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Die Frankfurter lieben ihren Budenzauber

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Von: Thomas J. Schmidt

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Lassen es sich auf dem Weihnachtsmarkt gut gehen: Kecky Svara (l.) und Virginia Sommer.
Lassen es sich auf dem Weihnachtsmarkt gut gehen: Kecky Svara (l.) und Virginia Sommer. © Enrico Sauda

Noch bis zum 22. Dezember geht der Frankfurter Weihnachtsmarkt, zwischen Rossmarkt und Römer. Dann werden die Buden in der Stadt wieder abgebaut. Jetzt wird Zwischenbilanz gezogen und die ist durchweg positiv.

Es ist gerade mal ein Jahr her, da war an Gedränge auf dem Frankfurter Weihnachtsmarkt nicht zu denken: Maskenpflicht, Zugangskontrollen und eigenes abgetrennte Bereiche für den Verzehr - so war das im zweiten Corona-Jahr. Im ersten durfte der Markt erst gar nicht öffnen. Die Zeiten sind vorbei. Zum ersten Mal seit 2019 lockt der Budenzauber, so, wie ihn die Frankfurter kennen und lieben. Auf 2 Millionen Besucher hoffen die Veranstalter der städtischen Tourismus und Congress GmbH (TCF). Doch was sagen die Schausteller kurz vor dem Schlussspurt?

Ein Gang über den Rossmarkt - im vorigen Jahr erstmals zum Weihnachtsmarkt hinzugekommen - zeigte am Dienstagabend leere Flächen, wenige Besucher - viel weniger jedenfalls als auf dem „Rosa Weihnachtsmarkt“ am Friedrich-Stoltze-Platz, wo sich zur fast gleichen Zeit zahlreiche Besucher drängten. Regina Schramm, Inhaberin der spektakulären Frankfurter Weihnachtspyramide, ist denn auch eher zurückhaltend mit ihrem Urteil: „Abgerechnet wird am Schluss“, sagt sie. „Wir sind zufrieden und jammern nicht.“

Christian Müller hingegen, der für die städtische TCF den Markt verantwortet, findet: „Der Rossmarkt wird gut angenommen.“ Die Entzerrung des Marktes durch mehr Ausstellungsfläche sei positiv. Immerhin gibt es auf der kleinen Bühne am Rossmarkt fast täglich Konzerte von Orchestern und Chören, so wie auch auf der Bühne vor dem Römer.

„Die Leute wollen raus“

Müller sieht den ersten normalen Weihnachtsmarkt seit Beginn der Pandemie denn auch wieder im alten Glanz: „Es läuft gut. Das Wetter hat ja auch gut mitgespielt. Man merkt, dass die Leute raus wollen.“ Zwar lasse sich bei den Besuchern eine gewisse Kaufzurückhaltung beobachten, was nicht verwundert angesichts der Teuerung. Doch rein von der Zahl her erwartet Müller, dass am Ende das optimistische Ziel von zwei Millionen Besuchern erreicht werden kann. Die Polizei hat bislang weder eine besondere Zunahme von Taschendiebstählen noch Verletzungen durch Trunkenheit beobachtet. Auch hier gilt: Abgerechnet wird am Schluss. Zahlen und Vergleichszahlen kann die Polizei noch nicht nennen.

„Wir sind zufrieden“ ist, was die meisten Aussteller über den bisherigen Verlauf des Marktes sagen. „Wir können unsere Umsatzzahlen von 2019 wieder erreichen“, schätzt Lisa Wagner, die in ihrem echten Fachwerkhaus am Paulsplatz Honig, Kerzenwachsfiguren und Alkoholika auf Honigbasis verkauft. In den vergangenen beiden Jahren war die Familie mit Wanderimkerei nicht in Frankfurt vertreten. Auch Ronny Seifert, dessen Töpferei etwas am Rande des Platzes positioniert ist, ist zufrieden. „Wir haben Stammkunden, die jedes Jahr kommen“, sagt er. „Einige sind Sammler, kaufen jedes Jahr ein anderes unserer Häuser aus Ton.“ Bei den meisten Kunden spürt er eine gewisse Zurückhaltung, obgleich die Preise der Töpferei die Inflation verschlafen haben: „Unsere Namenstassen kosten seit acht Jahren 7 Euro.“

Es gibt aber noch ein ganz anderes Problem in diesem Jahr: den Personalmangel. „Viele Krankheitsfälle. Wir haben mit Ach und Krach unseren Stand besetzen können“, sagt Ronny Seifert. Noch Ende Oktober hat er auf Ebay Mitarbeiter gesucht.

Lena Roie, die auf dem Römerberg das Kinderkarussell betreibt, ist froh, wieder hier sein zu können. Aus der kleinen Verkaufskabine dringt warme Luft. „Ich sehe die Kinder, wie sie sich freuen, und alles ist gut“, sagt sie. Ihre Mutter Bettina, einige Schritte weiter, ist im Türmchen am Römer am Glühwein-Einschenken. „Wir sind alle zufrieden. Es sind viele Besucher hier, fast die ganze Zeit. Die Pandemie ist vorbei.“ Auch Patrick Haussmann strahlt wieder. Sein Altstadt-Grill ist dicht besetzt. „Nächstes Jahr werden wir wohl wiederkommen“, sagt er mit dezentem Schmunzeln. „Die Leute genießen es, endlich wieder einen Weihnachtsmarkt zu erleben“, sagt er. Ja, einzelne seien etwas sparsamer. Andere hingegen, die bei aller Sparsamkeit gut überlegten, wo sie ihr Geld ausgeben, entschlössen sich, mit Freunden und Familie einen schönen Abend auf dem Weihnachtsmarkt zu verbringen. Da kann auch der Altstadt-Grill profitieren.

Geöffnet ist der Weihnachtsmarkt noch bis einschließlich 22. Dezember.

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