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Die Interkulturelle Bühne heißt jeden Willkommen

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Von: Katja Sturm

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Mit der Interkulturellen Bühne erfüllte sich Yusuf Kilic (links) einen Traum. Nico Strauch unterstützt ihn. FOTO: Rainer Rüffer
Mit der Interkulturellen Bühne erfüllte sich Yusuf Kilic (links) einen Traum. Nico Strauch unterstützt ihn. © Rainer Rüffer

Yusuf Kilic hat das Bornheimer Theater gegründet, damit jeder mitmachen und sich verwirklichen kann. Alle helfen zusammen - nur so war es möglich, die Krise zu überstehen.

Frankfurt -Den Theaterleiter, der nur seine Mitarbeiter dirigiert, sucht man in der Interkulturellen Bühne vergebens. Yusuf Kilic ist in seinen eigenen Räumen in Alt Bornheim 32 ebenso Hausmeister wie Handwerker oder Mädchen für alles. Egal, was anfällt, der 64-Jährige stemmt es, unterstützt von den Freiwilligen, die ihm helfen. Diven sind auch unter den Schauspielern nicht gefragt. Ob andernorts professionell ausgebildet oder erst hier geschult, niemand ziert sich anzupacken. Und Gage gibt's auch keine.

In Frankfurt spielen Ukrainer und Russen zusammen Theater

Klingt seltsam und ist auch ungewöhnlich. Doch seine Liebe zum Schauspiel zu pflegen und damit die unterschiedlichsten Kulturen zusammenzubringen, das ist Kilics Leidenschaft. Dem gebürtigen Türken, den man früher in deutschen TV-Serien sah, ist es egal, welche Sprache jemand spricht, welche Religion er ausübt oder woher er stammt - jeder, der will, darf bei ihm die Bühne betreten.

An diesem Abend etwa werden sich Menschen aus verschiedenen russischsprachigen Ländern zu einer Probe treffen. Dass in der Ukraine ein Krieg tobt und Freunde oder Verwandte dabei vielleicht auf verschiedenen Seiten kämpfen oder zumindest unterschiedlich parteiisch sind, werde dabei keine Rolle spielen, bestätigt Kilic. "Es bringt die Kunst nicht weiter, wenn sie macht, was die Menschen draußen wollen."

Jeder einzelne Monat ist für Kilic ein Kampf

Er selbst will mit seinem Herzensprojekt, das er 1995 gegründet hat, so lange weitermachen, wie es geht. Dabei ist jeder Monat ein Kampf - obwohl den Theatermachern in den zwei Jahren der Coronavirus-Krise großzügig geholfen wurde. Und obwohl die Spendenaktion, die ein wichtiger Teil der Unterstützung war, neu belebt wird, wenn Bedarf ansteht.

Monatlich 4000 Euro benötigt Kilic, um die Ausgaben zu decken und über die Runden zu kommen. Die mehr als 30 Leute, die zu den fünf Ensembles zählen, sollen sich mit 20 Euro oder mehr daran beteiligen. "Die Leute, die bezahlen, zahlen mehr", sagt Kilic. Wer nichts aufbringen kann, darf trotzdem bleiben.

Dazu kommen die freiwilligen Beiträge weiterer Mitglieder, Ticketeinnahmen, der Erlös aus dem Verkauf von Speisen und Getränken sowie die 1200 Euro, die das Theater jeweils aus der Kultur- und Spielstättenförderung der Stadt Frankfurt bekommt.

Die Frankfurter halfen während Corona

Als es im März 2020 durch den ersten Lockdown keinerlei Einnahmen gab, halfen Zuschauer, Nachbarn, Bekannte. Die Mitglieder initiierten eine "großzügige Spendenaktion", wie Kilic sagt. Zudem reduzierte der Vermieter die Kosten für ein Jahr um 50 Prozent. "So eine Unterstützung gibt Ansporn", sagt Nico Strauch, der den Theaterleiter unterstützt.

"Wir machen das nicht, um Geld zu verdienen", betont Kilic. "Es macht mir einfach Spaß, mit Menschen zusammen zu lachen." Dass er in der Krise feststellen durfte, wie sehr die Nachbarschaft das schätzt, mache ihn stolz und stärke seinen Glauben daran, dass es immer irgendwie weitergeht. "Wenn ich den nicht hätte, hätte ich nie angefangen."

Dass die seit zwei Jahren verschobene Feier zum Geburtstag der Bühne irgendwann nachgeholt wird, ist Teil von Kilics Optimismus. Mut verschafft ihm auch, dass sich das Theater jetzt größerer Resonanz seitens derer erfreue, die es mitgestalten wollen, als vor der Pandemie.

Kilic hat neue Stücke verfasst

Kilic selbst hat neue Stücke geschrieben. Geprobt wurde fast durchweg zu den geltenden Corona-Vorgaben. Allein die Zuschauer kehren noch nicht wieder in gewohntem Maße zurück, seit der Vorhang in den beiden Vorstellungsräumen wieder geöffnet wurde. Die Auslastung liegt bei etwa 40 Prozent derer, die vor der Pandemie kamen.

Während an diesem Samstag (20 Uhr) noch das Stück "Frauenknast" läuft, in dem es um vier wahre Fälle geht, bei denen Frauen unschuldig verurteilt wurden, steht ab 6. Mai die Krimi-Komödie "Undercover" an. Doch nicht nur Gäste sind willkommen: Jeder, der sich im Theater ausprobieren will, soll vorsprechen. Sprachbarrieren stellen keine Hindernisse dar. In der Interkulturellen Bühne werden Stücke schon mal in verschiedenen Sprachen aufgeführt, auch wenn dann nicht jeder jeden Satz versteht.

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