Die Direktkandidaten Omid Nouripour und Deborah Düring (Mitte) lassen sich von Parteifreunden im Fraktionsraum der Grünen im Römer feiern.
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Freude in Frankfurt: Die Direktkandidaten Omid Nouripour und Deborah Düring (Mitte) lassen sich von Parteifreunden im Fraktionsraum der Grünen im Römer feiern.

Wahl-Party in Frankfurt

Grüne in Frankfurt: Große Freude und ein bisschen Frust nach der Bundestagswahl 2021

  • Julia Lorenz
    VonJulia Lorenz
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Die Grünen siegen in Frankfurt trotz Abwärtstrend im Bund. Omid Nouripour holt ein Direktmandat bei der Bundestagswahl 2021. Doch die Partei treibt eine Sorge um.

Frankfurt – Jubelnd begrüßen die Anhänger der Grünen ihre beiden Direktkandidaten Deborah Düring und Omid Nouripour im Kunstverein Familie Montez. Vor allem der Außenpolitiker Nouripour ist der Star des Abends auf der Wahl-Party im Ostend, holt er für die Ökopartei doch das Direktmandat im Wahlkreis 183 (Nordosten und Süden) - als erster Grüner in Frankfurt.

Nouripour fehlen schier die Worte, bis zum Schluss kann er selbst das Ergebnis kaum glauben. „Ich bin sprachlos und dankbar“, sagt er. „Ich bin als 13-Jähriger aus dem Iran in diese Stadt gekommen, die mir so viele Chancen und Potenziale geboten hat.“ Jetzt den Wahlkreis zu gewinnen, sei Wahnsinn.

Grüne in Frankfurt zur Bundestagswahl 2021: Direktkandidat Omid Nouripour im Freudentaumel

Als „wahre Sensation“ jedoch bezeichnet er, dass die Grünen in Frankfurt stärkste Kraft geworden sind – immerhin zum vierten Mal in Folge. „Bei der Kommunalwahl im März hatte uns noch der Bundestrend getragen, jetzt nicht mehr“, so Nouripour. „Das Ergebnis ist absolut fantastisch.“

Die beiden Direktkandidaten Nouripour und Düring hatten gemeinsam mit anderen grünen Stadtverordneten, Stadträten und der Parteispitze die ersten bundesweiten Hochrechnungen und die ersten Auszählungen der Frankfurter Wahlbezirke im Römer verfolgt. Als die ersten Prognosen über die Bildschirme der Fernseher flimmern, sind die Grünen hin- und hergerissen zwischen großer Freude und Frust. Bundesweit landet die Partei nämlich nur auf Rang drei – hinter SPD und CDU. „Das ist kein Grund für Euphorie“, sagt Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg denn auch gleich. „Klar ist nämlich: Wir wollen eine Regierungsbeteiligung.“ Da stimmt ihr sofort ihr Magistratskollege, Kämmerer Bastian Bergerhoff, zu. Denn: „Wir brauchen dringend Unterstützung aus Berlin, um die Verkehrswende zu erreichen und die Klimakrise zu bekämpfen“, so Bergerhoff. „Eine erneute GroKo wäre eine Katastrophe.“

Grüne in Frankfurt sehen verschiedene Gründe für das „schlechte Ergebnis“ bei der Bundestagswahl 2021

Der Stadtverordnete Uwe Paulsen mahnt an, dass nun genau analysiert werden müsse, woran „das schlechte Ergebnis“ bundesweit für die Grünen lag. „Wir dürfen die Fehler nicht nur bei Annalena Baerbock suchen“, sagt Paulsen. „Wir müssen uns aber schon die Frage stellen, ob unsere Listen wirklich immer von einer Frau angeführt werden müssen, auch bei einer Kanzlerkandidatur.“

Nach so viel Frust gibt es aber auch schon früh am Abend Grund zur Freude. Deborah Düring wird, auch wenn sie ihren Wahlkreis nicht gewinnen konnte, über die Landesliste in den Bundestag einziehen. „Debbie fährt nach Berlin, Debbie fährt nach Berlin“, singen deshalb ihre Parteifreunde lauthals schon nach den ersten Prognosen. Und so kommt Nargess Eskandari-Grünberg gar nicht mehr aus dem Schwärmen heraus, als sie gemeinsam mit der Stadtverordnetenvorsteherin Hilime Arslaner-Gölbasi über das junge grüne Talent spricht: „Debbie steht für Aufbruch. Sie wird frischen Wind nach Berlin bringen.“

Düring selbst, die den Wahlabend als „krassen Live-Krimi“ bezeichnet, gibt sich da bescheidener. „Als Quereinsteigerin bin ich sehr zufrieden mit meinem Ergebnis“, sagt sie dann am späten Abend. „Ich freue mich, jetzt in Berlin für die Grünen zu kämpfen.“ Heute wird sie ihr neues WG-Zimmer beziehen. (Julia Lorenz)

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