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Pastoralreferentin Gabriela von Melle vom Bistum Limburg ist damit beauftragt worden, sich in den kommenden fünf Jahren ausschließlich um pastorale Innovation in der Pfarrei St. Josef zu kümmern.

Osten: Kirchenpolitik

Die Kirche soll raus aus der Komfortzone

  • vonGernot Gottwals
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Großgemeinde geht neue Wege, um sich für die Herausforderungen der Zukunft zu rüsten

Das Thema Kirchenentwicklung ist für alle Gemeinden eine Herausforderung. Die Pfarrei St. Josef geht dabei neue Wege: Pastoralreferentin Gabriela von Melle vom Bistum Limburg ist damit beauftragt worden, sich in den kommenden fünf Jahren ausschließlich um pastorale Innovation in der Pfarrei zu kümmern. Damit ist St. Josef die dritte Pfarrei des Bistums, der diese Schwerpunktsetzung mithilfe einer solchen "Dynamischen Stelle Kirchenentwicklung" ermöglicht wurde.

Als Auftakt für diese Arbeit hat sich der Pfarrgemeinderat der Großgemeinde - neben St. Josef in Bornheim gehören Maria Rosenkranz, Heilig Geist und Herz Jesu im Frankfurter Osten dazu - jetzt gemeinsam mit dem Pastoralteam und den Teilnehmern einer Bistumsexkursion bei einem Klausurtag mit den Entwicklungsperspektiven der Pfarrei beschäftigt. Ausgehend von vier unterschiedlichen Zeichnungen, die die Entwicklungsstufen von Kirche symbolisierten, versuchte die Gruppe, unter anderem mit unterschiedlichen Gegenständen für die eigene Pfarrei ein fünftes Bild zu schaffen, das den Weg in die Zukunft von St. Josef zeigen soll.

Rausgehen aus dem Palast

"Raus, raus, raus", lautete eines der Schlagworte, die dabei fielen. Die Gemeinden müssten sich öffnen und rausgehen aus ihrem Palast, befand das Team. Aus Bauklötzen baute es eine "Festung Kirche", aus der Murmeln herausrollten, stellvertretend für die Mitarbeiter und die Gemeindemitglieder, die sich ihren Stadtteilen mehr und mehr öffnen sollen. Die Gruppe wünschte sich mehr Sichtbarkeit und mehr Vernetzung mit Vereinen, Glaubensgemeinschaften und Engagierten in Bornheim, Seckbach, Riederwald und Fechenheim. In kleineren Gruppen wurden Ideen entwickelt, wie Kirche im Stadtteil sichtbarer werden kann. "Wir müssen andere Orte suchen und einen Ortswechsel wagen", lautete ein Vorschlag. So könne man etwa die vielen Glaubensgruppen aus dem Frankfurter Osten zusammenbringen: Mit den muslimischen, jüdischen und orthodoxen Glaubensgemeinschaften könne man gemeinsame Projekte umsetzen. Als Vorbild-Veranstaltung für eine weitere Öffnung wurde der Seckbacher Adventskalender genannt: Die Reihe ist im Stadtteil verankert, über reine Kirchenkreise hinaus bekannt und geschätzt und habe dennoch eine christliche Prägung durch die Zusammenarbeit der katholischen Rosenkranz- und der evangelischen Mariengemeinde.

Eine weitere Kleingruppe beschäftigte sich ebenfalls mit dem Wunsch nach mehr Miteinander über die Pfarrei-Grenzen hinaus, fordert aber ebenso ein, den Gläubigen in der Kirche ein Zuhause zu geben. Dies bedeute, dass es stets eine geöffnete Kirche gebe, die immer besuchbar ist und zum Gebet sowie einen Moment der Stille und Einkehr einlädt. "Man kann sich aber nicht in einer Kirche zu Hause fühlen, wenn sie voller Krempel steht und dunkel ist", gab einer der Anwesenden im übertragenen Sinne zu bedenken. Man müsse eine gewisse Qualität erwarten dürfen - von der Kirche und den Gottesdiensten: Sei es bezogen auf die technische Tonqualität, bis hin zu musikalischer Begleitung, zu den Inhalten der Predigten und der Gestaltung der Gottesdienste. Man solle zudem prüfen, was spirituell möglich wäre, um Menschen über die Sonntage hinaus einzuladen, damit die Kirche als Ort für liturgisches Beisammensein weiter etabliert wird. Dazu müsse man die Bedürfnisse, etwa von Eltern oder Kindern in den Stadtteilen, ermitteln.

Gewohnheiten ablegen

Selbstkritisch sprach eine der Gruppen darüber, dass es schwer sei, sich von Veranstaltungen zu trennen, die einem zwar liebgeworden seien, die nicht selten jedoch nur noch aus einer Art 'Gewohnheit' organisiert werden. Man müsse sich ehrlich bewusst machen, welche Termine im Gemeindekalender "Ladenhüter" seien, die nur wenig Anklang in der Gemeinde finden. Solche Termine würden in der Organisation viele Kräfte binden, geringe Besucherzahlen würden Haupt- und Ehrenamtliche demotivieren und enttäuschen. Stattdessen solle man Ressourcen, also die Zeit engagierter Ehrenamtlicher, für Projekte und Ideen aufheben.

Ein solches neues Projekt könnte ein großes Kirchenfest im Ostpark sein. Dieser liegt nah zu allen vier Kirchorten, er gehört zur Dompfarrei, wäre also "neutrales Gebiet" und somit idealer Ort für eine gemeinsame Feier, ohne einen der Kirchorte zu bevorzugen. Ein solches Open-Air-Event würde das Leben der Pfarrei nach außen sichtbarer machen, red

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