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Die Frankfurter schwärmen: "So viel Musik, Kunst und gut gelaunte Menschen"

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Von: Sabine Schramek

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Ein Brückenschlag - auch das ist das Museumsuferfest. Im Vordergrund ist der Holbeinsteg zu sehen.
Ein Brückenschlag - auch das ist das Museumsuferfest. Im Vordergrund ist der Holbeinsteg zu sehen. © dpa

Überall Friede und Freude: Mehr als eine Million Menschen feiern ein langersehntes und rauschendes Museumsuferfest

Frankfurt -Hibbdebach ist das Mainufer voller Menschen, dribbdebach sowieso, über die Brücken entlang des Museumsuferfestes (MUF) wird nicht nur gebummelt, sondern fotografiert, was das Zeug hält. Die Skyline, die Menschenmassen, die kunterbunten Lichter und die unendlich vielen Boote. Ob Drachenboote oder DLRG, Segelbötchen, Wasserpolizei oder Motoryachten.

Nicht nur für die wieder nach Frankfurt zurückgekehrten Touristen ist das Museumsuferfest eine willkommene Feiermeile, sondern auch für Frankfurter. "Alle Museen für sieben Euro besuchen, das wird es so schnell nicht wiedergeben", sagt Rainer Schmidt und steckt sich die runde Eintrittsplakette ans T-Shirt. Noch schnell einen Caipi an einer Bude - und los geht's in die langen Warteschlangen zu Kunst, Skulpturen und historischen Schätzen.

Zwei Jahre war Frankfurt ohne sein legendäres Fest. Dieses Jahr entschädigte für das lange Warten mit einer ganzen Reihe glücklicher Fügungen: 9-Euro-Bahnticket, Super-Sommer-Wetter - und dazu 14 Bühnen, 25 Museen, 500 Einzelveranstaltungen und Kulinarisches aus aller Welt.

Es ist eng, doch das stört niemanden

Es ist eng, doch das stört niemanden im Duftgemisch aus Popcorn, Bratwurst, exotischer Küche, Cocktails und Schweiß. Keine Sprache, die nicht gesprochen wird. "How cute", quietschen junge Amerikanerinnen begeistert am Stand für Lampen zum Selberbasteln. "Süß" finden sie die Donald-Duck-, Schweinchen- und Katzenlampen, die sich aus bunten Kunststoffscheiben zusammensetzen lassen.

Christian Richardt ist extra mit seinem Stand aus Berlin angereist. "Die Stimmung hier ist toll, die Leute haben Lust auf Schönes", sagt er. "Das allein ist die Reise schon wert." Am Mainufer auf beiden Seiten vermischen sich Schlager- und Pop-Musik, Elektro- und Hip-Hop, Rock und Techno. Was aus der Ferne wie wildes Chaos klingt, ist dort, wo die Leute stehenbleiben, perfekt mit Super-Stimmung. Vor jeder Bühne wird getanzt, nachts noch mehr, wenn die Bühnen in bunte Farben getaucht werden. "So viel Musik, so viel Kunst und so viele gut gelaunte Leute - das kennt man ja gar nicht mehr", schwärmt Lisa Schlober (28), die mit fünf Freundinnen unterwegs ist. "Essen und Trinken sind nicht billig, aber von einem Konzert zum anderen zu gehen und keinen Eintritt zahlen zu müssen, ist genial", so die Mathematik-Studentin zwischen Dutzenden Ständen voller Kunst, Lederwaren und liebenswertem Schnickschnack.

Uwe Becker, Frankfurter CDU-Chef und Staatsekretär für Bundes- und Europaangelegenheiten und Antisemitismusbeauftragter, ist "ganz privat hier. Einfach, um die schöne Stimmung zu genießen". Er bummelt gemütlich hibbdebach am Main entlang.

Lokale haben geschlossen, aber dafür Getränkestände auf den Bürgersteig gestellt. "Wir wurden von Kollegen gewarnt, dass es abends unkontrollierbar ist", so Markus Hanson (55), der vor wenigen Wochen das Gasthaus zum Eisernen Steg als neuer Pächter eröffnet hat. "Also haben wir uns auch für den Ausschank vor der Tür entschieden", sagt er lachend und zapft ein Bier nach dem anderen. "Die Leute sind gut drauf und haben einfach ein paar Tage und Abende lang Spaß", stellt er fest.

Einige torkeln am Abend, sind aber friedlich drauf. Der Arbeiter Samariter Bund (ASB) ist hauptsächlich mit Kreislaufproblemen wegen der Hitze im Einsatz und auch wegen einiger Drinks zu viel. Direkt am Mainufer lassen Besucher ihre Beine Richtung Wasser baumeln und genießen den Blick auf das jeweils andere Ufer. "Zum Feuerwerk kommen wir auch noch", erzählt ein junges Paar, das nicht nur mit Champagner, sondern auch mit Mojitos anstößt. Eltern schieben Kinderwagen durch die Menge, keiner schubst, selbst die Kleinsten scheinen das Gedränge zu genießen. Vor allem dann, wenn es Luftballons und Zuckerwatte für sie gibt.

Merkwürdig ist der Blick auf die Skyline am Abend. Etwas fehlt. Die Hochhäuser sind nur schemenhaft an roten kleinen Lichtern zu erkennen - sie haben die Beleuchtung abgeschaltet. Kein gleißendes Gelb am Commerzbank-Tower, das sonst jedem die Richtung weist, ist zu sehen. Selbst das ist eine Attraktion für sich. Die Liebesschlösser auf dem Eisernen Steg leuchten quietschbunt im Scheinwerferlicht, riesige Spinnennetze schaukeln sanft zwischen ihnen im sanften Wind und statt Skyline gibt es lila-grüne Lichter am Mainufer zu bestaunen und Boote, die dazwischen auf dem Wasser gemütlich auf und ab schippern und fast genauso laute Musik an Board haben, wie sie auf den Bühnen gespielt wird. Frankfurt ist an diesem Wochenende weggetaucht von allen Sorgen und genießt ausgelassen das vorletzte Ferienwochenende mit Feuerwerk, als gäbe es kein Morgen.

Bilanz mit Zahlen

Das Museumsuferfest hat in diesem Jahr rund eine Million Menschen angezogen. Bei bestem Wetter seien die Kunst- und Kulturangebote mit zahlreichen Konzerten, Theater und Tanz sowie Gastronomie ausgesprochen gut angenommen worden, sagte Ines Philipp, Sprecherin der Tourismus und Congress GmbH. Das sind nicht so viele wie in den Jahren vor der zweijährigen Corona-Zwangspause, in denen schon mal die Zwei-Millionen-Marke geknackt wurde, das Fest war diesmal aber auch merklich kleiner.

Insgesamt standen mehr als 400 Einzelveranstaltungen auf dem Programm, 25 Museen öffneten seit Freitag ihre Türen und boten Führungen, Workshops und mehr an. Als Eintrittsmarken dienten dabei Anstecknadeln, die im Laufe des Wochenendes vergriffen waren.

Die Polizei sprach am Abend von einem friedlichen Verlauf des Festes und war optimistisch, dass dies so bleibe. Das Feuerwerk zum Abschluss gestern um 22 Uhr und die Heimreise der vielen Zuschauer dauerten bei Redaktionsschluss an. dpa/skb/red

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