Alles so schön grün: Dezernentin Heilig (grüne Hose), die Organisatoren der Aktion, die Schüler der Geschwister-Scholl-Schule in der Römerstadt und der mächtige Kräuterturm.
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Alles so schön grün: Dezernentin Heilig (grüne Hose), die Organisatoren der Aktion, die Schüler der Geschwister-Scholl-Schule in der Römerstadt und der mächtige Kräuterturm.

Kräuterturm

Die grüne Wand der Sympathie

  • VonSabine Schramek
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NORDWESTSTADT Vier Schulen teilen sie sich

Zum Grüne Soße Festival steht derzeit nicht nur auf dem Roßmarkt eine riesige Kräuterwand, sondern auch im Nordwestzentrum ein vier Meter hoher Turm. Am 13. September ziehen die Paletten mit dem schmackhaften Bewuchs in vier Schulen aus dem Nordwesten um.

Schulgärten

freuen sich

Die Aktion "Frankfurt macht Klima Meter" geht weiter. Ein bisschen wehmütig blickt Rainer Borst an dem vier Meter hohen Turm hoch, der vom Untergeschoss des Nordwestzentrums in den Himmel zu ragen scheint. "Wir haben uns richtig an ihn gewöhnt und er passt hier rein, als sei er immer schon hier gewesen", sagt der Leiter des Einkaufszentrums und zwinkert 14 Schülerinnen und Schülern der Geschwister-Scholl-Schule scherzhaft zu. Er meint es nur halb ernst, denn die Zukunft des Kräuterturms ist den Schulgärten versprochen.

Mara (12), Ariane (13) und Max (12) lassen sich nicht irritieren. Sie wissen, dass sie ab Mitte September für ein Viertel der zahllosen Pflanzen, die aus Europaletten wachsen, verantwortlich sind. "Wir machen daraus ein mobiles Beet", erzählt Konrektorin Christine Mannes und strahlt. "Wir binden vier Paletten mit Hasendraht zusammen und benutzen Filz. Dazu kommt Kompost und Erde in die Mitte und wir können das Kräuterbeet der Garten AG nicht nur bewegen, es macht sogar seine eigene Erde", schwärmt sie schon jetzt.

Erdbeeren, Dill, Minze, Beifuß, zarte Blumen und jede Menge weiterer Kräuter wachsen kreuz und quer aus dem Turm heraus, der zu je einem Viertel der riesigen Fläche an die Geschwister-Scholl-Schule, die Erich-Kästner-Schule, die Ernst-Reuter-Schule und die Heinrich-Kromer-Schule geht, damit sie weiter gedeihen, Schülern und Lehrern Freude machen, dem Klima nutzen und etwas Gesundes zum Knabbern bieten können.

Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (die Grünen) übergibt den Schülern und Schülerinnen mit Schmetterlingen auf T-Shirts symbolisch ihren Anteil. "Wegen Corona können nicht alle hier sein, aber ich schaue mir die Kräuterpracht gerne überall an, wenn sie an den vier Schulen angewachsen ist", verspricht die Schirmherrin der Klimawände.

Die Idee zum Kräuterturm, auf dem ganz oben riesige Gräser mit dicken fedrigen Puscheln wachsen, stammt von Maja Wolff und Torsten Müller, die um das Open- Air-Gelände des Grüne Soße Festivals auf dem Roßmarkt eine gut 45 Meter lange Kräuterwand mit 108 verschiedenen Pflanzenarten aufgebaut haben, während dahinter noch bis zum 11. September jede Menge Grüne Soße serviert wird.

"Zum Frischluft-Festival gehört halt frische Luft. Und die wird von Pflanzen gemacht", erklärt Wolff den gespannten Schülern. "Und weil wir nicht wollen, dass die Pflanzen nach dem Festival sterben, haben wir Partner gesucht, damit wir auch nachhaltig etwas fürs Klima tun können."

Perfekter

Kreislauf

Eine 45 Meter lange Kräuterwand passt aus Platzgründen natürlich nicht ins Nordwestzentrum, aber Borst war sofort dabei und schlug einen Kräuterturm vor. Am Ende der vier Wochen voller duftender Kräuter verschenkt sie das Nordwestzentrum an die Schulen. "Ein perfekter Kreislauf", meint Wolff. Teile der Wand am Festivalplatz gehen ebenfalls an Schulen und Kitas.

Eine Europalette bietet Platz für sechs Pflanzenkästen à drei Pflanzen voller Grün und Blüten. Das ist gut fürs Klima, macht Spaß und Mensch und Insekten finden nachhaltig Nahrung. Heilig erzählt den Kindern, was sie unter Nachhaltigkeit versteht. "Für mich bedeutet es Enkelfähigkeit. Das heißt, dass wir Erwachsenen Umwelt- und Klimaschutz für zwei Generationen im Voraus denken, damit alle eine lebenswerte Welt haben." Darum bietet die Stadt jetzt auch Förderung in Höhe von bis zu 50 000 Euro für Privat- und Geschäftsleute an, die Dächer, Wände oder Hinterhöfe begrünen.

Der Wissenschaftsjournalist und "Alle Wetter"-Frosch Thomas Ranft erklärt den Kindern mit krassen Worten das CO2-Problem. "Auch ein bisschen Arsen wirkt tödlich. Wir müssen etwas tun, wir können alle etwas tun. Die 60 Pflanzenpaletten sind ein Teil davon."

Kirschen und

Heidelbeeren

Die Kinder freut es, dass sie bald noch mehr zum Buddeln und Pflegen haben. Für ihren Schulgarten wünschen sie sich noch mehr. "Kirschen und Heidelbeeren wären auch schön", rufen sie. Einen Teil davon bekommen sie sofort von Thomas Metzmacher in Form von Roter Grütze. Der Inhaber des Lokals "Zum lahmen Esel" eröffnet an der Stelle, an der im Nordwestzentrum jetzt noch der Kräuterturm steht, ein neues Lokal mit je 70 Innen- und Außenplätzen. "Die Eselei" heißt es und natürlich gibt es hier jede Menge Frisches und Leckeres. Inklusive Grüne Soße und Rote Grütze. SABINE SCHRAMEK

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