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?Raubritter- und Wildwest-Methoden?: Karl-Wolfgang Kaiser erbost die Mietpreispolitik in Frankfurt. Seit Jahren engagiert er sich im Dialogmuseum ? zum Beispiel mit Führungen.

Miete erhöht

Dialogmuseum in Frankfurt sucht neue Heimat

Die Gentrifizierung macht auch vor dem Dialogmuseums in der Hanauer Landstraße 145 nicht halt. Ende des Jahres muss es dort weichen. An der Hauptwache ist ein neues Domizil in Aussicht. Gespräche mit der Stadt laufen.

Als Karl-Wolfgang Kaiser Anfang September das Dialogmuseum besucht, ist er geschockt. Denn von den Mitarbeitern muss er erfahren, dass das Museum zum Jahresende seine Pforten an der Hanauer Landstraße schließen wird. Der Mietvertrag läuft aus, die künftige Miete wäre zu hoch für den privat geführten Betrieb. „Eine Schließung wäre wirklich bedauerlich“, sagt Karl-Wolfgang Kaiser. „Ich führe gerne viele Gäste hierher.“ Mit dieser Meinung ist Kaiser nicht allein. Viele Besucher wünschen sich, dass das Museum für und von Blinden und Behinderten auch weiterhin bestehen bleibt.

Im Gespräch mit der Geschäftsführerin des Dialogmuseums, Klara Kletzka, und dieser Zeitung spürt man deutlich, wie wichtig Karl-Wolfgang Kaiser der Erhalt des Museums ist. Der Fechenheimer engagiert sich selbst seit vielen Jahren für gehörlose Menschen. Inklusion ist für ihn ein zentrales Thema. „Ich finde es einfach toll, dass Behinderte hier so gefördert werden“, sagt Kaiser. „Wo sonst kann ein Blinder Arbeit finden?“ Dass eine Frankfurter Institution, die so aktiv Inklusion betreibt, nun Opfer der hohen Mieten in der Stadt werden soll, verärgert Kaiser. „Solche Raubritter- und Wildwest-Manieren nehmen in Frankfurt dermaßen zu, dass es uns Normalbürgern Angst und Bange wird und wir uns fragen müssen, wann diese Immobilienhaie ganz Frankfurt entvölkern, da sich niemand mehr die Mieten leisten kann“, schreibt er in einem Brief an den Oberbürgermeister.

„Wir fühlen uns schon als Opfer der Gentrifizierung“, sagt auch Klara Kletzka. Das Museum und die Stadt hätten viele Gespräche mit dem Vermieter geführt, doch eine Lösung sei dabei nicht zustande gekommen. 12,50 Euro pro Quadratmeter zahlt das Dialogmuseum aktuell an Miete. Im nächsten Jahr wäre der Betrag etwa doppelt so hoch gewesen. „Sicher ist, dass wir Ende des Jahres schließen“, so Kletzka. Ihren 29 Mitarbeitern – 21 mit Behinderung und 14 davon blind – habe sie bereits gekündigt.

Hoffnung, dass die Schließung nur vorübergehend sein wird, gibt es allerdings weiterhin. Man werde zwar sicher aus dem Gebäude in der Hanauer Landstraße 145 ausziehen, die Verhandlungen mit der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) um einen neuen Standort in der B-Ebene der Hauptwache würden aber noch laufen. Mit einem solchen Standort müsste das Museum auch in Sachen Verkehrsanbindung keine Abstriche machen. „Mitten ins Herz von Frankfurt zu ziehen, wäre natürlich ideal“, so Kletzka. Dort könnte man das Thema Inklusion mitten in der Stadt demonstrieren.

Seit 2005 befindet sich das Dialogmuseum in den Räumen an der Hanauer Landstraße. Weil eine Mieterhöhung nach Ablauf des Mietvertrags Ende 2018 absehbar war, sehen sich die Macher des Museums seit über zwei Jahren nach einem neuen Standort um. Gespräche mit anderen Anbietern mussten bisher aber immer standort- oder preisbedingt scheitern. „Es wäre toll, wenn die Entscheidung in den nächsten Wochen fallen würde“, sagt Kletzka.

Auch der Stadt ist daran gelegen schnell eine Lösung für die Standortfrage des Dialogmuseums zu finden. Das Museum sei eine gewachsene und äußerst spannende Initiative, und auch für die Kulturlandschaft Frankfurts wäre es nicht gut, wenn kein neuer Standort gefunden würde, erklärt Daniel Grebe, Sprecher des Kulturdezernats. „Uns ist die Dringlichkeit durchaus bewusst, und es ist uns sehr wichtig, das Museum auf der Suche nach einer Lösung nicht allein zu lassen.“

Am vergangenen Dienstag setzten sich Klara Kletzka und Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) erneut zusammen, um Details zu besprechen. Um die Verhandlungen nicht zu behindern, wollen beide Seiten allerdings nicht genauer darauf eingehen. Klara Kletzka jedenfalls habe nach dem Gespräch mit der Kulturdezernentin wieder neue Hoffnung gefasst: „Ich habe das Gefühl, dass Frau Hartwig sich sehr zeitnah um eine Lösung bemühen wird.“

Wer das Museum schon immer einmal besuchen wollte und es bisher nicht geschafft hat, sollte sich jedenfalls beeilen. Denn wie lange es wirklich dauern wird, bis das Dialogmuseum an einem neuen Standort wieder öffnen kann, darauf weiß noch niemand eine Antwort.

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