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Gastronomen in Frankfurt hängen in der Luft – Kommt Stadt ihren Pflichten nicht nach?

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Von: Michael Forst

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Bangen um ihre (sandige) Zukunft: Die Niddastrand-Betreiber Mary Massieu und Georg Grimm. FOTO: maik reuss
Bangen um ihre (sandige) Zukunft: Die Niddastrand-Betreiber Mary Massieu und Georg Grimm. © Maik Reuß

Die Betreiber einer beliebten Beach-Bar in Frankfurt bangen um die Zukunft ihres Lokals. Sie sehen die Stadt in der Pflicht.

Frankfurt – Auch wenn der Niddastrand in Frankfurt wie jedes Jahr um die Osterzeit seine Pforten für Gäste von nah und fern öffnen wird: Die Pächter Georg Grimm, Holger Hauke und seine Frau Mary Massieu fürchten um die Zukunft des beliebten Freiluftlokals. "Wir hängen komplett in der Luft", klagt Grimm. Sein Vorwurf: Die Stadt komme ihren Verpflichtungen als Vermieter nicht nach. Dazu gehörten die Strom- und Wasserversorgung, aber auch die Entsorgung der Toiletten-Fäkalien.

Besonders hart sei es in der vergangenen Saison gewesen, als aus sicherheitstechnischen Gründen auf dem kompletten Hof für vier Monate der Strom abgestellt wurde. Die Gastronomen mussten sich mit einem Notstrom-Aggregat behelfen. Mary Massieu betont, dass man tief in die eigene Tasche gegriffen habe, um das zu kompensieren. Und teils immer noch vergeblich auf die Rückzahlung dieser Auslagen warte. "Dabei sind wir wegen der Pandemie sowieso seit zwei Jahren am Limit", klagt sie. Umso stolzer ist sie darauf, dass sie als Niddastrand-Betreiber keinen der etwa zehn Mitarbeiter entlassen haben.

Gastro-Szene: Niddastrand Frankfurt über Monate ohne Strom

Grimm unterstellt der Stadt "keinen bösen Willen". Sie sei vielmehr "kopflos in ein Abenteuer gerannt", als sie vor zwei Jahren das Anwesen "für eine horrende Geldsumme kaufte, ohne zu wissen, was genau dazu gehört und welche Folgekosten damit verbunden sein werden".

So gebe es bis heute bei der Stadt kein Konto, auf das die Pächter ihre Pacht überweisen könnten. "Wir haben alles auf einem Treuhandkonto gesammelt und fragen jeden Monat nach, ob es Neuigkeiten gibt", erklärt Grimm.

Erworben hatte die Stadt das rund 40 Hektar große Areal unweit des Niddaufers von den Erben des früheren Besitzers Georg Diehl. Neben dem Niddastrand gehören dazu Felder für den Futteranbau, Stallungen, Betriebsgebäude sowie ein großen Spielfeld des örtlichen Polo-Clubs.

Wie steht es um die Zukunft der Niddastrand-Gastronomie in Frankfurt?

Im August 2020 erklärte Planungsdezernent Mike Josef (SPD) zwar den Bestandsschutz für den Niddastrand und den Reitsportverein: "Der beliebte Treffpunkt soll weiterhin für Bürger und Besucher erhalten bleiben; dafür stehe ich", sagte er damals. Doch ebenso im Raum steht ein Magistratsbericht aus demselben Jahr zur Zukunft des Geländes. In dem war unter anderem zu lesen, dass die Niddastrand-Gastronomie im Grüngürtel nicht genehmigungsfähig sei.

Die Fragen des Stadtteilparlaments, was aus dem Hof werden soll, den die Stadt nach dem Tod seines Besitzers Georg Diehl gekauft hat, sind nunmehr seit April 2020 unbeantwortet. Auch eine eigene "Bürgerinitiative Georgshof" wirbt seit dem Sommer 2020 bei der Stadt für ihre von den Nieder Bürgern erarbeiteten Pläne für die Neugestaltung. Sie will das Gelände als Lernort für Kinder im Zusammenhang mit Landwirtschaft und Ernährung genutzt wissen und den Niddastrand als öffentliche Gastronomie erhalten.

Niddastrand-Problematik: „Das darf nicht zugrunde gehen“

Eine Stellungnahme der Stadt zu alldem steht noch aus. Zuletzt hatte der Ortsbeirat 6 nach der Zukunft des Anwesens gefragt. So soll der Magistrat berichten, ob die komplizierte Vertragslage in der Zwischenzeit aufgearbeitet werden konnte, welche Ziele die Stadt mittlerweile verfolge und inwieweit bei der künftigen Nutzung die Bürgerwünsche nach einem offenen Bauernhof mit pädagogischen Angeboten und dem Erhalt der beliebten Gastronomie Niddastrand berücksichtigt werden sollen.

Die Betreiber betonen unterdessen, dass sie die geforderten Auflagen des Umweltschutzes stets im Auge behalten hätten. "Wir verstehen uns nicht als Party-Location", erklärt Georg Grimm. Im Gegenteil sei man sich des besonderen Wertes bewusst, den die Bar ihrer Lage mitten in der Natur und nahe der Nidda verdanke. "Der Georgshof ist das einzige, was der arme Westen zu bieten hat", pflichtet ihm Mary Massieu bei. Sie fügt hinzu: "Das darf nicht zugrunde gehen." (Michael Forst)

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