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Kitas in Frankfurt: Kinderbetreuung ist in Gefahr

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Von: Ute Vetter

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Allein auf weiter Flur? Bis zum Jahr 2030 werden Hunderttausende Erzieherinnen fehlen. Die kindgerechte Betreuung ist in Gefahr. Auch in Frankfurt. (Symbolbild)
Allein auf weiter Flur? Bis zum Jahr 2030 werden Hunderttausende Erzieherinnen fehlen. Die kindgerechte Betreuung ist in Gefahr. Auch in Frankfurt. (Symbolbild) © Michael Schick/Imago

In Frankfurt sind 3500 Kita-Plätze auch wegen Personalmangels zurzeit unbesetzt. Die Kritik wächst.

Frankfurt - Mitarbeiter für Kitas und Horte zu finden, ist längst eine Herkulesaufgabe - bundesweit und auch in Frankfurt. Laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung von 2021 werden bis 2030 mehr als 230.000 Erzieher in der Republik fehlen. Wenn ab dem Jahr 2026 noch der Rechtsanspruch auf eine Ganztagsbetreuung an Grundschulen folgt, dürfte die Lage noch schlechter werden.

Im Frankfurter Stadtschulamt kümmert sich unter anderem seit Mitte Oktober 2021 eine Mitarbeiterin auf einer neuen Koordinierungsstelle um die "Fachkräftegewinnung und -bindung". Sie soll eine Werbekampagne planen, um für die Ausbildung und Ausübung des Erzieherberufs in Frankfurt zu werben, Fachveranstaltungen und Fortbildungen für Akteure in der Kindertagesbetreuung planen und durchführen, Berufsbildungsmessen für Erzieher umsetzen, um mehr Zielgruppen zu erreichen und über die Ausbildung und den Beruf als Erzieher zu informieren. Auch ein "Fachkräfte-Monitoring" in der Kindertagesbetreuung soll sie aufbauen.

Kita-Lage in Frankfurt: Rentenabgänge hinterlassen Lücken

Die bildungspolitische Sprecherin der CDU-Römerfraktion, Sara Steinhardt kritisiert: "Die Dame ist mehrere Monate im Amt, hat offenbar wenig Übersicht." Im Bildungsausschuss im März habe sie nur vorgestellt, dass rund 3500 Kita-Plätze in Frankfurt unbesetzt seien wegen des Fachkräftemangels, des Umbaus oder der Sanierung von Kitas sowie der Pandemie. "Auf meine Frage, wie viele Erzieher insgesamt fehlen, konnte sie nicht antworten; sie sei noch dabei, sich einzuarbeiten."

Ob der städtische Eigenbetrieb Kita Frankfurt oder die freien Träger wie das Diakonische Werk, die Caritas, die BVZ GmbH oder die Arbeiterwohlfahrt (Awo): Alle suchen schon länger händeringend Personal. Die Frage an Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD), ob in den knapp 150 städtischen Kinderbetreuungseinrichtungen etwa 140 Erzieher fehlen, beantwortet ihre Referentin Nicole Möhrmann: Kita Frankfurt suche für seine Betreuungseinrichtungen Neubesetzungen für durchschnittlich 60 bis 100 Stellen im Jahr. Bei derzeit rund 2600 aktiven Mitarbeitenden im pädagogischen Bereich könne man das als "moderat" bezeichnen, so Möhrmann. Doch es werde immer schwieriger, freie Stellen, "die vor allem durch Rentenabgänge entstehen", auszugleichen.

Personalmangel in Frankfurter Kitas: Viele suchen sogar im Ausland

Doch es gibt "keine zentrale Erfassung der Daten zur Personalsituation und der -entwicklung im Bereich der Kindertagesbetreuung in Frankfurt", erklärt Möhrmann. Der Personaleinsatz, die Personalgewinnung und -verwaltung oblägen allein den rund 200 Trägern von Kinderbetreuungsangeboten in der Stadt.

Immerhin haben im Schuljahr 2021/2022 an den drei Frankfurter Berufsfachschulen 371 Leute die Ausbildung als Erzieher begonnen. Kita Frankfurt zählt im Jahr 2022 im pädagogischen Bereich insgesamt 218 Auszubildende, dazu absolvieren 63 Leute ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ). Doch das reicht längst nicht aus, um den Personalbedarf zu decken.

Angesichts des Erziehermangels suchen alle Betreuungseinrichtungen schon länger auch im Ausland Personal. Kita Frankfurt rekrutiert seit vier Jahren in Spanien Fachkräfte, "allerdings nicht sehr stark", so Möhrmann. Die Suche ist schwer: Die Ausbildung der Interessenten muss hierzulande anerkannt werden, Sprachbarrieren sind zu überwinden. Grundsätzlich gilt, dass jeder Träger die Personalsuche selbst übernimmt. Spezialisierte Personaldienstleister, die Fachkräfte auch im weiter entfernten Ausland suchen, werden selten eingeschaltet, denn das kostet Geld. Die Stadt jedenfalls tut dies laut Nicole Möhrmann nicht. (Ute Vetter)

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