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Die Johanniter ziehen ins Hotel

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Von: Judith Dietermann

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Noch parkt Oliver Pitsch den RTW vor einem Hotel, schon im Mai ist das Gebäude eine Rettungswache. FOTOs: Leonhard Hamerski
Noch parkt Oliver Pitsch den RTW vor einem Hotel, schon im Mai ist das Gebäude eine Rettungswache. © sauda

Flemings im Industriehof wird zur Rettungswache - Umzug im Mai

Es ist ein ungewöhnliches Bild, als Oliver Pitsch den Rettungswagen der Johanniter auf den Bordstein in der Elbinger Straße lenkt und das Fahrzeug vor der Treppe abstellt, über die noch vor ein iger Zeit regelmäßig Hotelgäste ein- und ausgingen. Das tun sie schon lange nicht mehr. Seit fast zwei Jahren wurde in den 152 Zimmern auf den vier Etagen nicht mehr übernachtet. Quasi mit Beginn der Corona-Pandemie wurde der Betrieb des "Flemings Conference Hotels" eingestellt. Im September vergangenen Jahres wurde es offiziell geschlossen.

Was für das Frankfurter Unternehmen ein schwerer Schlag war, war für die Johanniter ein Glücksfall. Denn sie ziehen jetzt ins Hotel. Nicht nur für eine Nacht, sondern gleich für mehrere Jahre, wie Oliver Pitsch, Vorsitzender des Regionalverbandes Rhein-Main erklärt. Denn die Rettungswache in Bockenheim muss abgerissen und neu gebaut werden. Bedeutet: Die Rettungskräfte brauchen neue Räume.

Eine Suche, die zu einer Herausforderung wurde. Denn freie Grundstücke und Gebäude sind in Frankfurt begehrt. Zudem sind die Voraussetzungen für eine Rettungswache besonders. So muss sie in "gewissen geographischen Grenzen" liegen, erklärt Pitsch. Wie das Hotel im Industriehof. Dort sei die Lage "sehr gut", sowohl die Autobahn, als auch alle Stadtteile seien "bestens und vor allem schnell" erreichbar. Geparkt werden die Rettungswagen auf dem ehemaligen Hotelparkplatz im Hinterhof, genutzt wird der linke Flügel des Hotels für die Rettungswache. Allerdings nur das Erdgeschoss sowie die erste und zweite Etage. Damit die Mitarbeiter bei einem Alarm schnell an den Fahrzeugen sind. Denn lediglich eine Minute darf die Ausrückzeit dauern, so Pitsch.

Und der restliche Teil des Hotels? Der wird für ein Wohnprojekt der Johanniter in Zusammenarbeit mit der Stabstelle für Flüchtlingsmanagement genutzt. Dafür böten sich die Hotelzimmer an, alles nötige sei bereits vorhanden, die Umbauarbeiten deswegen überschaubar, sagt er.

Vom Foyer geht Oliver Pitsch in Richtung des ehemaligen Speisesaals, schwarz-weiße Fliesen lassen das Entree edel wirken, ebenso wie die dunklen Einbaumöbel. Grüne Stühle stehen im Speisesaal, der künftig multifunktional genutzt werden und so etwas wie der Mittelpunkt der neuen Rettungswache werden soll. Dahinter befinde sich die verwaiste Hotelküche. Als "eine Fügung des Schicksals" bezeichnet Pitsch sie. Nun könne man in großen Katastrophenlagen auch große Mengen Essen zubereiten. Weiter hinten befinden sich die Büros des Wachleiters und des Praxisleiters. Denn auch ausgebildet werden soll auf dem zukünftigen "Johanniter Campus Elbinger Straße". Sogar eine Bibliothek befindet sich am Endes des Flures. Die soll von den Auszubildenden genutzt werden, sagt Pitsch.

Einem Gebäude eine völlig andere Nutzung zuzufügen, ist für den Regionalverband übrigens nicht neu. So wurde bereits vor einigen Jahren ein ehemaliges Bürogebäude in der Berner Straße in Nieder-Eschbach in die neue Geschäftsstelle, das Ausbildungs- und Trainingszentrum (JATZ) sowie eine Rettungswache umgewandelt. "Wir wissen also was wir tun und auf was wir uns einlassen", sagt Oliver Pitsch und nimmt die Treppen in den ersten Stock.

Zimmer werden Ruheräume

Die Hotelzimmer sollen zu Ruheräumen werden, jeder Mitarbeiter habe während der Schicht einen eigenen Raum. Mit Toilette und Dusche. "Die Dienste sind so intensiv, man braucht einen solchen Rückzugsort. Die Belastungen sind enorm hoch, vor allem in den vergangenen zwei Jahren", sagt er. Deshalb bezeichnet er die Fitnessräume mit Geräten, Sauna und Dampfbad auch nicht als Luxus, sondern als selbstverständlich. Weil es wohl kaum einen Beruf gibt, der sowohl physisch, als auch psychisch solch eine Belastung darstelle.

Weniger belastend sei da der Zeitplan, den sich die Johanniter gesteckt haben. Denn schon im Mai, so Pitsch, soll die Rettungswache umziehen. Für das Wohnprojekt gibt es derweil noch keinen Starttermin. "Ja, das ist sportlich, aber durchaus machbar", fügt er hinzu. Und dass sie schnell sein müssen, wenn es darauf ankommt, zeigen sie nicht nur bei ihren Einsätzen, sondern eben auch bei der Planung des neuen Campus. So einigte man sich Anfang des Jahres mit den Beteiligten, sowohl mit dem Vermieter, als auch der Bauaufsicht. Anfang diesen Jahres folgte die Baugenehmigung und die Arbeiten begannen. "Wir sind unendlich dankbar, dass alles so gut geklappt hat und wir die entsprechende Unterstützung von der Stadt und der Branddirektion sowie allen anderen Beteiligten hatten. Denn sonst wäre dies nicht möglich gewesen", sagt Oliver Pitsch. judith dietermann

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