75 Jahre FNP

Stadtteilgeschichte: Die erste Kerb, die ersten Kicker - und eine Brücke

  • Holger Vonhof
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Seit 75 Jahren gibt es die FNP - viel hat sich seitdem verändert: in dieser Zeitung, in der Stadt und in den Stadtteilen, von denen es einige damals noch gar nicht gab. Deshalb drehen wir die Uhren zurück und werfen einen Blick in die Vergangenheit. Wie sah es 1946 in den Stadtteilen aus und wie an selber Stelle 2021? Heute blicken wir nach Griesheim.

Unser Foto zeigt den ersten Kerbebaum, der nach dem Krieg gestellt wurde – beim Antransport in der Alten Falterstraße / Ecke Alt Griesheim (rechts die evangelische Segenskirche). FOTO: Geschichtsverein Griesheim

Vor 75 Jahren sah Griesheim noch anders aus als heute: Die großen Siedlungen fehlten; der Stadtteil, der 1946 gerade mal 18 Jahre zu Frankfurt gehörte, war viel dörflicher geprägt und hatte noch eine eigene Fähre, die ihn mit Schwanheim auf der gegenüberliegenden Mainseite verband. Wichtigster Arbeitgeber war "die Chemisch", heute Industriepark Griesheim, damals gerade aus den IG Farben entflochten. Messer Griesheim hatte von der Rüstungsproduktion der Nazis profitiert, denn es lieferte die Schweißmaschinen für Panzerwannen oder die V 2 - unter Einsatz von Zwangsarbeitern.

Doch Schweißmaschinen und Schneidbrenner wurden auch in der Nachkriegszeit gebraucht, nun zur Beseitigung der Trümmer: Mit Genehmigung der amerikanischen Besatzungsmacht konnte die Produktion bald wieder anlaufen. Im April 1946 schon hatte der Ersatzbau der in den letzten Kriegstagen von Wehrmacht-Pionieren gesprengten Autobahnbrücke bei Griesheim wieder eingeweiht werden können; von 1974-78 wurde dieses Nachkriegsbauwerk durch die heutige Europabrücke ersetzt. Der ursprüngliche Bau, in den Jahren 1934 / 35 für die "HaFraBa" errichtet, war die älteste Autobahnbrücke Deutschlands. Die "HaFraBa", die Fernstraße Hamburg-Frankfurt-Basel, wird heute als A 5 im Autobahnnetz geführt.

Das Leben normalisierte sich langsam: Schon im Sommer 1946 wurde im Stadtteil die Sportgemeinschaft Griesheim gegründet, heute eine Freizeitmannschaft. Die erste Kerb brachte wieder unbeschwerte Festvergnügen, ohne Uniformen und Fahnenschwingen: Man wollte vergessen.

Griesheim wuchs schnell: Mit der Schaffung der Bizone 1947 musste das Wohnungsproblem für die Angestellten des Verwaltungsapparats gelöst werden; dafür wurde 1948 die Frankfurter Siedlungsgesellschaft (FSG) gegründet, die unmittelbar mit dem Bau der "Bizonalen Siedlung" an der Mainzer Landstraße begann. hv

Die nächste Folge der Serie

Morgen sehen Sie auf der Ost-Seite, wie sich die Cassellasiedlung verändert hat. Alle bisher erschienenen Folgen finden Sie gebündelt auf www.fnp.de/stadtteilgeschichte

Heute ist die gleiche Ecke von geparkten Autos geprägt. FOTO: H. Vonhof

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