Auf den Barrikaden, weil sie auf die Straße gesetzt werden: Kinder unter Eltern der Kita Praunheimer Strolche.
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Auf den Barrikaden, weil sie auf die Straße gesetzt werden: Kinder unter Eltern der Kita Praunheimer Strolche.

Kinderbetreuung

Betriebs-Kita in Praunheim soll bald abgerissen werden – Klinikpersonal „völlig verzweifelt“

  • Judith Dietermann
    vonJudith Dietermann
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Am Krankenhaus Nordwest in Frankfurt wird die betriebsnahe Kita abgerissen. Schock für Kinder und Eltern – doch es gibt Hoffnung.

Frankfurt. Noch immer sitzt der Schock der Eltern der 48 Kinder, die in der Kindertagesstätte "Praunheimer Strolche" betreut werden, tief. Auch sechs Wochen nachdem sie erfahren haben, dass das Gebäude der Einrichtung in der Steinbacher Hohl zum 31. Juli schließt und abgerissen wird. "Unsere Kinder werden von heute auf morgen einfach auf die Straße gesetzt. Solch ein Bauprojekt muss doch eine gewisse Vorlaufzeit haben. Und einen direkten Ersatz für die Betreuung gibt es nicht. Wir sind völlig verzweifelt", sagt eine Mutter, deren drei Kinder deswegen künftig drei verschiedene Einrichtungen besuchen. Deren Öffnungszeiten sich mit ihrer Arbeit am Krankenhaus Nordwest aber kaum vereinbaren lassen.

Kita „Praunheimer Strolche“ in Frankfurt: Wichtiges Angebot für Krankenhaus-Mitarbeiter

Denn die "Praunheimer Strolche" sind eine besondere Einrichtung - eine betriebsnahe Kita auf dem Krankenhaus-Gelände. 75 Prozent der Plätze werden an Mitarbeiter des Krankenhauses vergeben, 25 Prozent an andere Kinder aus dem Stadtteil. Abgegeben werden können die Kinder bereits ab 6 Uhr morgens - für Krankenhaus-Mitarbeiter im Schichtdienst optimal.

"Grund für die Schließung ist ein Bauprojekt auf dem Stiftungsgelände an der Steinbacher Hohl mit erheblichen baulichen Maßnahmen, welche auch die Fläche des Kindergartens betreffen", sagt Christine Höllwarth, Sprecherin der Stiftung Hospital zum Heiligen Geist, zu der das Nordwest-Krankenhaus gehört. Es werde ein neuer Wohngebäudekomplex inklusive eines neuen Stadtteil-Kindergartens auf dem Areal entstehen, sagt sie. In einem Schreiben der Stiftung an die Eltern heißt es zudem, dass man sich bemühe, weiterhin eine Betreuung anzubieten.

Zwei Termine mit Eltern, einem Vertreter der Stiftung sowie dem Träger der Kita, dem Verein Beratungs- und Verwaltungszentrum (BVZ), fanden seitdem statt. Mit für die Eltern ernüchterndem Ergebnis. "Auf Listen mussten wir unseren Bedarf anmelden, gekümmert haben wir uns aber letztlich selbst", sagt eine Mutter, die mehr als 30 Einrichtungen abgeklappert hat. Ohne Erfolg. Denn als die Schließung bekannt wurde, waren die meisten Plätze bereits vergeben, die Wartelisten entsprechend lang.

Kita in Frankfurt vor dem Abriss – Eltern vermuten „Bruchbude“ hinter Ersatzangebot

Auch wenn er die Sorgen der Eltern verstehen kann, so zeigt sich BVZ-Regionalleiter Jens Wagener recht entspannt. Bis Juli sei "noch ausreichend Zeit, um für alle Kinder einen Platz zu finden", meint er. Das sei mittlerweile auch recht gut geglückt, für 16 Kinder suche man noch nach einer Lösung. Darunter auch Kinder von Eltern, die nicht in Frankfurt wohnen und deswegen auch keinen Anspruch auf einen Betreuungsplatz hätten. "Auch hier suchen wir nach Lösungen, es läuft viel im Hintergrund" versichert Wagener.

Auch wehrt er sich gegen den Vorwurf der Eltern, es gebe keinen Ersatz. Den gebe es nämlich. Allerdings in Westhausen, in der Kollwitzstraße 1, wo der BVZ ab dem 1. August die Trägerschaft des Kinderplaneten Westhausen übernimmt. Ein Angebot, das jedoch die Eltern kritisch sehen. Das Gebäude sei "eine Bruchbude", sei ihnen berichtet worden, und müsse abgerissen werden. Dem widerspricht Wagener deutlich, es müssten lediglich Wände gestrichen werden. Und auch der jetzige Träger, der Sozialpädagogische Verein, entkräftet dies. "Das BVZ schafft Synergieeffekte, weil es nebenan bereits einen Hort betreibt", erklärt eine Sprecherin die Gründe. Die Kinder, die die Einrichtung besuchten, behielten ihre Plätze.

Kita in Frankfurt muss weg – Angekündigte Lösungen haben entscheidenden Haken

Aufgefüllt werden soll die Einrichtung mit den Praunheimer Strolchen. Sie würden dort, wie auch in anderen Einrichtungen, bevorzugt behandelt. Sogar eine Überbelegung wäre denkbar, sagt Jens Wagener. "Wir sind da in regem Austausch mit der Stadt und suchen nach den besten Lösungen", sagt er.

Blieben nur noch die außergewöhnlichen Öffnungszeiten, die für die Mitarbeiter des Krankenhauses so wichtig sind. Denn durch den Umzug von Praunheim nach Westhausen wäre es eine Stadtteil- und keine betriebsnahe Kita mehr. Mit Regelöffnungszeiten von 7 bis 17 Uhr. "Wir sind auch hier in Gesprächen und suchen nach Lösungen. Denn wir wissen alle, dass die Schichtzeiten im Krankenhaus nicht geändert werden können", sagt Jasmin Misev, Referentin von Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD).

Für die Eltern ist diese Nachricht zumindest "ein kleiner Schein am Horizont". Sie fühlen sich alleingelassen und nicht ausreichend informiert. "Das sind alles Informationen, die man uns nichts mitgeteilt hat. Würde man dies regelmäßiger tun, würde das alles einfacher machen", sagen sie. (Judith Dietermann)

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