Kennt sich wie kaum ein zweiter mit der Nidda und den in sie mündenden Bächen aus: Umweltschützer und Fisch-Experte Gottfried Lehr, der die Qualität der heimischen Gewässer seit Jahrzehnten im Auge hat.
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Kennt sich wie kaum ein zweiter mit der Nidda und den in sie mündenden Bächen aus: Umweltschützer und Fisch-Experte Gottfried Lehr, der die Qualität der heimischen Gewässer seit Jahrzehnten im Auge hat.

Umwelt

Angst vor Gift und Keimen: Wie hoch ist die Gefahr im Eschbach?

  • VonNiklas Mag
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Die Belastung des Eschbachs in Frankfurt bleibt weiter ein Thema. Bis zu 80 Prozent des Wassers kommt aus der Kläranlage. Ein Todesopfer hat der Bach schon gefordert.

Frankfurt – Dietrich Fischer wohnt in der Straße In den Biegen. Schüttet es beim nächsten Starkregen wieder aus allen Eimern, könnte auch sein Grundstück geflutet werden. Seine Sorgen richten sich aber nicht nur auf den dann dramatisch steigenden Pegel, sondern auf die mikroskopisch kleinen Inhalte des Eschbachs. Dessen Keimbelastung war in den vergangenen Jahren nämlich immer wieder Thema.

Eschbach in Frankfurt: Keime haben Menschen das Leben gekostet

Selbst ein Menschenleben haben die Verunreinigungen gekostet. 2017 war ein Mann in den Eschbach gefallen und später an multiresistenten Keimen verstorben. "Am Eschbach müsste es überall Warnschilder geben, dass sich offene Wunden entzünden könnten, wenn man in das Wasser geht, oder Schlimmeres", fordert Fischer. Also: Wie steht es um die Wasserqualität des Eschbachs und besteht Gefahr durch Keime, wenn er über die Ufer tritt?

Das Thema Hochwasser ist in Frankfurt schließlich wieder sehr präsent. Nach wiederholten starken Regenfällen in den vergangenen Jahren sorgen sich viele Bewohner des Frankfurter Nordostens immer mehr um ihr Hab und Gut. In Harheim hatte der Ortsbeirat im Herbst umfassende Forderungen für eine bessere Absicherung des Eschbachs und der Nidda verabschiedet, die Stadt Frankfurt hat Starkregenkarten zur Prävention von Hochwasser erstellt.

Eschbach in Frankfurt: „Wenn es im Taunus stark regnet, kommt Welle auf uns zu“

In der Ortsbeiratssitzung im Oktober kam auch die Harheimer Hochwasserlage zur Sprache: "Kernaussagen waren, dass Harheim von der Nidda eher nicht gefährdet ist, der Eschbach dann über die Ufer tritt, wenn es im Taunus stark regnet. Dann kommt eine Welle auf uns zu, wie das wohl auch vor einigen Jahren der Fall war", so fasste Ortsvorsteher Frank Immel (CDU) in der Sitzung ein früheres Gespräch mit der Stadtentwässerung zusammen.

Gewässerökologe Gottfried Lehr aus Bad Vilbel kennt sich mit den Gewässern in der Region aus und ist vertraut mit dem Fall des Mannes, der vor vier Jahren an den Folgen der Keiminfektion starb. Doch Lehr mahnt, diesen Fall nicht als Blaupause zu nehmen: "Die ganze Geschichte wurde natürlich auch sehr aufgebauscht", mahnt er.

Eschbach in Frankfurt: Die Gefahr nicht unterschätzen

Grundsätzlich sei die Keimbelastung aber auch nicht zu unterschätzen. Wenn auch niemand Angst haben müsse, bei Kontakt mit dem Eschbach sofort umzukippen, weiß Lehr: "Bei Niedrigwasser bestehen kleine Flüsse wie der Eschbach aus rund 80 Prozent Kläranlagenwasser." Einfach gesagt, werde dem Taunus Grundwasser entnommen, von den Menschen genutzt und dem Eschbach nach der Reinigung wieder zugeführt. Doch multiresistente Keime überstünden die Reinigung durch die Kläranlage oftmals: "Das ist bei den Taunusbächen einfach so. Die Keimbelastung ist bei Niedrigwasser recht hoch", erklärt der Experte. "Allerdings kann man nicht einfach pauschal sagen, dass bei Hochwasser eine Gefahr durch Keime besteht."

Es könne bei jedem über die Ufer tretenden Fluss passieren, dass dieser noch eine Güllegrube und alle darin lebenden Bakterien mitnehme, bevor er auf eine Siedlung trifft. "Grundsätzlich ist bei unseren Flüssen und Bächen immer mit multiresistenten Keimen zu rechnen, darüber muss man sich einfach klar werden", weiß Gottfried Lehr. Letztendlich könne das nur über eine vierte Reinigungsstufe in den Kläranlagen gelöst werden. 2018 erklärte das Gesundheitsamt gegenüber dem Ortsbeirat 14 (Harheim), dass Spielen am Eschbach kein Problem sei, schwimmen sollte man darin allerdings nicht.

Auf erneute Anfrage antwortet das Gesundheitsamt jetzt sehr allgemein: "Die Empfehlung im Eschbach nicht schwimmen zu gehen, liegt an der EU-Badegewässerrichtlinie. Da es ein Fließgewässer ist, ist die Badewasserqualität grundsätzlich kaum sicherzustellen." Das Wasser verändere sich dort permanent. Grundsätzlich seien die Gewässer im allgemeinen aber in den vergangenen 30 bis 40 Jahren deutlich reiner geworden und heute weniger belastet. (Niklas Mag)

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