Diese Jupitersäule wurde 2003 auf dem Areal gefunden.
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Diese Jupitersäule wurde 2003 auf dem Areal gefunden.

Frankfurter Stadtgeschichte

Die allerletzte Chance für den Römerpark

  • Judith Dietermann
    VonJudith Dietermann
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Sofortiger Planungsstopp für ehemaliges Ami-Areal gefordert

Wild wuchernde Brombeerhecken, ein Bauwagen und Container, dazwischen Büsche und Bäume. Zwischen dem Grün stehen verfallene, teils mit Graffiti besprühte Baracken, mit vergitterten Fenstern und rissigen Wänden. Am Zaun hängt seit einigen Tagen ein Schild: Ab 2. Juli Privatgrundstück.

Es ist das rund 90-mal-90 Meter große Grundstück in der Römerstadt 126 - 134, auf dem sich in den vergangenen Jahren die Natur ihren Weg gebahnt hat. Und auf dem bereits seit 1991 das Denkmalamt aktiv ist. Denn unter dem Wildwuchs schlummern Reste der römischen Stadt Nida (circa 70 bis 260 n. Chr.). Reste, die der Ortsbeirat 8 (Heddernheim, Niederursel, Nordweststadt) seit mittlerweile 30 Jahren in Form eines Römerparks erlebbar machen möchte. Mit einem interfraktionellen Antrag beauftragen die Stadtteilpolitiker deswegen nun den Magistrat, die Planungen für eine Bebauung des Areals sofort und bis auf weiteres zu stoppen.

Denn auf dem Areal sollen rund 200 Wohnungen entstehen, 50 Prozent davon öffentlich gefördert. Wohnungen, die in Frankfurt dringend benötigt werden, betont Frank Junker, Geschäftsführer der städtischen Wohnungsbaugesellschaft ABG Holding, die das Areal jüngst von der Bundesanstalt für Immobilien erworben hat. "Eventuelle Funde werden in die Gebäude oder die Außenanlagen integriert", verspricht er. Dies passiere in enger Zusammenarbeit mit dem Denkmal-, dem Stadtplanungsamt und dem Archäologischen Museum. Die Planungen zu stoppen sei quasi nicht mehr möglich. "Die sind abgeschlossen", sagt er.

Mit dem Stopp der Planungen für die Bebauung des Areals solle auf den noch nicht untersuchten Flächen unverzüglich mit archäologischen Grabungen begonnen werden, begründet derweil der Ortsbeirat seine Forderung. Wie auch unter den noch vorhandenen Baracken, die einst die US-Amerikaner dort aufgestellt und bis zu ihrem Abzug genutzt hatten. Dies werde ohnehin getan, erklärt derweil Junker. Im Oktober, nach der Vogelbrutzeit, soll das Gelände gerodet, anschließend die Baracke abgebrochen werden. Und der Boden darunter freilich auch untersucht werden. In der September-Sitzung des Ortsbeirates werde er über das weitere Vorgehen informieren, verspricht Frank Junker.

Dieser regt derweil eine Planungswerkstadt an. Mit dem Ziel, die Funde, Fundamente und antike Straßenführung von Nida in das Bauprojekt zu integrieren. Eine angemessene Außenstelle des Archäologischen Museums für Workshops und Vorträge sei dabei einzuplanen.

Mit dem mittlerweile vollständig in städtischem Besitz befindlichen Ausgrabungsgelände in der Römerstadt biete sich die allerletzte Chance, auf einem zusammenhängenden größeren Areal Fundamente und Funde von Nida zu erhalten, begründen die Stadtteilpolitiker ihren gemeinsamen Antrag. Es gebe zwar noch steinerne Zeuge dieser antiken Stadt. Diese lägen aber zusammenhangslos im Stadtteil: Zwei restaurierte Töpferöfen am Erich-Ollenhauer-Ring, ein Brunnen am Rand der Römerstadt, eine römische Türschwelle am Wenzelweg sowie Teile der Ostumwehrung. Das könnte dieses Mal besser gemacht werden. jdi

Der Ortsbeirat 8 tagt

Heute, 8. Juli, 20 Uhr im Bürgerhaus Nordweststadt, Walter-Möller-Platz.

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