1. Startseite
  2. Frankfurt

Drama um Galeria Karstadt: Ist diesmal der Standort Frankfurt an der Reihe?

Erstellt:

Von: Thomas J. Schmidt

Kommentare

Im Oktober 2020 jubelten die Mitarbeiter noch am ehemaligen Karstadt-Standort auf der Zeil. Damals wurde die Schließung noch abgewendet. Jetzt droht erneut das Aus.
Im Oktober 2020 jubelten die Mitarbeiter noch am ehemaligen Karstadt-Standort auf der Zeil. Damals wurde die Schließung noch abgewendet. Jetzt droht erneut das Aus. © Rainer Rüffer

600 Mitarbeiter in Frankfurt warten gebannt auf die Entscheidung der Zentrale. Welche Standorte werden geschlossen? Eine klare Antwort gibt es noch nicht.

Frankfurt – An Tag drei nach der Hiobsbotschaft aus der Unternehmenszentrale von Galeria Karstadt Kaufhof war gestern immer noch nicht bekannt, welche Standorte des Konzerns geschlossen werden sollen. „Über einzelne Standorte, die jetzt Gegenstand einer sehr sorgfältigen Einzelfallbetrachtung und Analyse sind, können wir zu diesem Zeitpunkt noch keine Aussagen treffen“, teilte die Zentrale in Essen am Donnerstag mit. In Frankfurt waren die Betriebsräte weiterhin noch nicht bereit, mit der Presse zu sprechen - anders als der Verdi-Sekretär für Handel, Marcel Schäuble.

„Etwa 600 Mitarbeiter in Frankfurt erhalten jetzt ab November Insolvenzgeld“, sagte er - rund 400 bei Kaufhof und 200 bei Karstadt. „In den drei Monaten muss Galeria sagen, wie es weitergehen kann.“ Die Haltung der Gewerkschaft sei klar: „Der Eigentümer muss investieren. Es war vor zwei Jahren angekündigt, aber es ist nichts passiert.“ Der Eigentümer, die österreichische Signa-Holding, stehe in Verantwortung. „Da fehlt noch ein Konzept.“ Man stellt einige der 131 Standorte um, zu „Galeria 2.0“. Dies sei auch mit Kaufhof an der Hauptwache geschehen. So gesehen sei der Kaufhof auf der relativ sichereren Seite in der jetzigen Insolvenz.

Galeria Karstadt Kaufhof schließt Standorte: Noch keine Entscheidung

Hingegen gilt der zweite Standort, vormals Karstadt, als Wackelkandidat. Schon bei der vorigen Insolvenz 2020 war er nur durch ein starkes Engagement der Stadt, namentlich von Planungsdezernent Mike Josef (SPD), gerettet worden und hat damals eine Zusage erhalten, bis 2025 bestehen zu können. Josef sagte gestern: „Ich habe mich damals für den Erhalt von Karstadt eingesetzt, und ich würde mich jetzt wieder dafür einsetzen, falls dies nötig werden wird.“ Noch sei die Entscheidung über die Standorte nicht gefallen.

Klar ist, dass es sich um ein Schlüsselgrundstück auf der Zeil handelt, das von Sahle und Signa gemeinsam besessen wird. Die Entscheidung, Karstadt nach 2025 abzureißen und neu zu bauen, ist bereits gefallen. Dies vorzuziehen, setzt allerdings Kooperationsbereitschaft des Planungsamts voraus, und ob Josef da mitgeht, darf nach seiner Einlassung gestern bezweifelt werden.

200 Karstadt-Mitarbeiter bangen jetzt einmal mehr um ihren Arbeitsplatz. Ein Trost: Bei der Arbeitsagentur Frankfurt sind derzeit 333 offene Stellen für Verkäufer im Handel gemeldet.

Schließungen bei Galeria Karstadt: „Letzten Endes zählen nur die Zahlen“

Dr. Joachim Stoll, Vizepräsident des Handelsverbands, kann momentan nur sagen: „Eine Kaufhausschließung ist für die betroffene Kommune heute leichter zu ertragen als noch vor zehn Jahren.“ Denn Kaufhäuser wirkten kaum mehr so sehr als Magneten, die Kunden in eine Fußgängerzone ziehen. Die Städte haben heute eine viel bessere Chance, die entstehende Lücke zu schließen. „Da hätte ich noch vor zehn Jahren gesagt, das geht nicht“, so Stoll.

Ob die angekündigten Schließungen von 40 der 131 Filialen Frankfurt diesmal treffen, nachdem Karstadt schon zuletzt knapp von der Schippe gesprungen sei, darüber kann Stoll nur spekulieren. „Ich könnte mir vorstellen, dass man jetzt zunächst die Doppel-Standorte in Wiesbaden und Darmstadt betrachtet.“ In Frankfurt sei Signa zu sehr im Wort, nach der Hängepartie vor zwei Jahren, und werde Karstadt wohl eher bis Ende 2024 durchziehen. „Aber das ist alles Spekulation. Letzten Endes zählen nur die Zahlen. Wer rote Zahlen schreibt, hat schlechte Karten.“

Erfolge nach Strategiewechsel: Aber Pandemie, Inflation und Energiepreise weiter Hindernisse

Seitens der Essener Unternehmenszentrale ist man noch optimistisch. „Galeria ist zukunftsfähig, das Geschäftsmodell mit den notwendigen Modernisierungen der Filialen tragfähig und wird, frei von unverschuldeten Belastungen, am Markt erfolgreich sein können“, hieß es.

Die Neugestaltung der ersten rund zehn Galeria-Filialen im Rahmen der neu implementierten Strategie Galeria 2.0 seit Oktober 2022 zeige Erfolge und müsse deshalb nach einer Feinjustierung fortgesetzt werden.

Dem stehen äußere Faktoren entgegen: die Pandemie, die Inflation, die hohen Energiepreise. Dies habe zu erneut hohen Frequenzverlusten in den Innenstädten und einer historisch negativen Konsumstimmung geführt. Um in diesem Rahmen existieren zu können, müsse man sich von Häusern trennen, „die inzwischen aufgrund dieser neuen Bedingungen nicht mehr profitabel zu betreiben sind“. Damit werde Galeria „die weiteren Modernisierungsmaßnahmen für den nachhaltigen Kern ermöglicht“. (Thomas J. Schmidt)

Auch interessant

Kommentare