Auf dem Areal zwischen Autobahn, Römerhof und Felix-Kracht-Straße (im Hintergrund) haben die Vorbereitungsarbeiten begonnen, werden Bäume und Sträucher zurückgeschnitten.
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Auf dem Areal zwischen Autobahn, Römerhof und Felix-Kracht-Straße (im Hintergrund) haben die Vorbereitungsarbeiten begonnen, werden Bäume und Sträucher zurückgeschnitten.

Rebstockgelände

Bauprojekt sorgt für Kritik – Stadt zeigt sich zurückhaltend

  • VonBrigitte Degelmann
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Auf dem Rebstockgelände sollen fast 1000 neue Wohnungen entstehen. Doch an dem Bauprojekt in der City-West in Frankfurt gibt es Kritik.

Frankfurt – Jahrelang lag das nordöstliche Rebstockgelände zwischen der City-West, dem Rebstockpark und der Kuhwaldsiedlung brach. Demnächst werden in diesem Bereich Frankfurts 950 Wohnungen entstehen. Jetzt haben die Vorarbeiten begonnen. Das begrüßt der Ortsbeirat 2 zwar. Von der geplanten Umsetzung zeigt er sich jedoch wenig begeistert.

In mehreren Anregungen an den Magistrat schlägt das Gremium Verbesserungen vor. Beispielsweise einen Lärmschutzwall aus Erdaushub entlang der Autobahn, um den geplanten kammartigen Wohnriegel besser vor dem Lärm der Wiesbadener Straße und der A 648 zu schützen. Auch die Tatsache, dass der Stadtplatz entgegen früheren Planungen verkleinert und teilweise durch eine Tiefgarage unterbaut werden soll, stößt dem Ortsbeirat sauer auf. Eine Begrünung mit tiefer wurzelnden Bäumen werde damit schwer möglich. Stattdessen solle die Garage nur unter den geplanten Gebäuden errichtet werden, regt das Gremium an.

Bauprojekt in Frankfurt: Rebstockwald soll erhalten werden

Wichtig sei außerdem der Erhalt des Rebstockwaldes, vor allem wegen der hier entstehenden Kaltluft, die für ein besseres Klima in der Umgebung sorge. Überlegungen, Teile des Geländes beispielsweise für einen möglichen Schulbau zu opfern, lehnt der Ortsbeirat deshalb rundweg ab: „In Zeiten des Klimawandels und häufiger Hitzesommer scheint es völlig unangemessen, Teile eines Stadtwaldes mit bemerkenswertem Altbaumbestand und hoher Bedeutung für Vögel und andere Arten zu roden.“

In seiner kürzlich veröffentlichten Stellungnahme dazu geht der Magistrat jedoch nicht auf den Rebstockwald ein. Auch den anderen Vorschlägen des Ortsbeirats steht er offenbar reserviert bis ablehnend gegenüber. Den Bau eines Lärmschutzwalls beispielsweise habe man geprüft und als „nicht geeignet“ bewertet, heißt es in dem Papier. Immerhin sei der „passive Schallschutz“ durch dreifach verglaste Fenster gewährleistet. Auch Änderungen an den Tiefgaragen-Plänen weist die Stadtregierung zurück. Ihr Argument: „Die Unterbauung dieser Teilfläche ist mit der Eigentümerin bereits vertraglich vereinbart. Ein Abweichen von dieser Vereinbarung würde Schadenersatzansprüche auslösen.“ Außerdem werde der Platz auf fast zwei Dritteln der Fläche nicht unterbaut, so dass neben den geplanten 20 Bäumen noch weitere gepflanzt werden könnten.

Rebstockgelände in Frankfurt: So soll der Müll entsorgt werden

Auch im Hinblick auf die Müllentsorgung für das geplante Wohnquartier auf dem Rebstockgelände hatte der Ortsbeirat mehrere Vorschläge ausgearbeitet. Demnach sollten die künftigen Bewohner Abfälle „barrierefrei und möglichst bequem getrennt entsorgen können“. Deshalb müssten Glascontainer in der unmittelbaren Umgebung vorhanden sein, ebenso Bio- und Verpackungstonnen, möglichst als Unterfluranlagen.

Hier sieht sich der Magistrat jedoch nicht in der Pflicht. Die konkrete Ausgestaltung der Mülltonnenstandplätze liege letztlich in der Verantwortung der Grundstückseigentümer.

Bauprojekt in Frankfurt: Werden Solaranlagen auf den Dächern angebracht?

Eher zurückhaltend zeigt sich die Stadtregierung auch gegenüber dem Vorschlag des Ortsbeirats, auf den Dächern der geplanten Häuser Photovoltaik-Anlagen anzubringen. Der dort produzierte Strom könnte dann an die Mieter verkauft werden, so das Gremium und merkt bedauernd an, dass die Wörter „Photovoltaik“ und „Solar“ in der 62-seitigen Begründung des Bebauungsplanes für das Rebstockgelände bisher nicht vorkämen.

Grundsätzlich seien die Dachflächen aller Gebäude im Baugebiet für Photovoltaik-Anlagen geeignet, informiert der Magistrat in seiner Antwort darauf. Die Hinweise würden nun an die Bauherren weitergegeben – „möglicherweise können noch Modifikationen bei der Ausführungsplanung vorgenommen werden“. (Brigitte Degelmann)

Mehr als 22 Millionen Besucher kamen in den vergangenen 40 Jahren in das Rebstockbad. Im September wurde in Frankfurt mit dem Abriss begonnen.

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