sonntag (02.05.2010) an der Oper Frankfurt Premiere feierte (undadierte Aufnahme). Richard Wagners Mammutwerk "Der Ring des Nibelungen" zu stemmen, gilt als Prestigeobjekt für jedes Opernhaus. Zum dritten Mal nach 1945 wendet sich die Oper Frankfurt jetzt der Tetralogie zu und hat dafür die junge Regisseurin Nemirova engagiert. Foto: Monika Rittershaus dpa/lhe (zu lhe 7059 vom 03.05.2010) +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit

Kultur in Frankfurt

Dezernate Kultur und Bau zoffen sich bei Personalie zu Schauspielhaus und Oper

Heute verhandelt die Koalition über die Personalie Michael Guntersdorf. Wird er Leiter einer Projektgruppe für die Städtischen Bühnen oder nicht? Der Mann, der als Geschäftsführer der Dom-Römer-GmbH die neue Altstadt managt, ist der Favorit von Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD). Doch Baudezernent Jan Schneider (CDU) hat einen anderen Kandidaten im Sinn – und sieht auch sonst noch Klärungsbedarf.

Der Mann, der in der Koalition zum Zankapfel geworden ist, hat davon selbst erst am Samstag in der Zeitung erfahren. Er habe auch keine Gespräche gesucht am Wochenende, sagt Michael Guntersdorf, der Geschäftsführer der für die neue Altstadt zuständigen Dom-Römer-Gesellschaft. Selbst dass Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) ihn vergangene Woche in den wöchentlichen Koalitionsgesprächen als Leiter einer Projektgruppe für das Mammutunternehmen Städtische Bühnen vorgeschlagen hat, will er nicht gewusst haben.

Vor zwei, drei Wochen habe er sich mit der Dezernentin über die mögliche neue Aufgabe unterhalten, „selbst darüber, was ich kosten würde“, sagt Guntersdorf. Dass sich in den Koalitionsgesprächen nach übereinstimmenden Informationen verschiedener Personen Baudezernent Jan Schneider (CDU) gegen ihn ausgesprochen habe, überrascht Guntersdorf. „Es gab nie persönliche oder inhaltlich große Differenzen“, sagt er.

Schneider äußert auf Nachfrage keine Zweifel an Guntersdorf, weist aber auf die anstehende Nachbearbeitung der neuen Altstadt hin. Da habe Guntersdorf noch viel Arbeit vor der Brust. Außerdem habe es über die Leitung der Projektgruppe hinaus noch einige weitere offene Punkte gegeben, sagt Schneider. Heute tagt die Koalition wieder. Ob er mit einer Alternative zu Guntersdorf in die Gespräche geht, lässt Schneider offen. Klar ist, dass sich die Koalition vergangenen Dienstag darauf geeinigt hatte, eine Woche Ruhe zu bewahren – ohne Erfolg.

Kulturdezernentin Hartwig will sich zu der Sitzung am vergangenen Dienstag nicht äußern. Sinn der Koalitionsgespräche sei schließlich, dass man sie vertraulich behandle. Der Darstellung, dass sie für vergangenen Mittwoch bereits eine Pressekonferenz zu Guntersdorf anberaumt habe (wir berichteten), widerspricht sie. Tatsache ist, dass die Dezernentin vor Mittwoch ihren Oslo-Besuch abgesagt hatte mit dem Hinweis, sie müsse in Sachen Städtische Bühnen in Frankfurt bleiben. Die entsprechende Mail an den Kulturausschuss, der sich in der norwegischen Hauptstadt die dortige Oper angeschaut hat, liegt dieser Zeitung vor.

In der Sache gibt die Dezernentin die Schlagrichtung vor: Die Städtischen Bühnen sind „mit den Bordmitteln des Kulturdezernats allein nicht zu stemmen“. Will heißen: Hartwig ist auf die Kooperation des Baudezernenten Schneider angewiesen. Dass der jetzt bereits „querschießt“, wie ein Mitglied des Kulturausschusses sagt, werte mancher als kontraproduktiv, unnötig verzögernd und nicht nachvollziehbar. Schließlich geht die Initiative zur Projektgruppe und damit auch zur Personalie Guntersdorf auf einen fünf Monate alten Antrag der drei Römer-Koalitionäre CDU, SPD und Grüne zurück.

Die hatten sich am 16. März nach langem Ringen auf eine gemeinsame Position zu den Städtischen Bühnen geeinigt – in einem Prüfungsantrag. Dessen Hauptmotiv liegt darin, den kompletten Neubau der Bühnen oder die Komplettsanierung für annähernd 900 Millionen Euro zu verhindern. Die Summe, die eine Machbarkeitsstudie von 2017 in den Raum gestellt hatte, sorgte in der Stadt für mächtig Wirbel. Seit März favorisieren die Stadtverordneten unisono eine verschlankte Sanierung unter Wahrung des Bestandsschutzes, es soll gespart werden, wo zu sparen ist. Möglich könnte das dann werden, wenn man einige Teile der Bühnen auslagerte, etwa die Werkstätten. Damit wiederum würde Raum frei werden für technische Einrichtungen, für die in einer Variante der Machbarkeitsstudie noch ein kleines Hochhaus vorgesehen ist. „Man müsste also prüfen, was wir haben und was wir nicht haben“, sagt Architekt Guntersdorf zur Aufgabe der Projektgruppe. Über alles weitere – was man genau will und mit welcher Architektur – lohne es vorher gar nicht zu reden. Im Klartext: Zurzeit gibt es keine Grundlage für politische Entscheidungen. Für Koalitionsgezänk aber offenbar schon.

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