Die Maschinen haben Blaulicht und Signalhorn, aber in den allermeisten Fällen geht es nicht ums schnelle Fahren, sondern gerade ums Gegenteil: Bei Demonstrationen müssen die Biker Schrittgeschwindigkeit beherrschen.
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Die Maschinen haben Blaulicht und Signalhorn, aber in den allermeisten Fällen geht es nicht ums schnelle Fahren, sondern gerade ums Gegenteil: Bei Demonstrationen müssen die Biker Schrittgeschwindigkeit beherrschen.

Blaulicht

Erste Hilfe auf zwei Rädern: Die Biker vom Arbeiter-Samariter-Bund

  • VonDavid Schahinian
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Mitglieder der Frankfurter Motorradstaffel sind mit Blaulicht und Signalhorn oft als Erste an der Einsatzstelle. Die Männer und Frauen haben schon viel erlebt.

Frankfurt - Die Betroffenen werden sich noch gut daran erinnern: Im November 2020 brannte es im Umspannwerk der Süwag in Höchst - und der Strom in mehreren westlichen Stadtteilen fiel für Stunden aus. Alarmiert wurde seinerzeit auch die ehrenamtliche Motorradstaffel des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) Hessen. Auf den wendigen Zweirädern konnte sie schnell an Ort und Stelle sein. "Wir waren dort als Erkundungstruppe im Einsatz", erinnert sich Pejman Bijanzadeh, Koordinator der Motorradstaffel beim ASB-Regionalverband Frankfurt.

Einen Überblick schaffen, schnelle Erste Hilfe leisten, Rückmeldung an die Einsatzleitung geben - das ist ein wichtiger, aber nur ein kleiner Teil ihrer Aufgaben. Dazu zählen unter anderem auch die Führungsunterstützung bei Bombenentschärfungen, Personensuchen in unwegsamem Gelände oder die sanitätsdienstliche Betreuung von Großveranstaltungen - zuletzt bei der großen Biker-Demonstration am 1. August in Frankfurt. Bei der Sprengung der Weltkriegsbombe im Nordend im Mai wurde in der Eissporthalle ein großes Evakuierungszentrum errichtet. Dort unterstützte die Staffel bei der Ordnung der anfahrenden Fahrzeuge.

Frankfurter Motorradstaffel des ASB: Zuerst kommt das Fahrsicherheitstraining

Sie wurde jüngst aufgerüstet - 17 neue Fahrzeuge schaffte der hessische Regionalverband an, sechs davon sind in Frankfurt stationiert. Vorher waren es lediglich drei. Um sie zu fahren, sind einige Voraussetzungen zu erfüllen, erklärt Bijanzadeh: "Man muss seinen Führerschein mindestens zwei Jahre lang haben, eine eigene Maschine und Erfahrung." Auch körperliche Fitness ist nötig. Die Maschinen sind schwer und mit Blaulicht, Signalhorn sowie medizinischem Material ausgestattet. Wer dann mehrere Stunden als Stau-Betreuer in voller Montur bei hohen Temperaturen auf der Autobahn unterwegs ist, spürt das spätestens abends in den Knochen.

Dieses Team hat am 1. August bei der Motorrad-Demo in Frankfurt den Sanitätsdienst geleistet und ist die Strecke mitgefahren.

Vor ihrem ersten Einsatz und danach regelmäßig durchlaufen die Männer und Frauen - für die die Staffel ebenso offen ist - außerdem das Fahrsicherheitstraining. Alle zwei bis drei Wochen stehen zudem sogenannte Bewegungsfahrten auf dem Programm. Sie dienen zum einen dazu, das Terrain noch besser kennenzulernen. Städtische Straßen kennt man im Zweifelsfall noch, aber was, wenn sich im Wald ein Unfall ereignet? Zum anderen helfen sie, mit den Maschinen und ihrem Fahrverhalten vertraut zu bleiben.

Das ist nötig. Aber nicht, wie man vermuten könnte, weil die Staffel auf heißen Reifen unterwegs ist. Manchmal schon, aber: "Ein Großteil unserer Arbeit müssen wir langsam fahren, beispielsweise bei der Begleitung von Demonstrationen. Da muss man die Maschine gut beherrschen." In der Regel fahren zwei der Maschinen zusammen, weil sie sich in ihrer Ausstattung leicht unterscheiden und ergänzen. Gemeinsam wird vom Standort der Fahrzeuge in der Borsigallee aus gestartet. Die Ausstattung der Fahrer, das Material sowie die Instandhaltung und der Kraftstoff für die Motorräder wird über Spenden finanziert.

Frankfurt: Dramatische Einätze für Motorradstaffel – Oft zuerst vor Ort

Es liegt in der Natur der Sache, dass man manche Einsätze nicht so schnell vergisst. Pejman Bijanzadeh erinnert sich an einen Fall, in dem es bei einem Unfall zu einem großen Stau kam. Die Staffel war als Erste an der Einsatzstelle, weil der Rettungswagen nicht durchkam. Gerade im Bereich der Autobahn sprechen die Wendigkeit und der geringe Platzbedarf der Maschinen für ihren Einsatz, sagt er. Die Mitglieder der Motorradstaffel begannen mit der Reanimation, bis der Rettungswagen aus der anderen Richtung zum Unfallort kam und übernahm. Das verletzte Kind konnte aber nicht mehr gerettet werden.

Pejman Bijanzadeh, Koordinator der Motorradstaffel beim ASB-Regionalverband Frankfurt, fährt auch selbst Einsätze.

Manches Mal ändert sich der Einsatz auch dramatisch von einer Minute auf die andere. Wie vor einigen Jahren bei der Begleitung des Biker-Gottesdienstes zum Start der Saison in Gelnhausen. Beim anschließenden Korso kam es zu einem Unfall mit mehreren Verletzten. Plötzlich waren die Einsatzkräfte als Ersthelfer gefragt - und mussten mehr als 2000 Biker umleiten.

Die ehrenamtliche Arbeit bei der Motorradstaffel und seine Tätigkeit im Rettungsdienst haben zumindest bei Bijanzadeh auch Auswirkungen auf den persönlichen Fahrstil mit seiner eigenen Maschine. "Viele Stürze und Verkehrsunfälle, die ich gesehen habe, hätten vermieden werden können." Gerade als Motorradfahrer müsse man besonders aufpassen und vorausschauend fahren. "Ich bleibe lieber noch einen halben Kilometer hinter einem Lastwagen, als mich und andere mit einem riskanten Überholmanöver zu gefährden." (David Schahinian)

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