Willi Vorlop sitzt am Ratsweg in seinem Alpen Coaster. Die Achterbahn kennen viele Dippemess-Fans noch von früher - allerdings hieß sie da anders
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Willi Vorlop sitzt am Ratsweg in seinem Alpen Coaster. Die Achterbahn kennen viele Dippemess-Fans noch von früher - allerdings hieß sie da anders

Dippemess

Die Achterbahn, die wieder nach Frankfurt kam

  • VonSabine Schramek
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1968 fuhr die „Himalayabahn“ zum ersten Mal auf der Dippemess am Ratsweg. Jetzt ist sie zurückgekehrt – als „Alpen Coaster“.

Frankfurt – Im Herbst 1968 wurde die Dippemess von der Innenstadt auf den Festplatz am Ratsweg verlegt. Dort fuhr die "Himalayabahn" zum ersten Mal. Jetzt ist dieselbe Achterbahn mit neuem Betreiber an ihrem Heimatort zurück. Sie heißt nun "Alpen Coaster", ist komplett überholt und rattert noch genauso lustig wie damals.

Als die Frankfurterin Lulu Herhaus ihre nagelneue ,Himalayabahn' im Herbst 1968 zum ersten Mal auf der Dippemess am Ratsweg aufbaute, war die Achterbahn blau-weiß. Jetzt ist der ,Alpen Coaster' grün-blau und wird von Willi Vorlop (33) aus Hannover betrieben. In siebter Generation ist er im Geschäft, seine Vorfahren lassen sich sogar bis ins Jahr 1750 mit dem Gaukler Johann Heinrich zurückverfolgen. Die Schausteller-Dynastie Herhaus lässt sich über weit mehr als 300 Jahre zurückverfolgen. Lulu Herhaus selbst stammte aus der Circus-Familie Hirsch, wäre jetzt 116 Jahre alt und galt bis zu ihrem Tod als "Grande Dame des Schaustellergewerbes".

Achterbahn auf der Dippemess ist schon viel herumgekommen

Vorlop lacht. "Mein Vater wollte die Achterbahn schon viel früher von ihr kaufen. Es gab Verhandlungen, aber es war einfach zu teuer. Dabei hatte mein Vater schon 1979 das gleiche Modell in größer, unseren rot-gelben Rock'n'Roll Coaster, in Ostberlin gekauft." Die Himalayabahn verkaufte Herhaus schließlich 1990 an den Schwaben-Park, von dort ging sie drei Jahre später in den Bayern-Park. 2015 kaufte Vorlops Vater sie schließlich. "Mein Papa hat mir die Achterbahn gekauft", erzählt er stolz.

Eineinhalb Jahre lang hat er sie komplett renoviert und modernisiert. Die einst kühl wirkenden Wagen strotzen jetzt vor Alpen-Gemütlichkeit. In Form von Schlitten, die von Männern mit Seppelhut und Lederhosen 680 Meter weit über Schienen auf 15 Meter Höhe gefahren werden. Hinauf geht es wie früher mit Kettenzug. "Der Rest der Fahrt ist reine Schwerkraft", sagt der junge Mann mit breitem Grinsen. Es rattert unter dem riesigen Löwen, der auf einem Podest in 55 Meter Höhe sitzt und aus der Ferne wie der "Löwenbräu-Löwe" in Kleinformat vom Münchner Oktoberfest aussieht. Dieser hier brüllt nicht und er trinkt nicht wie sein großes Vorbild, aber er trägt einen Bierkrug. Die vielen urigen Kunstwerke, die speziell für Vorlop in Bochum hergestellt wurden, sind nur ein Teil der Renovierung.

Dippemess: Der Alpen Coaster ist ein Spaß für jeden

130000 Euro hat allein der Umbau der Technik gekostet. Früher wurden die acht Gondeln für je vier Personen noch per Hand gebremst. Jetzt geht das über Sensoren. Alle 200 Schienenteile und 600 Streben wurden Stück für Stück bearbeitet und die Zig-Tausenden von Glühbirnen in LED umgetauscht. Der Aufbau der Anlage dauert mit sieben Personen eine ganze Woche lang, der Abbau drei Tage. Für den Transport der 200 Tonnen Material waren 13 Schwerlasttransporter für die 400 Kilometer Strecke nötig. "Der Aufwand ist enorm. Neue Achterbahnen sind schneller aufzubauen, aber die Wildcat, so heißt das Modell, ist einfach toll."

Die Vorlops betreiben insgesamt drei Achterbahnen. Vor vier Jahren haben sie ihr 50. Jubiläum als Achterbahnbetreiber gefeiert. "Niemand sonst ist noch so lange am Stück in diesem Geschäft", ist er stolz. Er liebt jedes Detail an seinem Alpen Coaster, der mit bis zu 50 Kilometern pro Stunde in die Kurven fährt. "Das ist genauso etwas für den Opa mit seinem Enkel und für Jugendliche", stellt er immer wieder fest. "Nicht zu rasant, nicht zu lasch." Schwierig sei es nur, weil sich der Aufbau nur dann lohnt, wenn die Kirmes länger als ein paar Tage dauert. Wie jetzt auf dem Dippemess-Park. Kinder quietschen vor Freude, wenn die Bahn lustig rattert, Jugendliche finden den 'Old-School-Style' cool, und Erwachsene schweben sentimental in Kindheitserinnerungen.

Das Erbe der „Grand Dame der Schausteller“ hat Bestand

Vorlop kannte Lulu Herhaus nicht, aber er weiß, dass sie streng war und eine Wohnung in der Nähe vom Festplatz oder in Fechenheim hatte. Thomas Roie, der das Wellenkarussell betreibt, erinnert sich gut. "Als Kinder haben wir sie immer gefragt, ob wir Achterbahn fahren dürfen. Jedes Mal hat sie uns erst nach Hause zum Händewaschen geschickt", sagt er und lacht.

Den Spitznamen "Grand Dame der Schausteller" hatte Herhaus bereits 1945 direkt nach dem Krieg von keinem Geringen als Zoodirektor Prof. Bernhard Grzimek bekommen. Am 15. Juli hat er den Tierpark wieder eröffnet. Um Besucher anzulocken, hat er Schausteller dazu geholt. Darunter gehörte auch die hölzerne damalige "Figur-8-Bahn" Herhaus, die im Schwarzwald versteckt war, damit das Material nicht wie bei anderen Fahrgeschäften für den Wiederaufbau verwendet werden konnte. Auf den Reklameschildern stand geschrieben: "Die einzige Achterbahn, die in Westdeutschland noch übriggeblieben ist, steht jetzt im Zoo".

Der Dippemess-Park auf dem Festplatz am Ratsweg mit dem historischen Alpen Coaster ist noch diese Woche geöffnet. Bis Donnerstag von 15 Uhr bis 22 Uhr, Freitag bis 23 Uhr, Samstag von 12 Uhr bis 23 Uhr und am Sonntag von 12 Uhr bis 22 Uhr. Beim Besuch müssen einige Corona-Regeln beachtet werden.

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