In der Jugenheimer Straße in Frankfurt-Niederrad stehen demnächst umfassende Modernisierungen, Aufstockungen und Nachverdichtung an. Die Kosten dafür werden teilweise auf die Mieter umgelegt.
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In der Jugenheimer Straße in Frankfurt-Niederrad stehen demnächst umfassende Modernisierungen, Aufstockungen und Nachverdichtung an. Die Kosten dafür werden teilweise auf die Mieter umgelegt.

Vorwürfe

Miet-Ärger in Niederrad: Modernisierung treibt Preise in die Höhe

  • vonStefanie Wehr
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Nach Modernisierungen in der Adolf-Miersch-Siedlung in Frankfurt-Niederrad drohen Mieterhöhungen. Die Nassauische Heimstätte wehrt sich gegen Vorwürfe der Mieter.

Frankfurt – Die Nassauische Heimstätte wehrt sich gegen den Vorwurf, in der Adolf-Miersch-Siedlung unverhältnismäßig die Miete zu erhöhen. Wie berichtet, hatte eine Mieteriniative in einem offenen Brief gefordert, von den Modernisierungen der Wohngebäude in der Jugenheimer Straße abzusehen. Die Linke im Ortsbeirat brachte in der Sitzung am 22. Januar einen Eil-Antrag ein, der jedoch nicht zugelassen wurde.

Die Vorwürfe seien nicht haltbar, teilte jetzt die Nassauische Heimstätte mit. Die Berechnungen der Initiative, nachdem sich die Miete plus Nebenkosten etwa für eine 57 Quadratmeter große Wohnung um 250 Euro erhöhen werden, seien falsch. Tatsächlich bewegten sich die Mietanpassungen zwischen 1,53 und 3,00 Euro pro Quadratmeter, lägen also im Schnitt bei 2,05 Euro pro Quadratmeter. Das macht im Fall des Beispiels der 57 Quadratmeter großen Wohnung 116 Euro Mieterhöhung.

Linke kritisiert Mieterhöhungen in Frankfurt-Niederrad

Die Erhöhung je Mietpartei hänge zudem von der jetzigen Grundmiete und dem mietwirksamen Anteil der Gesamtkosten ab. Diesen Anteil an den Gesamtkosten für die Modernisierung hat die NH beziffert: 1 705 024,12 Euro müssen die Mieter zahlen. "Derzeit liegen die Mieten der betreffenden Wohnungen zwischen 5,59 und 9,54 Euro pro Quadratmeter, nach der Modernisierung bewegen sich diese zwischen 7,59 und 10,32 Euro pro Quadratmeter. Das ist aus unserer Sicht immer noch bezahlbar - vor allem im Hinblick auf den Frankfurter Mietspiegel", stellt die Nassauische klar.

Eine Mieterhöhung von dieser Größenordnung sei für die Menschen in der Adolf-Miersch-Siedlung - die meisten seien Rentner oder Geringverdiener - kaum bezahlbar, kritisiert indes die Linke. Vertreter der Römerfraktion und der Linken im Ortsbeirat nahmen deshalb an einer Kundgebung der Mieterinitiative teil, die am Samstag rund 30 Mieter auf die Jugenheimer Straße zog.

Modernisierung in Frankfurt-Niederrad: Mieter könnten Anspruch auf Wohngeld haben

Die Nassauische Heimstätte hatte den Mietern die Pläne zur Modernisierung und die Mieterhöhung im November mitgeteilt. Die Wohnungsbaugesellschaft weist die Mieter darauf hin, dass sie aufgrund der Mieterhöhung möglicherweise Anspruch auf Sozialleistungen in Form von Wohngeld haben.

Die NH weist die von der Mieterinitiative aufgestellten Berechnungen zurück, nach dem die Mieterhöhung insgesamt bis zu 250 Euro im Monat betragen wird. Eingerechnet werden hier monatliche Kosten für den neuen Wasserzähler. Fälschlicherweise würden diese die Kosten für die Modernisierungen und bisherige Heizkostenvorauszahlungen aufaddieren. Fakt aber sei: "Im Moment zahlen die Mieter ihre Heizkosten an einen externen Energieversorger, nach der Modernisierung an unsere Tochter MET. Dadurch entfällt die bisherige Zahlung an den Energieversorger", so die NH. Allerdings werden Heizkostenvorauszahlungen von 1,50 Euro pro beheizbarem Quadratmeter fällig.

Mieterhöhungen in Frankfurt-Niederrad: Initiative fühlt sich ignoriert

Ferner sei die Behauptung, fünf Mietparteien seien wegen der anstehenden Kostensteigerung schon ausgezogen, unwahr. Auch seien keine Mieten wegen Corona gestundet worden, wie von der Initiative behauptet. Lediglich eine Mietpartei habe aufgrund eines Schicksalsschlags nicht zahlen können.

Die Mieterinitiative wirft der NH ferner vor, sie zu ignorieren. Die NH habe nicht auf einen offenen Brief vom November reagiert. Das streitet die Wohnungsbaugesellschaft ab: Umgekehrt sei die Mieterinitiative, die ohnehin nur aus zwei Personen bestehe, ihrerseits nicht auf Gesprächsangebote eingegangen.

Nassauische Heimstätte erhöht weitere Mieten in Frankfurt

Die Nassauische Heimstätte, die zur Hälfte dem Land Hessen gehört (20 Prozent gehören der Stadt Frankfurt), erhöht derzeit die Mieten auch andernorts in Frankfurt. Sie steht in der Kritik, weil sie in der Corona-Krise Mieten in der Nordweststadt um bis zu 15 Prozent erhöht hat. Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) fordert eine Rücknahme der Mieterhöhungen.

Auch in Niederrad sieht die SPD die Mieterhöhungen kritisch. "Wir finden die Modernisierungen richtig, aber sie müssen kostenneutral für die Mieter ausfallen", sagt Stefanie Then, SPD-Kandidatin für die Stadtverordnetenversammlung. Die Grünen halten die Mieten auch nach der Erhöhung für günstig. (Stefanie Wehr)

Ärger gibt es in Frankfurt-Niederrad auch an anderer Stelle: Die Hahnstraße ist zum Nadelöhr geworden. Eine Dauerbaustelle nervt seit einem Jahr Anwohner und Niederräder, die in den Supermärkten in der Straße einkaufen.

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