Es mangelt an Ersatzteilen für die Fahrräder. Das macht den drei Ketteneseln beim Werkstattservice zu schaffen: Jerome Deuser, Ismail Cakal und Björn Stahl (von links).
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Es mangelt an Ersatzteilen für die Fahrräder. Das macht den drei Ketteneseln beim Werkstattservice zu schaffen: Jerome Deuser, Ismail Cakal und Björn Stahl (von links).

Zweiradsaison

Die Ersatzteile für Fahrräder werden knapp

  • Thomas J. Schmidt
    vonThomas J. Schmidt
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Pandemie vermiest Radler die gute Laune

Frankfurt -"Es kann schwierig werden", sagt Ismail Cakal, Inhaber des Kettenesel in der Gutzkowstraße. "Die Kunden können sich Rahmen auf Maß fertigen lassen und bei uns einen Aufbau nach Wunsch bestellen." Das Problem sind die Teile: "Ersatzteile gibt es zurzeit nur homöopathisch." Denn sie kommen aus Fernost. Und das bedeutet, dass Hersteller wie Shimano keine Zusagen mehr machen. "Bis zu 20 Wochen muss man warten", sagt Cakal, "bis die Teile geliefert sind." Stangenware - Fahrräder, die keine Sonderanfertigungen sind, gibt es in seinem Laden noch genug. Dabei koste, so Cakal, ein gutes E-Bike rund 3500 Euro, ein gutes City-Bike sei ab 1500 Euro zu haben.

Dass Ersatzteile fehlen, bestätigt man auch bei Montimare in der Hanauer Landstraße. Demnach fehlen, wie ein Verkäufer berichtet, vor allem auch so alltägliche Dinge wie Zahnkränze und Ketten. "Zwölf bis 20 Wochen dauert die Wartezeit."

Im Radsporthaus Kriegelstein in Zeilsheim muss man ebenfalls Geduld mitbringen. "Reparaturen dauern momentan ein bis zwei Wochen", sagt Werkstattleiter Sascha Kraft. "Vorausgesetzt, die Teile sind auf Lager." Dies sei für die meisten Ersatzteile noch der Fall. "Aber wenn wir bestellen müssen, kann es derzeit bis Juli oder August dauern, bis die Teile eintreffen."

Das Verkaufsgeschäft ist mit der Lockerung im Einzelhandel wieder angelaufen. "Die Kunden können nach Voranmeldung kommen und sich ihr Rad aussuchen", so Kraft.

Seeschifffahrt hängt

noch in der Pandemie

Markus Schüßler ist der stellvertretende Leiter der Stadler-Niederlassung in der Borsigallee. Er sieht die Schwachstelle in der Logistik: "Es gibt noch viel zu wenige Container aus Asien. Die ganze Seeschifffahrt hängt noch in der Pandemie." Für Stadler sei es noch kein Problem. "Wir haben ein gut bestücktes Lager. Wir sind ein großer Händler, das schützt. Aber wenn es so weitergeht, wird es uns auch treffen." Teile der Schaltung, aber auch Ketten und Kassetten sind schon knapp. "Unsere Werkstatt ist für vier Wochen ausgebucht, und die Ersatzteile sind momentan knapp. Aber es ist noch machbar." Fast kein Kunde müsse wegen fehlender Teile abgewiesen werden: "Wir können noch alle bedienen."

Abgesehen vom Werkstattgeschäft läuft derzeit auch der Frühjahrsverkauf an. Neuräder sind noch viele auf Lager. "Dies liegt daran, dass wegen der Pandemie der Verkauf noch gar nicht richtig losgegangen ist", so Schüßler.

Bis zu 20 Verkäufer hat Stadler im Einsatz. Das bedeutet, das 20 Kunden gleichzeitig sich beraten lassen können. "Es ist jetzt sogar etwas angenehmer für die Kunden, weil das Personal mehr Zeit zur Beratung hat", sagt der stellvertretende Niederlassungsleiter. "Momentan können wir Terminwünsche oft noch am selben Tag realisieren" - bei 200 bis 250 Kundenterminen täglich. Und da nur etwa 70 Prozent der Kunden wirklich kommen, gebe es auch genügend freie "Slots", so dass Kunden einfach vorbeikommen und vor der Tür warten, bis ein Verkäufer Zeit hat.

"Nein", antwortet Schüßler auf die Frage, "es bilden sich auf der Borsigallee noch keine Warteschlangen." Im vergangenen Frühjahr sei es diesbezüglich schlimmer gewesen. Damals, beim ersten Lockdown, haben Fahrradgeschäfte und Buchhandlungen geöffnet bleiben können.

Leere Container stapeln sich

Für Bertram Giebeler, den verkehrspolitischen Sprecher des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs in Frankfurt (ADFC), stellt sich die Lage noch nicht dramatisch dar: "Wir Radfahrer brauchen ja nicht jeden Tag Ersatzteile", sagt er. "Das, was man täglich braucht - mal einen Schlauch, mal einen Bremszug oder Bremsbacken - ist noch vorhanden." Wer sich hingegen selbst ein Rad bauen möchte und dafür beispielsweise beim Spezialversand Rose in Bocholt bestellt, muss unter Umständen warten. "Die Rahmen kommen meist aus Taiwan, und dabei tritt das Containerproblem auf."

Giebeler sieht es als Ungleichgewicht in Import und Export: China liefert, aber nimmt nicht genug ab. Früher sind Kunststoffabfälle nach China zum Recycling gebracht worden. "Das machen die Chinesen nicht mehr so viel. Das bedeutet, dass sich in Europa die leeren Container stapeln, weil es nichts gibt, womit sie gefüllt zurückgeschickt werden könnten. Umgekehrt gibt es in Asien zu wenige Seecontainer." Dies müsse eigentlich, schätzt Giebeler, alle Importwaren aus China betreffen, nicht nur Fahrradteile. Thomas J. Schmidt

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