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Hab' den Wagen vollgeladen: Winfried Schmidt mit seinen Enkeln Henrik und Jonas auf ihrer Streuobstwiese.

Harheim: Erntezeit

Die besten Äpfel kommen in die Presse

  • vonSabine Schramek
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Der Endspurt auf den Streuobstwiesen hat begonnen.

Wer an den Streuobstwiesen vorbeiläuft, kommt sich vor wie im Bilderbuch. Noch hängt ein Teil der uralten Bäume voller gelber, roter und rot-gelber Äpfel im sich langsam herbstlich verfärbendem Laub. Doch langsam wir es Zeit, auch die letzten zu sammeln.

Winfried Schmidt (77) steht zwischen seinem kleinen grünen Traktor und einem Apfelbaum, an dem eine Metallleiter lehnt. Er zieht seine Kappe etwas aus der Stirn und ruft Henrik Müller (17) zu, wo er noch kräftig schütteln muss. Es raschelt laut und Schmidt muss ausweichen vor dem Apfelregen von oben. Jonas (14) stört das nicht. Er schiebt gemächlich einen Rollblitz, der wie ein Football aus dünnen Metallstangen an einem langen Holzgriff aussieht, über die unebene Wiese und sammelt damit das frische Obst ein. "Mach schneller, wir haben ja nicht ewig Zeit", ruft Schmidt scherzhaft seinem Enkel zu.

Schafnase und Goldparmäne

Stundenlang sammeln die Männer der Familie so Schafnasen, Rheinische Bohnäpfel und Goldparmänen ein. Henrik schüttelt und rüttelt oder klopft mit Holzstangen an den Äste, damit die Paradiesfrüchte auf den Boden fallen. "Ei, es wär doch schade, wenn gute Äpfel so einfach auf dem Boden liegen blieben", meint Landwirt Schmidt schmunzelnd. "Gaststätten kaufen gern ein. Das ist leichter für sie. Eigene Äpfel lassen viele Wirte einfach hängen."

Auf dem rot-grün gestrichenen Hänger des grünen Traktors stehen Kisten, die schon voller Äpfel sind. Wenn Jonas seinen Rollblitz voll hat, kippt und schüttelt er die aufgerollten Äpfel in einen großen Drahtkorb. Von dort aus wird handverlesen. Die guten kommen in die Kisten, die wenigen verfaulten schmeißen die Jugendlichen in hohem Bogen Richtung Wäldchen. "Da haben die Tiere noch was von", erklären sie ihre Weitwurf- und Kick-Kunststücke.

Mit dem Schlepper zur Kelter

Neben den Kisten auf dem Hänger sind noch Folien gestapelt, Holzstangen und ein weiterer Rollblitz. Wenn der Hänger voll ist, tuckert das Team los. "Possmann in Rödelheim ist mit dem Traktor zu weit. Da müssen wir über die Autobahn und das geht nicht", erklärt Schmidt. Nach Hochstadt zu Höhl sind sie 1,5 Stunden unterwegs. "Eigentlich bräuchten wir einen LKW, aber wir haben das immer so gemacht", sagt Schmidt lachend und treibt seine Jungs an.

Er ist zufrieden mit der Ernte. "Die Äpfel sind ziemlich groß in diesem Jahr. Vor allem auf den alten Bäumen. Sonnenbrand hatten wir keinen und die schauen richtig gut aus." Bei jüngeren Bäumen wird vorsichtig einzeln per Hand abgepflückt. "Die guten nehmen wir mit, die schlechten bleiben hängen, bis sie von selbst runterfallen."

Schmidt blickt sich auf der großen Streuobstwiese um. Er zeigt auf ganz junge Bäume, die von "Neulingen" gepflanzt wurden. Die Stämmchen sind mit grünem Draht umwickelt. "Der soll gegen Wühlmäuse sein", erklärt der Fachmann. "Die nagen auch noch zehn bis 15 Jahre alte Wurzeln an." Dass manche den Draht nicht eingegraben haben, schiebt er auf "Unkenntnis. Da lachen die Mäuse und fressen sich satt."

Alle Jungbäume sind auch von Holzstangen umgeben. "Damit sollen die Bäume gut und gerade anwachsen. Wenn sie aber nicht an der richtigen Stellen und straff angebunden sind, kann man es eigentlich auch lassen. Es bringt den Bäumchen nichts, wenn da Schnüre einfach so umhängen." Der Landwirt vermutet "Städter" dahinter. "Die kennen halt keine wachsenden Bäume mehr", sagt er leicht amüsiert .

Seine Bäume hegt und pflegt er regelmäßig. Sie sind voll mit Äpfeln. "Ein bisschen Pflege muss schon sein", sagt er und blickt Henrik und Jonas scherzhaft-streng an. Ihnen macht es Spaß, Winfried Schmidt bei der Ernte zu helfen. Und auf dem Traktor zu fahren.

"Das ist eine schöne Tradition", sagen sie. "Nein, das ist Arbeit und versorgt uns mit Äppler", kontert der Landwirt, während sein Sohn Axel sich um die Bestellung der Felder kümmert. "Lukrativ ist das nicht sehr, wenn man die Zeit zum Sammeln, Sortieren, die Fahrt und das Keltern mit einrechnet. Darum kaufen auch so viele Gastwirte lieber den fertigen Most oder Ebbelwei ein." Schmidt bedauert das ein bisschen, weil er der Meinung ist, dass man mit Selbstgekeltertem "viel mehr Respekt vor der Ware hat. Weil man weiß, wie viel Arbeit dahinter steckt."

Er schaut zufrieden in die vollen Körbe auf dem Hänger. "Ich glaube, der Schoppen in diesem Jahr wird richtig gut." SABINE SCHRAMEK

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