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Die „Fabrik“ geht außer Haus

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Von: Katja Sturm

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Sie haben neue Räume für die Kunst der „Fabrik“ gefunden: Claus-Jürgen Göpfert (v. l.), Mitglied des Kuratoriums der Peter Paul und Emmy Wagner-Heinz Stiftung, Vorstand Karsten Heidebrecht und die Künstlerische Leiterin Karin Wagner
Sie haben neue Räume für die Kunst der „Fabrik“ gefunden: Claus-Jürgen Göpfert (v. l.), Mitglied des Kuratoriums der Peter Paul und Emmy Wagner-Heinz Stiftung, Vorstand Karsten Heidebrecht und die Künstlerische Leiterin Karin Wagner © Michael Faust

Kulturzentrum weicht auf andere Orte aus

Noch haben die Umbau- und Sanierungsarbeiten auf dem Gelände der Sachsenhäuser „Fabrik“ nicht angefangen. Trotzdem ist das Kulturzentrum schon „außer Haus“ unterwegs. In drei verschiedene Spielstätten soll in den nächsten zwei bis drei Jahren das gewohnte Programm ausgelagert werden. Die ersten beiden Premieren wurden bereits über die neuen Bühnen gebracht.

Bei einem Pressetermin am Freitag auf dem früheren Gelände der Seilerei Reutlinger stellten die Künstlerische Leiterin Karin Wagner und Karsten Heidebrecht, der Vorstand der Peter Paul und Emmy Wagner-Heinz Stiftung, die die „Fabrik“ trägt, die weiteren Planungen vor. Dort, wo die Verantwortlichen saßen, in der Halle 1, sollen etwa 50 eigene Veranstaltungen einen Platz finden.

Sechstes Jazzfestival ab Mitte November

Verena Heubner sitzt im Kuratorium der Stiftung und brachte die Idee des Umzugs ein. Sie ist auch die Besitzerin des „Netzwerk Seilerei“, wie sich das Kunst- und Kulturzentrum in der Offenbacher Landstraße 190 nennt, seitdem die Alte Seilerei in Bamberg ein Verbot des gleichen Namens für die Frankfurter erwirkte.

Unter anderem betrifft der Umzug das sechste Jazzfestival vom 17. bis 19. November. Eine Woche zuvor zählt man zu den sechs Gastgebern der Komischen Nacht, in der sechs verschiedene Entertainer von einem Ort zum anderen ziehen und jeweils 20-minütige Kostproben abgeben.

Schon länger gastiert die „Fabrik“ ein- bis zweimal im Jahr mit Konzerten bei Sankt Bonifatius. Kirche und Gemeindesaal sollen nun öfter bespielt werden. Einerseits mit den Stücken für Kinder, weil die Nähe zum Südbahnhof familienfreundlich sei, wie Heidebrecht erklärt. Aber auch weitere Musikabende sind vorgesehen.

Dabei sehen sich die Organisatoren mit dem Problem konfrontiert, dass die Kirche wegen der Energiekrise auch in den kälteren Monaten nicht beheizt werden darf. Der Auftritt von Puschan Mousavi Malvani am 6. November wurde deshalb abgesagt. Dem Violinisten sei nicht zuzumuten, bei den erwartet niedrigen Temperaturen zu spielen, so Wagner.

Von Februar an ergänzt das Museum für Kommunikation die Auswahl der Interims-Spielstätten. Passend zur gerade eröffneten Ausstellung „Klima_x“ soll es ausschließlich Jazz dort zu hören geben, bei dem sich die Künstler am Umwelt-Thema orientieren.

Die Gesamtzahl der Veranstaltungen pro Jahr wird sich reduzieren. 2022 bleiben in der Endabrechnung voraussichtlich 97 von ursprünglich 130 vorgesehenen Veranstaltungen übrig. Auch in naher Zukunft wird man laut Heidebrecht die Zahl der Termine pro Jahr von im Schnitt 120 auf 80 senken.

Die Tournee durch fremde Spielstätten erfordert nicht nur einen größeren Aufwand. Aufgrund der Saalmieten fallen auch höhere Kosten an. „Die Stiftung unterstützt das Kulturprogramm bislang mit 90 000 Euro“, sagt Heidebrecht. Deutlich mehr könne man dafür nicht ausgeben.

Bauarbeiten werden deutlich teurer

Für das Bauvorhaben auf dem Areal am Mittleren Hasenpfad wird im Gegenteil sogar noch Geld gebraucht. Die Kosten von bis zu vier Millionen Euro, die vor dem Ukraine-Krieg dafür veranschlagt waren, würden bis zum Beginn vermutlich bis auf fünf Millionen Euro steigen, sagt Heidebrecht. „Wenn wir jetzt anfangen würden, kämen wir vielleicht noch mit 4,5 Millionen Euro hin.“ Aber so weit sei man noch nicht.

Erst müssten noch Zuschüsse beantragt und ein neuer Käufer für ein Grundstück gefunden werden, von dessen Veräußerung sich die Stiftung 1,4 Millionen Euro verspricht. Ein Interessent war im August abgesprungen.

Zudem erwartet Heidebrecht Proteste aus der Nachbarschaft gegen das Vorhaben. Bislang habe es noch keine Einsprüche gegeben. Nur ein Open-Air-Konzert im Sommer zog Beschwerden nach sich. Wenn sich etwas rühren sollte, da ist Heidebrecht sicher, „wird das dauern“. Mit einem Baustart ist auch 2023 nicht zu rechnen. Die „Fabrik außer Haus“ war aber schon so weit gediehen, dass man sie nicht mehr rückgängig machen wollte. Katja Sturm

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