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Restaurant in Frankfurt schlägt sich trotz Krisen tapfer: „Die Gäste ermuntern uns“

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Von: Friedrich Reinhardt

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Mit einem Lieferservice hat Sascha Josephowitz den Lemp durch die Pandemie gebracht.
Mit einem Lieferservice hat Sascha Josephowitz den Lemp durch die Pandemie gebracht. © hamerski

Ein Restaurant im Frankfurter Stadtteil Berkersheim bemerkt Auswirkungen der Corona-Pandemie, des Ukraine-Kriegs und einer Sperrung in der Nähe.

Frankfurt – Seit 2010 führt Sascha Josephowitz mit seiner Frau Kirsten das Traditionslokal "Zum Lemp", das einzige Restaurant in Berkersheim und der einzige Ort im Stadtteil, wo sich Vereine treffen und etwa Geburtstage gefeiert werden können. Der Lemp ist eine Institution. Mit Josephowitz sprach unser Redakteur Friedrich Reinhardt über die Folgen der Corona-Pandemie, die Sperrung des Bahnübergangs und die gestiegenen Preise durch den Ukraine-Krieg. Der Wirt bleibt optimistisch, obwohl eine Krise auf der anderen folgt.

Erst die Pandemie, dann wurde vor vier Wochen der Bahnübergang geschlossen, Gäste kommen nun schwerer nach Berkersheim. Droht dem Gasthaus "Zum Lemp" das Ende?

Auf keinen Fall. Wir haben eine tolle Kundschaft, die steht zu uns. Wir sind durch die Pandemie gekommen, ohne Mitarbeiter zu entlassen, sogar ohne Kurzarbeit und haben trotzdem unsere Fixkosten gedeckt. Man muss sich nur immer etwas einfallen lassen und darf nicht stillstehen. Meine Frau ist Buchhalterin, sie macht sich mittlerweile weniger Sorgen als ich. Das ist doch ein gutes Zeichen.

Ohne Kurzarbeit? Wie ist das im Lockdown gelungen?

Wir haben von einem Tag auf den anderen auf Liefer- und Abholbetrieb umgeschaltet. Das ging, weil wir großartige Mitarbeiter haben. Die haben alles mitgemacht. Auch als sie 30 000 Flyer verteilen sollten, oder als die Servicekraft Kartoffeln schälen helfen musste oder Essen liefern. Da hat bei Stammkunden, die isoliert waren, die Kellnerin klingelt, die sie seit Jahren kennen, und sagt: Hallöchen (langgezogen mit hoher Stimme). Wir haben ja Happy-Lemp-Mitarbeiterinnen. Das waren wertvolle Kontakte für die Kunden und uns im Lockdown. Viele meinten auch zu uns: "Und haltet ja durch".

Das Geschäftsmodell auf den Kopf zu stellen: Funktioniert das einfach so?

Es ist schon wahnsinnig viel Arbeit. Und natürlich ist am Anfang noch vieles schiefgegangen. Wir haben zum Beispiel Essen ausgeliefert und die Grüne Soße vergessen. Aber unsere Kunden haben nicht gesagt: Da kann man nicht bestellen, sondern waren verständnisvoll und dankbar, dass wir die Grüne Soße schnell nachgeliefert haben. Heute läuft es besser. Statt vier Autos brauchen wir nur noch zwei zum Ausliefern, weil es sich so gut eingespielt hat.

Berkersheim: Weg zum Restaurant wird durch die Sperrung eines Bahnübergangs blockiert

Vor vier Wochen wurde der Bahnübergang an der Bahnstraße geschlossen. Wie lief das Geschäft an den Wochenenden?

Es lief zäh, aber das Wetter war auch schlecht.

Wird die Schließung Auswirkungen auf ihre Gaststätte haben?

Die Radler aus dem Niddatal kommen nicht mehr so einfach zu uns. Sie müssen entweder die Aufzüge nutzen, die immer wieder ausfallen, oder sie müssen den Weg durch die Baustelle zum Wiesengarten finden. Und wenn wir nach Harheim liefern, dann fahren wir nun 30 Minuten. Vor der Sperrung waren es 10 Minuten, weil wir eine Durchfahrtsgenehmigung hatten.

Wie groß ist der Anteil der Radfahrer unter ihren Gästen?

Im Sommer sind es etwa 40 Prozent, würde ich schätzen.

Das ist keine Kleinigkeit.

Wir überlegen, wie wir den Weg von der Nidda zu uns ausschildern können. Das ist aber wegen des Landschaftsschutzgebiets nicht so leicht.

Mehr Kosten für Restaurant: „Zum Lemp“ in Berkersheim merkt die Preisanstiege durch den Ukraine-Krieg

Bleiben dem Theater "Lempenfieber" wegen der Sperrung Gäste fern?

Die beiden Vorstellungen seit der Sperrung waren gut besucht. Die meisten Gäste des Lempenfiebers wollen nicht abends um 22 Uhr mit dem Fahrrad nach Hause fahren. Sie kommen eher mit dem Auto. Ich denke, da sind die Auswirkungen nicht so groß.

Sie sagten zu Beginn, ihre Frau mache sich weniger Sorgen als Sie. Welche Sorgen haben Sie sich zuletzt konkret gemacht?

(Antwortet wie aus der Pistole geschossen) Öl.

Speiseöl, als Folge des Ukraine-Kriegs?

Ja. Man bekommt kaum noch welches und wenn, dann zu astronomischen Preisen. Überhaupt sind die Preise gestiegen. Besonders auch für Schweinefleisch und Grundnahrungsmittel. Eigentlich für alles.

Um wie viel sind die Kosten für die Zutaten und Getränke gestiegen?

Schätzungsweise um 30 Prozent. Das kann ich gar nicht an die Gäste weitergeben. Preise kann man in 10-Cent-Bereich erhöhen, aber ich kann kein Schnitzel für 20 Euro anbieten. Meine Gäste kämpfen ja selbst mit gestiegenen Preisen.

„Zum Lemp“: Restaurant in Berkersheim ist von vielen Faktoren beeinflusst – Besitzer bleibt trotzdem optimistisch

Welche Gedanken haben Sie sich zuletzt noch gemacht?

Ich mache mir viele Gedanken über die Probleme meiner Mitarbeiter und über meine Work-Life-Balance.

Wie viele Stunden arbeiten Sie denn in der Woche?

Na ja, so 12 bis 14 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Montags ist Ruhetag, aber da machen wir Buchhaltung. Da bin ich fast bei 100 Stunden in der Woche. Wie viel das ist, merke ich meist nur, wenn ich mich mit Freunden verabreden will und wir keinen passenden Termin finden.

Klingt mehr nach einer Work-Sleep-Balance. Wann haben Sie das letzte Mal Urlaub gemacht?

Vor der Pandemie. Aber wir wollen dieses Jahr in den Urlaub fahren. Ich spüre in den Knochen, wie sehr ich ihn brauche.

Es klingt, als sei der Lemp in einer verdammt schwierigen Zeit. Warum sind Sie so optimistisch?

Ich bin ein positiv denkender Mensch, kann mich auf ein super Team verlassen, und wir haben tolle Gäste. Was möchte man mehr. (Friedrich Reinhardt)

Das Restaurant „Zm Lemp“ ist das einzige Restaurant in dem Frankfurter Stadtteil. Viele Restaurants und Geschäfte verschwanden mit zunehmender Einwohnerzahl in Berkersheim, so auch das Restaurant „Zur schönen Aussicht“.

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