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Die Basis steht hinter Manuela Rottmann

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Von: Julia Lorenz

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Mit starkem Rückhalt in den OB-Wahlkampf: Die Grünen stimmen mit 95 Prozent für Manuela Rottmann und schicken somit eine strahlende Kandidatin in das Rennen um den Chefsessel im Römer am 5. März.
Mit starkem Rückhalt in den OB-Wahlkampf: Die Grünen stimmen mit 95 Prozent für Manuela Rottmann und schicken somit eine strahlende Kandidatin in das Rennen um den Chefsessel im Römer am 5. März. © Rolf Oeser

95 Prozent der Frankfurter Grünen küren die 50-Jährige zur Kandidatin für die Oberbürgermeisterwahl am 5. März

Die Erleichterung über die Nominierung der grünen Kandidatin für die Oberbürgermeisterwahl, über die Geschlossenheit der Partei, ist Grünen-Chefin Julia Frank deutlich ins Gesicht geschrieben. „Wie krass geil ist denn bitte das Ergebnis“, platzt es denn auch aus ihr heraus, während im Hintergrund der Song „Don’t stop me now“ von Queen aus den Lautsprechern schallt. Euphorie liegt in der Luft.

Nur wenige Minuten zuvor hatten die Grünen auf ihrer Kreismitgliederversammlung im Saalbau Griesheim am Samstagnachmittag die Bundestagsabgeordnete Manuela Rottmann mit 95 Prozent der abgegebenen Stimmen gewählt - ohne große Diskussionen innerhalb von nur einer Stunde. Das ist bei den basisdemokratischen Grünen keine Selbstverständlichkeit. Lediglich elf der 220 anwesenden Parteimitglieder stimmten gegen sie. Gegenkandidaten gab es keine Damit geht die 50-Jährige für die Grünen am 5. März ins Rennen um den Chefsessel im Römer.

Manuela Rottmann war sichtlich überrascht über das doch sehr eindeutige Ergebnis. „Das ist eine super Grundlage“, sagte sie hinterher im Gespräch mit dieser Zeitung. Erwartet hätte sie es nicht, gleichwohl sie in den Tagen zuvor zahlreiche Anrufe und Textnachrichten bekommen hätte mit Glückwünschen zu ihrer Nominierung. „Ich hatte das Gefühl, dass sich viele auf den heutigen Tag freuen“, sagte sie. Deshalb sei sie „mit guter Stimmung“ nach Frankfurt gekommen.

In den vergangenen Tagen gab es viele Diskussionen innerhalb der Partei, ob Rottmann die richtige Kandidatin ist. Eine siebenköpfige, von der Basis eingesetzte Findungskommission hatte die 50-Jährige nach intensiven Gesprächen mit mehreren Interessenten als Kandidatin für die OB-Wahl vorgeschlagen. Die Kritiker jedoch hätten sich eine Alternative, eine Auswahl gewünscht. Zudem wurde beklagt, dass Rottmann zuletzt vor zehn Jahren in Frankfurt politisch aktiv war. Von 2006 bis 2012 war sie Dezernentin für Umwelt und Gesundheit. Ihr Bundestagsmandat erlangte die promovierte Juristin jedoch in ihrer fränkischen Heimat. Die Kritik: Auch in Frankfurt würde es geeignete Kandidatinnen geben wie Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg und Hilime Arslaner geben, die beide Interesse an dem Chefsessel im Rathaus bekundet hatten.

Gespräche mit Mitbewerberinnen geführt

Doch weder die Kritiker innerhalb der Partei noch Eskandari-Grünberg oder Arslaner ließen sich am Samstag im Bürgerhaus blicken. An diesem Tag war nur Positives zu hören. „Ich freue mich sehr, dass Manuela unsere Kandidatin ist“, sagte etwa die ehemalige Stadtverordnete Ursula auf der Heide. Und die Fraktionsvorsitzende Tina Zapf-Rodriguez sagte: „Ich bin überzeugt, dass die nächste Oberbürgermeisterin eine Grüne sein wird.“

Einen innerparteilichen Streit sieht Rottmann nicht. Es hätte bereits in den vergangenen Tagen ein Gespräch mit Eskandari-Grünberg und Arslaner gegeben. Auf die beiden kämen „schwierige Zeiten“ mit einer „großen Verantwortung“ zu, sie müssten die Bürger „durch einen schwierigen Winter“ führen. Sie selbst wolle die beiden Frauen dabei unterstützen.

In ihrer achtminütigen Rede, die der Landtagsabgeordnete Marcus Bocklet hinterher als „grandios“ bezeichnete, betonte Rottmann, dass sie Frankfurt nie los gelassen habe und dass der Wahlausgang „keine sichere Sache“ sei. „Wenn ich aber an Bequemlichkeit hinge, wäre mein Leben bisher anders verlaufen und ich stünde nicht hier“, sagte sie. Ihrer Meinung nach sei „die zentrale Aufgabe“ ein klimaneutrales Frankfurt bis 2035. Dafür reiche es aber nicht, „zwei oder drei Windräder“ aufzustellen. Es müsste „einen Umbauboom hin zu einer Schwammstadt“ geben. Auch nachhaltiger Konsum gehöre dazu. Zudem sei es wichtig, den Bürgern zuzuhören und „nicht zu wissen glauben, was für jeden das Beste ist“. Es folgten minutenlanger Applaus und Standing-Ovations.

Nach ihrer Wahl bedankte sich Rottmann bei der Parteibasis „für das unglaubliche Vertrauen“, vor allem bei denjenigen, die sie zuvor „noch nie in 3 D“ gesehen hätten. Sie versprach: „Wir sehen uns bis März sehr, sehr viel.“ Und sie wünschte sich einen Wahlkampf, „der Spaß macht“, „die Stadt wieder zusammenführt“ und „schon ein Neuanfang ist“.

Während des Wahlkampfes will Rottmann ihr Bundestagsmandat behalten. Wie und in welcher Form sie noch als Staatssekretärin im Bundeslandwirtschaftsministerium arbeiten werde, will sie in den kommenden Tag mit Minister Cem Özdemir besprechen. Dieser gratulierte ihr zumindest schon einmal über die sozialen Netzwerke. Bei Twitter schrieb Özdemir: „Herzlichen Glückwunsch, liebe Manu. Dein tolles Ergebnis ist Rückenwind für den nun kommenden Wahlkampf. Dafür viel Kraft und - auch wenn es mir schwer fällt - viel Erfolg. Für das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft wäre es zwar ein großer Verlust, aber für rund 764 500 Frankfurter ein echter Gewinn!“

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