Gallus: Kinder

Die Brot-Zeit braucht Hilfe

  • vonGernot Gottwals
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Frankfurter Ableger des von Uschi Glas initiierten Projekt sucht Ehrenamtliche

Manchmal, so erinnert sich die Frankfurter Projektleiterin der Initiative "Brot-Zeit" Kirstin Leonhardt, fühlten sich die Kinder an der Günderrodeschule fast wie im Hotel. "Denn der Schultag begann für sie mit einem Frühstücksbüffet. Die beteiligten Senioren bereiteten Cornflakes und Müsli vor und die Kinder konnten sich ihre eigenen Brote schmieren." Dann gab es immerhin noch Brotboxen und Tabletts mit Brottellern, bevor die meisten der beteiligten neun Frankfurter Grundschulen wegen Corona eine Pause einlegen mussten.

Bis zu 38 000 Frühstücke wurden dank des Projekts seit 2018 an Grundschulen der Förderregion Frankfurt an Schüler ausgegeben, die sonst mit leerem Magen in den Unterricht müssten. "Jetzt müssen wir die weitere Entwicklung im Lockdown abwarten. Doch sobald wir wieder öffnen können, stehe ich noch mit elf weiteren interessierten Schulen im Kontakt", so Kirstin Leonhardt.

Doch besonders im Gallus und in Griesheim werden derzeit noch Helfer vor allem im Seniorenalter gesucht. "Für die Bürgermeister-Grimm-Schule und die Eichendorffschule in Griesheim derzeit noch jeweils fünf bis sechs Ehrenamtliche", sagt die Projektleiterin.

Die Idee dabei ist eine Verbindung von sozialer Kinderbetreuung und aktiver Seniorenbetreuung. Denn viele Senioren, die sich bereits als Lesepaten oder Leihgroßeltern engagieren, entlasten so auch das Schulpersonal und finden Wertschätzung in ihrem Einsatz für das Kindeswohl.

Im Mittelpunkt der Aktion stehen freilich die Kinder: Denn bis zu 62 Prozent der Eltern tun sich nach einer Befragung des Instituts Allensbach für Demoskopieforschung inzwischen schwer, ihrem Nachwuchs morgens ein ausreichendes Frühstück zuzubereiten. Umso mehr Kinder kommen deshalb mit Hunger in die Schule oder sind zumindest unausgeglichen, reizbar und haben Probleme, sich im Unterricht zu konzentrieren.

Trend in sozial schwierigen Stadtteilen

Zwar sei dieser Trend auch vermehrt in sozial schwierigen Stadtteilen zu verzeichnen, weshalb Leonhardt auch gezielt Schulen im Gallus und in Griesheim angesprochen habe. Doch auch in besser situierten Familien könne es durchaus vorkommen, dass es beim Frühstück für die Kinder hapere: Etwa dann, wenn morgens wenig Zeit sei, wenn die im Schichtdienst arbeitenden Eltern noch schlafen und ältere Schulkinder es gerade noch schafften, die jüngeren Geschwister anzuziehen.

"Oft kommt es auch vor, dass reiche Eltern ihre Kinder mit dem SUV vor der Schule absetzen und ihnen Geld zum Frühstück mitgeben, das diese dann für ungesunde Süßigkeiten ausgeben", weiß Leonhardt. Daher werden vor allem ältere Menschen gesucht, die morgens ab 7 Uhr bereit sind, das Frühstück in der jeweiligen Schule zuzubereiten und angepasst an die Corona-Auflagen auszuteilen. Dafür gibt es eine Aufwandsentschädigung, die sich an der Übungsleiter- und Ehrenamtspauschale orientiert und bei sieben Euro pro Stunde liegt.

Die Lebensmittel und der Transport in die Frankfurter Schulen werden durch den Kooperationspartner Lidl und einen beauftragten Spediteur sichergestellt, außerdem wird das Projekt durch private Spender unterstützt. Der Projektname "Brot-Zeit" orientiert sich am bayerischen Begriff für eine Zwischenmahlzeit sowie für die angestrebte Chancengleichheit für benachteiligte Kinder, die durch ausgewogene Ernährung ("Brot") und Betreuung ("Zeit") beim Frühstück angestrebt sein soll.

Gegründet wurde "Brot-Zeit" im Jahr 2009 durch die Schauspielerin Uschi Glas gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem Unternehmensberater Dieter Hermann, und dem Münchner Rechtsanwalt Harald Mosler. An mehr als 200 Schulen in Deutschland organisiert der Verein jeden Morgen jeweils ein für die Schulen und Schüler kostenloses Gemeinschafts-Frühstück. Dies nehmen insgesamt täglich rund 4500 Kinder in Anspruch. Immerhin: 95 bis 96 Prozent der Kinder hatten einer Umfrage zufolge nach dem Frühstück eine gestiegene Konzentrationsfähigkeit und bessere Interaktion untereinander, 84 Prozent der befragten Lehrer fiel außerdem ein gestiegenes Lernverhalten auf. Und dafür dürfen sich die Schüler einige Minuten vor Unterrichtsbeginn sogar wie kleine Hotelgäste am Frühstücksbüffet laben- zumindest, sobald es die Corona-Situation wieder zulässt. got

So können Sie helfen

Weitere Informationen gibt es per E-Mail an leonhardt@brotzeit.schule oder unter der Rufnummer 0159 01 83 79 60

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