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Die Mandelkönigin ist gestorben

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Hilde Ries im Jahr 2008 auf dem Mainfest. Fast 60 Jahre lang war sie auf vielen Frankfurter Festen vertreten.
Hilde Ries im Jahr 2008 auf dem Mainfest. Fast 60 Jahre lang war sie auf vielen Frankfurter Festen vertreten. © Martin Weis

Schaustellerin Hilde Ries verkaufte fast 60 Jahre Süßigkeiten auf Festen

Die Trauer ist groß: Viele kannten sie als die Mandelkönigin, für andere war sie eine Institution: Die Schaustellerin Hilde Ries, die 59 Jahre lang Mandeln auf Festen wie dem Frankfurter Weihnachtsmarkt oder der Dippemess verkaufte, ist am Mittwoch im Alter von 76 Jahren gestorben. Das bestätigt ihr Enkelsohn Christian Ries. "Sie war sehr krank, aber sie kämpfte bis zum Schluss für ihr Lebenswerk. Bis letztes Jahr hat sie noch weitergearbeitet", erzählt der 30-Jährige. Hilde Ries lebte von Geburt an in Steinbach, die Lagerhalle der Süßigkeiten ist in Kronberg, der Firmensitz in Frankfurt.

Ende vergangenes Jahres sei zuerst sein Großvater gestorben, danach habe die Großmutter sehr abgebaut. "Wir hatten gehofft, dass sie noch paar Monate länger lebt." Ries hinterlässt einen Sohn, drei Enkelkinder und drei Urenkelkinder.

Wie würde er seine Großmutter in seinen eigenen Worten beschreiben? "Sie war eine toughe, aber auch sehr sozial engagierte Frau. Was sie wollte, hat sie auch bekommen." Angefangen hat alles 1962 mit ihrem Mann Horst Ries. Seine Eltern hatten ein Karussell und eine Schiffschaukel betrieben, dann machte er seinen eigenen Stand mit süßen Mandeln auf. "Der hat ihn noch selbst gebaut", sagte Hilde Ries im Jahr 2012. Die gelernte Fleischereifachverkäuferin, die ihren Mann 1964 kennengelernt hatte, stieg nach der Hochzeit 1965 in den Betrieb ein. In seinen Verkaufshäuschen bietet der Familienbetrieb auch Dinge wie Magenbrot, Bethmännchen und Lebkuchenherzen an. Die gebrannten Mandeln bleiben aber immer das Kerngeschäft. "Wir sind unheimlich viel herumgefahren", erzählte Hilde Ries einst. Auf dem Weihnachtsmarkt der englischen Partnerstadt Birmingham zählte sie zu den Pionieren.

Kurt Stroscher von der Tourismus und Congress GmbH, kannte sie viele Jahre und bezeichnet sich selbst als engen Vertrauten: "Sie wird extrem fehlen. Für mich war sie ein Phänomen. Eine Frau mit Ecken und Kanten, immer geradeaus und gleichzeitig herzensgut." Er habe Jahre gebraucht, bis er verstanden habe, dass es ihr "Ein und Alles war auf den Plätzen zu sein", selbst dann, wenn das wirtschaftlich nicht immer rentabel gewesen sei. Die Stadtgesellschaft wie Ex-OB Petra Roth habe sich an ihrem Stand wie Zuhause gefühlt. Hilde Ries setzte sich mehr als 40 Jahre für karitative Einrichtungen ein, darunter die Gehörlosenarbeit von Pater Amandus im Kloster Liebfrauen. Von 1996 bis 2002 hat sie einen Wohltätigkeitsstand zugunsten der Obdachloseneinrichtung des deutschen Ordens in den Affentorhäusern unterstützt. Außerdem engagiert sie sich für die christliche Aids-Hilfe und beteiligt sich an den Spendenaktionen für die Heinrich-Kraft-Stiftung. Und natürlich unterstützte sie auch die Leberecht-Stiftung dieser Zeitung. 2007 wurde sie schließlich für ihr langjähriges ehrenamtliches Engagement im Römer mit der Bürgermedaille ausgezeichnet.

Und nun? Enkel Christian Ries wird am Wäldchestag ohne seine geliebte Großmutter Mandeln verkaufen. "Ich will das Lebenswerk meiner Großeltern unbedingt fortführen." KATHRIN ROSENDORFF

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