Haben gut lachen: Die beiden Spitzenkandidaten der Frankfurter Grünen, Martina Feldmayer und Bastian Bergerhoff, freuen sich über das starke Wahlergebnis ihrer Partei, die als stärkste Kraft in den Römer einzieht.
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Haben gut lachen: Die beiden Spitzenkandidaten der Frankfurter Grünen, Martina Feldmayer und Bastian Bergerhoff, freuen sich über das starke Wahlergebnis ihrer Partei, die als stärkste Kraft in den Römer einzieht.

Kommunalwahl in Frankfurt

Die grüne Revolution

  • Stefanie Liedtke
    vonStefanie Liedtke
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Laut Trendergebnis verlieren CDU und SPD deutlich, Grüne werden stärkste Kraft.

Frankfurt -Es ist eine Zäsur für das politische Frankfurt: Erstmals in der Geschichte der Mainmetropole werden die Grünen als stärkste Kraft in den Römer einziehen. "Wenn wir wirklich stärkste Kraft werden, wäre das historisch", wollte sich die grüne Spitzenkandidatin Martina Feldmayer am Sonntagabend nicht zu früh freuen, schließlich handelte es sich nur um ein Trendergebnis, das gerade bei Kommunalwahlen erfahrungsgemäß noch schwanken kann. Aber: "Selbst wenn es nicht bei 25 Prozent für uns bleibt, ist schon jetzt klar: Es ist ein tolles Ergebnis und ein riesiger Auftrag für uns. Da gilt es, die Stadt zu gestalten", betonte Bastian Bergerhoff, der mit Feldmayer das Spitzenduo der Grünen bei der Wahl bildete. "Eines ist klar: Wir werden mitregieren. Wir wissen nur noch nicht, mit wem."

Laut den Trendergebnissen von heute Nacht (Stand 0:10 Uhr) kommen die Grünen auf 26,1 Prozent, das sind 10,8 Prozentpunkte mehr als bei der Kommunalwahl 2016. Die beiden bisherigen Koalitionspartner der Römer-Grünen, CDU und SPD, verlieren deutlich. Die Christdemokraten büßen 3,4 Prozentpunkte ein auf diesmal 20,7 Prozent, die SPD verliert 7,0 Prozentpunkte, kommt auf nur noch 16,8 Prozent.

Die Christdemokraten wollten den Trendergebnissen am Sonntagabend noch nicht zu viel Bedeutung beimessen. Sie hoffen, dass sich die hohe Zahl der Briefwähler am Ende noch günstig für die CDU auswirken könnte. "Heute sehen wir eine Momentaufnahme, Zuversicht haben wir dennoch", sagte der CDU-Kreisvorsitzende Jan Schneider. Die Auszählung sei eine Geduldsprobe. Er machte aber auch keinen Hehl daraus, "dass uns Berlin nicht geholfen hat". Damit spielte Schneider auf die Maskenaffäre seiner Partei an. "Es wäre nicht überraschend, wenn die Frankfurter CDU wie die Union bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg drei bis vier Prozent verlieren würde. Das ist die Großwetterlage, in der wir in die Wahl gegangen sind", erklärte Schneider.

Für SPD-Spitzenkandidat Mike Josef stand zumindest der Wahlsieger fest: "Vom Trend her kann man glaube ich, sagen, dass man den Grünen gratulieren kann zum Wahlsieg." Bezüglich des Ergebnisses seiner eigenen Partei wollte sich Josef noch nicht festlegen. "Das wird alles ganz eng werden. Das kann sich noch um zwei bis vier Prozent bewegen." Als Grund für das schlechte Abschneiden der SPD nannte er die Awo-Affäre, die "wie ein Damoklesschwert über uns hing".

Das Endergebnis gibt's frühestens Donnerstag

Linke, FDP und AfD lieferten sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen, bei dem am Ende die Linke leicht vorne lag mit 8,3 Prozent (2016: 8,0 Prozent). "Sie sehen eine selbstbewusste Linke. Wir werden mit erhobenem Haupt als eigenständiger Akteur auftreten. Das ist die Botschaft, die SPD und Grüne hören können", spielte Michael Müller auf eine mögliche rot-rot-grüne Koalition an. Die FDP kommt auf 8,2 Prozent (plus 0,7), die AfD auf 6,8 (minus 2,1).

Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) freute sich über die hohe Wahlbeteiligung. Zwar gab es dazu gestern noch keine Zahlen vom Wahlamt, aber, so Feldmann: "Geschätzte 140 000 Briefwahlstimmen sprechen eine eindeutige Sprache. Auch wenn die Auszählung noch läuft - einen Gewinner gibt es schon jetzt, und der heißt Demokratie."

Das Auszählen der Stimmzettel, bei denen Wähler kumuliert und panaschiert - also ihre Stimmen auf mehrere Kandidaten verteilt - haben, beginnt erst heute. Wegen der vielen Briefwähler, die eher zum Kumulieren und Panaschieren neigen, könnten diese Stimmen das Trendergebnis noch gehörig ins Wanken bringen. Bei der Kommunalwahl 2016 betrug die Abweichung zwischen Trend- und amtlichem Endergebnis teils bis zu zwei Prozent.

Mit dem vorläufigen Endergebnis rechnet Wahlleiter Oliver Becker frühestens für Donnerstag, es könnte aber auch Freitag werden. Zwischenergebnisse will die Stadt täglich um 12.30 und um 18 Uhr unter wahlen.frankfurt.de veröffentlichen.

Stefanie Liedtke

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