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Die feurige Julietta ist eine kleine Alleskönnerin

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Von: Manfred Becht

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Per Kran wird "Julietta" auf dem Main zu Wasser gelassen - die traditionelle Bootstaufe entfällt wegen Alkoholverbot. FOTO: maik reuss
Per Kran wird "Julietta" auf dem Main zu Wasser gelassen - die traditionelle Bootstaufe entfällt wegen Alkoholverbot. © Maik Reuß

Neues Löschboot im Industriepark Höchst vorgestellt - Wasserwerfer schafft 1500 Liter pro Minute - 480 000 Euro teuer

Man weiß nicht, ob die Besatzung des gemächlich den Industriepark passierenden Frachters das neue Feuerlöschboot "Julietta" überhaupt bemerkt hat. Womöglich bieten sich ihr derlei Anblicke ja öfters. Vom Ufer aus jedenfalls machte "Julietta", gerade vor dem Hintergrund des langsamen Tankschiffes, schon einen sehr flotten Eindruck. "Ma gucke, ob die die 70 Knippel ach packt", war auch ein Feuerwehrmann unter den Zuschauern schon gespannt auf die Vorführung.

Gleich zweimal 200 Pferdestärken

Und in der Tat ist "Julietta" entsprechend ausgerüstet: Zwei Außenbordmotoren mit jeweils 200 PS treiben sie nach vorne und bringen sie auch schnell auf hohe Geschwindigkeiten. "Julietta" sollte schon etwas schneller unterwegs sein als ihre Vorgängerin, wobei man an ein solches Tempo nicht unbedingt gedacht habe, sagt Thorsten Peine. Aber nützlich sei ein solches Temperament schon.

Peine ist stellvertretender Leiter der Werksfeuerwehr der Infraserv und "Julietta" ist das neue Feuerlöschboot der Truppe. Ein Jahr, nachdem das Vorgängerboot "Höchst" außer Dienst gestellt wurde (siehe Infokasten), ist das neue Schiff da. Einen ersten Einsatz hat es schon hinter sich, gestern fand die offizielle Schiffstaufe statt. Den Namen bekommen hat sie nach der 14jährigen Tochter Peines, die sich irgendwann die Bemerkung erlaubte, zu Hause sei seit einer Weile nur noch von dem Boot die Rede.

Zu Recht. Kann das neue Boot doch eine Menge. Nicht nur löschen. So fand man jetzt allerlei, als man den Grund des Mains nach einem versenkten Kleinwagen abgesucht habe, berichtet Peine. Die dafür notwendige Sonartechnik dürfte "Juliettas" Vorgängerboot noch nicht gehabt haben. Überhaupt kann das mit neun Metern eher kleine Schiffchen allerlei.

Es ist nicht nur schneller, sondern auch wendiger als die "Höchst", kommt also schneller an Ort und Stelle, wenn ein Mensch aus dem Wasser gerettet werden muss. Was durchaus immer wieder einmal passiert, wie Feuerwehrvizechef Peine erklärt. Und dann kann die Bugklappe so geöffnet werden, dass die Person auch viel leichter aus dem Wasser gezogen werden kann. Auf dem gleichen Weg haben Taucher auch eine komfortablere Möglichkeit, ins Wasser zu gelangen.

Automatische Steuerung

Wenn das Boot bei einer solchen Rettungsaktion an einem Punkt stehen bleiben muss, dann erledigt die Steuerung dies automatisch, unbeeindruckt von jeder Strömung. "Der Feuerwehrmann kann dann nach vorne zur Bugklappe gehen, ohne dass das Boot die Position ändert", erklärt Peine. Alle Einrichtungen lassen sich übrigens von der Kajüte aus steuern - was wichtig sein kann, wenn im Industriepark gefährliche Gase ausgetreten sind. Und, ja, das Boot kann auch zum Feuerlöschen eingesetzt werden, Wasserwerfer und Tragkraftspritze gibt es ebenfalls. Der Wasserwerfer schafft 1500 Liter Wasser pro Minute. Wobei das vielleicht nie gebraucht wird - das Vorgängerboot jedenfalls war nie an einem Brandeinsatz beteiligt. Aber eine für die Chemieindustrie nützliche Einrichtung ist die Möglichkeit, eine bis zu 75 Meter lange Wasserwand zu erzeugen. Denn so lässt sich natürlich auch die Verbreitung der erwähnten gefährlichen Gase eindämmen.

Gebaut in Finnland

All diese Einrichtungen haben auf einem neun Meter langen und 2,70 Meter breiten Boot Platz. Gebaut wurde es in Finnland, ausgerüstet für die Zwecke der Feuerwehr in Rostock. Einige Teilen fehlen noch - die Lieferkettenprobleme haben auch im Schiffsbau Spuren hinterlassen. Aber das Boot ist da und einsatzfähig, die ersten Feuerwehrleute sind eingewiesen. Nun wird der Nachwuchs ausgebildet, und die Warteliste sei lang, so Peine. 480 000 Euro hat Infraserv für das Schiff ausgegeben. Infraserv-Geschäftsführer Kreysing betonte, dass das Unternehmen immer wieder in die Sicherheit des Industrieparks investiere, dazu gehöre die Werksfeuerwehr mit 130 Feuerwehrleuten, knapp 40 Fahrzeugen und neben allerlei weiterer Ausrüstung eben auch dem Boot "Julietta".

Wer bei der Schiffstaufe allerdings auf eine zersplitternde Sektflasche gehofft habe, sah sich getäuscht. Alkohol sei im Industriepark verboten, so Kreysing. Und der Gedanke, dass einige der Glassplitter in den Main gelangen könnten, gefiel ihm auch nicht. So blieb es dabei, das Klebeband von dem Schriftzug am Bug zu entfernen. Was sich so schnell nicht wiederholen soll - nach Herstellerangaben beträgt die Lebensdauer des Schiffes mindestens 30 Jahre. Manfred Becht

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