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Die Metropolregion wächst immer mehr zusammen

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Junge-Zeitung-Autor Yannik Burkard fasst die Forderungen der Wirtschaftsinitiative FrankfurtRheinMain zusammen: ein Ende der Kleinteiligkeit und mehr strategisches Denken von der Politik.

Jörg Schaub, Ko-Geschäftsführer der Wirtschaftsinitiative FrankfurtRheinMain.
Jörg Schaub © wirtschaftsinitiative

Frankfurt -Wer in Seligenstadt, Bad Homburg, oder Bad Vilbel wohnt oder arbeitet, wird im Ausland wohl meistens sagen, er komme aus dem Großraum Frankfurt. Politisch ist das Selbstverständnis in einer Metropolregion zu leben, noch unzureichend verankert. Entsprechende Anstöße will die Wirtschaftsinitiative FrankfurtRheinMain mit ihren 140 beteiligten Unternehmen und Organisationen geben.

Das Gebiet, das Jörg Schaub und seine Co-Geschäftsführerin Annegret Reinhardt-Lehmann von ihrem Frankfurter Büro aus beackern, erstreckt sich über drei Bundesländer: Hessen, Bayern und Rheinland-Pfalz. Es reicht von Mainz bis nach Fulda.

Schaub bemängelt, dass es der Politik bisher an strategischer Weitsicht fehlte, der längst gegebenen Realität Metropolregion gerecht zu werden. Die Menschen seien längst viel weiter als die Politik. Sie nähmen die Grenzen zwischen Kreisen und Kommunen kaum noch wahr und fühlten sich in der gesamten Region zu Hause. Laut Schaub zeigten Untersuchungen die enorme Verflechtung, die es bei den Themen Pendeln, Einkaufen und Bildung gibt. Frankfurter arbeiten oder studieren beispielsweise in Wiesbaden, Gießen oder Offenbach und umgekehrt, kaufen dann auch an den jeweiligen Orten ein. Dennoch gebe es keine Regionalstrategie vonseiten der Politik „Jeder plant bis zu seiner Stadtgrenze. Niemand ist zuständig für die Metropolregion. Und einen echten Ansprechpartner gibt es nicht.“ Schaub hält regional übergreifende Strategien für notwendig, um weiteres Wirtschaftswachstum zu fördern. Selbst eine Stadt wie Frankfurt schaffe es nicht, sich alleine im internationalen Wettbewerb zu behaupten.

Das Denken in Landkreisen und der Individualismus in den Kommunen bei dem Versuch, bürgernah zu bleiben, führe zu Kleinteiligkeit. Darunter litten regionale Konzepte wie zum Beispiel die Anbindung an den Nahverkehr oder die Ausweisung von neuem Bauland. In Frankfurt wiederum treffe man teilweise auf die egozentrische Idee einer Stadtgesellschaft, die sich im Konflikt mit dem Umland befinde. Andere ebenfalls selbstbewusste Großstädte in der Region wie Wiesbaden, Offenbach, Gießen und Mainz hätten die Befürchtung, sich Frankfurt unterordnen zu müssen. All solche Erwägungen hält Schaub für wenig zeitgemäß. „Das Gemeinwohl ist nicht die Summe des Einzelwohls aller Kommunen, sondern das, was der Region insgesamt zugutekommt.“ Schaub ist davon überzeugt, dass die interne Konkurrenz die Region weniger wettbewerbsfähig nach außen macht. „Die Wettbewerber, gegen die sich Frankfurt durchsetzen muss, sitzen nicht in Eschborn und auch nicht im Hochtaunuskreis, sondern in Paris oder Amsterdam. Wir haben doch alle das gemeinsame Interesse, dass es hier weiterhin gut bezahlte Jobs gibt und dass unsere Region weiter prosperiert.“

Obwohl sie sich weiterhin auch als Berater der Politik engagiere, habe die Wirtschaftsinitiative aufgrund der bestehenden politischen Gegebenheiten den Fokus nun mehr auf projektbasierte Förderung der Metropolregion gelegt. Schaub erklärt, als Themensetzer versuche sie, aufstrebende Wirtschaftszweige zu identifizieren und zu fördern, um den Wohlstand der Region auch in Zukunft zu sichern. So unterstütze sie zum Beispiel das regionale Start-up-Ökosystem oder treibe Themen wie Künstliche Intelligenz voran. Gleichzeitig böte die Wirtschaftsinitiative ihren 140 Mitgliedern neben dem Idealismus für die gemeinsame Sache auch wesentliche Vorteile als Business-Netzwerk. Dazu gehöre etwa ein direkter Zugang zu regionalen Dienstleistern, Produzenten und potenziellen Geschäftspartnern. Von dieser Form der wirtschaftlichen Zusammenarbeit profitiere dann schlussendlich durch Gewerbesteuern auch wieder die gesamte Region. „Jede Wertschöpfung, die hier stattfindet, ist etwas Gutes“, sagt Schaub. „Wirtschaftlicher Erfolg bildet die Basis für eine sozial starke, lebenswerte und zukunftsfähige Region. International orientierte Unternehmen haben immer die Wahl, auch an anderen Standorten zu operieren. Es liegt in unser aller Interesse, die Attraktivität dieser Region zu steigern.“

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