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Eine Hand zündet mit einem Streichholz Feuerwerksraketen an.

Feinstaub

Dicke Luft nur in der Neujahrsnacht

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Das Silvester-Feuerwerk hat in der Neujahrsnacht die Feinstaub-Werte explodieren lassen. Im Jahresmittel waren die gesundheitsschädlichen Partikel hingegen kein Problem. Wegen der hohen Stickoxid-Belastung fordert das hessische Umweltministerium eine „Blaue Plakette“ mit Fahrverbot für alte Diesel.

Ein wenig hat sich die Situation verschlechtert. In der Friedberger Landstraße im dich besiedelten Nordend wurde der zulässige Grenzwert für Feinstaub von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft im vergangenen Jahr an 16 Tagen überschritten. 2016 war das nur an sieben Tagen der Fall. Dennoch gilt die Belastung als unproblematisch: Toleriert werden nämlich 35 Überschreitungen pro Jahr. Zuletzt wurde dieses Limit 2011 nicht eingehalten. Seit dem 1. Januar 2012 dürfen allerdings nur noch Fahrzeuge mit grüner Plakette in die Innenstadt fahren. Die Umweltzone ist nach Einschätzung des Umweltdezernats der wichtigste Grund für die Verbesserung der Luftqualität.

Gäbe es kein Silvesterfeuerwerk, wäre die Situation noch besser. 17 Prozent der Jahresbelastung an Feinstaub gehen nach Angaben des Umweltbundesamts auf Böller und Raketen zurück. Und so war 2017 der Neujahrstag der erste, an dem das Limit überschritten wurde. Böller und Raketen ließen die Werte auf mehr als 500 Mikrogramm steigen. Auch beim jüngsten Jahreswechsel führte die Feuerlaune nach Mitternacht zu dicker Luft (siehe Grafik). Allerdings verzog sich der Qualm dieses Mal ziemlich schnell. Schon am Neujahrsmorgen wurden in der Friedberger Landstraße Werte von weniger als 20 Mikrogramm gemessen. Am Abend waren es weniger als zehn Mikrogramm – wohl auch eine Folge des windigen Wetters. Und so wurde der zulässige Tagesmittel von 50 Mikrogramm am Ende nicht überschritten – das gab es an keinem Neujahrstag in jüngster Zeit.

Problematisch ist allerdings nach wie vor die Belastung mit Stickstoffdioxid. Hier lässt die Europäische Union maximal einen Jahresmittelwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft zu. Beim Hessischen Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie liegt die Auswertung des Jahres 2017 noch nicht vor. Doch aufgrund der Entwicklung sei mit einer Überschreitung des Grenzwerts zu rechnen, sagt Volker Kummer, stellvertretender Leiter des Dezernats für Luftreinhaltung. Zwar sinke die Belastung seit einigen Jahren leicht. Das reiche aber noch nicht, um die Vorgaben einzuhalten.

Wegen der überhöhten Werte klagt die Deutsche Umwelthilfe gegen mehrere Luftreinhaltepläne des Landes, unter anderem den für Frankfurt. Demnächst soll es eine mündliche Verhandlung beim Verwaltungsgericht Wiesbaden geben. Die Folge könnten Fahrverbote für Diesel-Fahrzeuge sein. Mit Spannung erwartet wird eine Verhandlung am Bundesverwaltungsgericht in Leipzig am 22. Februar. Die Richter prüfen, ob in Düsseldorf wegen der schlechten Luft Dieselautos ausgesperrt werden müssen. „Das wollen wir vermeiden“, sagte Mischa Brüssel de Laskay, Sprecher des Hessischen Umweltministeriums. Stattdessen setzt die Landesregierung auf die Weiterentwicklung der Umweltzone mit einer „Blauen Plakette“. Diese würden nur Fahrzeuge mit geringem Schadstoffausstoß bekommen, alle anderen müssten draußen bleiben. In Frankfurt könnten bis zu 90 000 ältere Diesel betroffen sein.

Alternative Maßnahmen könnten in die Neufassung des aus dem Jahr 2011 stammenden Luftreinhalteplans aufgenommen werden. Einen Zeitplan dafür gebe es aber noch nicht, sagt Brüssel de Laskay. Die Stadt Frankfurt müsse zunächst Vorschläge machen. Eine Möglichkeit wäre die Umrüstung von Linienbussen auf Elektroantrieb. „Aber das ist sehr teuer“, räumt der Ministeriumssprecher ein. In diesem Jahr werden in Frankfurt zunächst fünf Busse zum Einsatz kommen. Doch Nutzfahrzeuge wie Busse seien beim Thema Stickoxide gar nicht das große Problem, sagt Rainer Vollweiter, Sprecher des Frankfurter Umweltdezernats. Denn bei ihnen funktioniere – anders als bei Pkw – die Abgasreinigung.

(mu)

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