Die Anwohner der Donnersbergstraße diskutieren über die Lärmschutzwand, die genau dort, wo sie jetzt stehen, gebaut werden soll. Das Idyll für Kinder und Tiere wird verloren sein.
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Die Anwohner der Donnersbergstraße diskutieren über die Lärmschutzwand, die genau dort, wo sie jetzt stehen, gebaut werden soll. Das Idyll für Kinder und Tiere wird verloren sein.

DB-Projekt

Umstrittene Bahn-Baustelle in Frankfurt: Mauer wird zehn Meter hoch

  • Stefanie Wehr
    VonStefanie Wehr
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Ein Treffen mit der Bahn an der umstrittenen Baustelle in Frankfurt-Niederrad bringt neue Sorgen für die Anwohner.

Frankfurt – Fast drei Stunden Zeit nahmen sich Mitarbeiter der Bahn am Freitag (03.12.2021), um rund 35 Anwohner der Donnersbergstraße und der Kalmitstraße in Frankfurt vor Ort über die künftige Baustelle aufzuklären. Wie berichtet, hatten die Anwohner herausgefunden, dass es bei den Bauplänen zum Ausbau des Knotenpunkts Frankfurt Stadion bereits 2014/15 eine Planänderung gab, die eine Lärmschutzwand direkt an den Gärten der Donnersbergstraße 20 bis 60 vorsieht, für die etliche Bäume und Büsche gerodet werden müssen.

Marko Asseng, bei der DB Netz verantwortlich für den Gleisausbau, sagte: "Wir werden nicht so bauen, wie es in der Planänderung, die Sie gesehen haben, steht. Wir werden weniger Bäume roden, als wir dürften, damit Sie weiterhin Ausblick ins Grüne haben." Geplant sei der Bau der Wand am unteren Ende der Böschung auf Bahngelände - zurzeit sind dort Gärten der DB Landwirtschaft, die verpachtet sind, aber gekündigt werden. Dort wird der rund vier Meter hohe Unterbau der Wand entstehen, eine Spundwand, worauf die eigentliche, lärmabsorbierende Schutzwand errichtet wird. Diese soll zusätzliche sechs Meter hoch sein. Insgesamt wird also eine zehn Meter hohe Wand gebaut. "Das klingt monströs und das ist es auch, wir bauen selten so hohe Lärmschutzwände", erläuterte Asseng. "Doch Sie werden eines Tages froh sein, dass diese Wand dort steht."

Bahn baut in Frankfurt: Gelände wird zu Großbaustelle

Denn auch dies wurde den meisten Anwohnern im Gespräch erst klar: Das Gelände oberhalb ihrer Grundstücke wird zu einer mindestens zehn Jahre währenden Großbaustelle mit LKW-Verkehr, Schweißarbeiten und Lärm - auch nachts. Dort wird in dieser Zeit die neue Stabbogenbrücke vormontiert, die anschließend per Schwimmpontons über den Main gelegt wird. Zudem soll von hier der Gleisausbau Richtung Süden angedient werden, der viel Zeit in Anspruch nimmt, weil der reguläre Bahnverkehr weiterlaufen soll. "Bis 2030 soll alles fertig sein, so lange wird die Wand dort stehen und Sie vor dem Baulärm schützen", so Asseng. Später würde die Zehn-Meter-Wand abgebaut und durch eine reguläre Lärmschutzwand ersetzt.

Die Anwohner wollten wissen, ob bedacht worden sei, dass die Ernst-May-Häuser an der Donnersberg- und Kalmitstraße 100 Jahre alt und denkmalgeschützt sind. "Wir befürchten, dass die Bautätigkeit Schäden an den Häusern verursacht. Schon jetzt spüren wir bei manchen Güterzügen deutliche Vibrationen - fast wie ein Mini-Erdbeben", sagt Anwohnerin Katja Apelt. Die Bahn werde Gutachter in jedes Haus schicken, die zwecks Beweissicherungsverfahren bestehende Schäden aufnehmen, versicherte Asseng. "Sollten Schäden entstehen, kommt die Bahn dafür auf", sagte er. Die Sorgen der Anwohner bezogen sich auch auf den Bau der Mauer an sich. "Wenn hier beispielsweise Spundwände eingeschlagen werden und der Boden aufgeschüttet und verdichtet wird, soll die Bahn dafür sorgen, dass eine Bauweise zum Einsatz kommt, die Schäden vermeidet", fordert Apelt. Es gebe dafür Möglichkeiten, so dass die Bausubstanz und Nerven der Anwohner geschont würden.

Bahn rodet Bäume in Frankfurt ab Januar

Die Böschung werde schon Anfang Januar gerodet, kündigte Asseng an. Nicht vor Mai werde dann mit dem Bau der Mauer begonnen. Etwa ein halbes Jahr lang dauere es, bis die Mauer stehe.

"Der kommende Sommer und Herbst werden erst einmal laut. Aber wir sind schon beruhigt, dass nicht so viele Bäume gerodet werden", sagte Apelt. Doch der Verlust des grünen Dickichts, in dem die vielen Kinder aus der Nachbarschaft so gern spielten, sei herb. "Wir hoffen, dass der Platz vor der Mauer begrünt werden kann." Während der Bauzeit der Mauer müssten die Eltern besonders auf ihre Kinder aufpassen, etwa im Gemeinschaftsgarten der Nachbarn, der an das Bahngelände unmittelbar angrenzt. Für die Zukunft gelobte die Bahn Besserung in der Kommunikation. Das Treffen bezeichneten beide Seiten deshalb als Startschuss für künftige Zusammenarbeit.

Als Nächstes will Asseng bei einem Online-Treffen den Anwohnern Karten und Pläne erläutern. Denn die Anmerkung, dass nichts verheimlicht wurde und alle Pläne in Amtsblättern veröffentlicht waren, wollen die Anwohner nicht stehen lassen. "Wir wussten nichts von diesen Veröffentlichungen", sagte ein Anwohner. Nicht jeder sei Fachmann im Lesen komplizierter Baupläne. (Stefanie Wehr)

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