Nadine Hunzinger (36) und Mark Rohde (46) halten am Sonntag Stellung in einem kleinen weißen Pavillon beim Zieleinlauf am Untermainkai. Dort präsentieren sie ihre Erfindung, an der sie zweieinhalb Jahr getüftelt haben. FOTO: leonhard hamerski
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Nadine Hunzinger (36) und Mark Rohde (46) halten am Sonntag Stellung in einem kleinen weißen Pavillon beim Zieleinlauf am Untermainkai. Dort präsentieren sie ihre Erfindung, an der sie zweieinhalb Jahr getüftelt haben.

Frankfurter Tüftler

Die Perfekte Flasche fürs Triathlon-Rad: Start-up entwickelt völlig neuen Wassertank

  • VonSabine Schramek
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Ein Start-Up aus Frankfurt hat ein neues Trinksystem für Triathlon-Räder auf dem Markt gebracht. Auch beim Ironman sind die Erfinder vor Ort, um den Sportlern das Trinken beim Fahren zu erleichtern.

Frankfurt - Als vierte Disziplin beim Triathlon gilt hinter vorgehaltener Hand die Verpflegung. Normalerweise radeln die Sportler mit den typischen runden Wasserflaschen, die sperrig sind und von Vielen als störend empfunden werden. So ging es auch zwei Sachsenhäusern, die deshalb "Heimliche Teile" entwickelten.

Am Sonntag (15.08.2021) werden wieder Tausende beim Ironman dabei sein und ebenso viele Rennräder. Diesmal nicht auf der Triathlon-Strecke dabei sein werden Nadine Hunzinger (36) und Mark Rohde (46). Dafür halten sie Stellung in einem kleinen weißen Pavillon beim Zieleinlauf am Untermainkai. "Man kann nicht alles gleichzeitig machen", sagt Hunzinger, streift ihre gelb-verspiegelte Rennrad-Sonnenbrille auf den Kopf und rückt ein kleines Teil schwarzes Teil noch einige Zentimeter weiter nach rechts. Es ist die Halterung ihrer Erfindung, die sie "Stealth Parts" nennen, was übersetzt "Heimliche Teile" bedeutet.

Erfindung aus Frankfurt: Perfekte Flasche fürs Radfahren – Gebastelt und getestet

Rohde, den sie beim Triathlon-Verein Spiridon in Sachsenhausen kennen und später auch lieben gelernt hat, hatte das gleiche Problem wie sie beim Radfahren. "Die üblichen Wasserflaschen, die Athleten während des Rennens stündlich beim Triathlon gereicht bekommen, sind rund, wiegen leer etwa 400 Gramm, sind unhandlich, nicht aerodynamisch und fassen maximal 750 Milliliter Wasser. Das wollten wir verändern." Zweieinhalb Jahre lang haben sie im Brückenviertel getüftelt, gebastelt und getestet, bis sie zufrieden waren.

Seit vier Monaten ist ihr Trinksystem für Triathlon-Räder auf dem Markt und das junge Startup-Unternehmen scheint eine echte Marktlücke aufgetan zu haben. Unsichtbar schmiegt sich ein schwarzes, kantiges, 250 Gramm leichtes Kunststoffgefäß mit wenigen Handgriffen an den Vorbau der Räder direkt unter dem Lenker. 800 Milliliter Wasser passen rein und ein flexibler dicker weißen Halm, der Trinken ermöglichst, ohne den Kopf heben zu müssen, ermöglicht, ragt oben heraus.

Es hat lange gedauert, bis das Paar zufrieden war. "Das Werkzeug, um den minimalistischen Minikanister herzustellen, musste extra für den Spritzguss gebaut werden und wiegt 400 Kilogramm", erzählt Hunzinger aufgeregt. Produzieren lassen sie ihr "Triathlon Aero Hydration System" in einem kleinen Betrieb in der Wetterau in Ober-Mörlen. Dort holen sie die Bausätze, die aus dem Kästchen, einigen Schrauben, Unterlegscheiben, Abstandshalter und einer Halterung bestehen, oft mit dem Triathlon-Rad beim Training ab, fahren sie ins Brückenviertel und verschicken die Online-Bestellungen von dort aus in alle Welt. "Wir machen alles selbst", so Hunzinger. "Das Design, die Website, die Bestellungen und den Versand ohne Verpackungsmüll. Wer bis 16 Uhr per E-Mail bestellt, kann sicher sein, dass das Trinksystem innerhalb desselben Tages versandt werden."

Pragmatisches Design aus Frankfurt: Gute Halterung beim Ironman enorm wichtig

Besonders stolz sind sie nicht nur ein pragmatisches Design entwickelt haben, das sich ohne jegliche aerodynamische Störung in den Rahmen schmiegt, sondern auch eine Halterung, die jedem Kopfsteinpflaster ohne Rutschen oder Drehen standhält. Gerade beim Ironman in Frankfurt sei das besonders wichtig, sagen sie lachend, da sie jede Menge Erfahrung damit haben.

Feststellen, ob und in welchem Winkel das nur 45 Millimeter breite und 122 Millimeter hohe Trinksystem an das individuelle Rad passt, kann jeder mit einer eigens hergestellten Schablone aus festem Papier. Die Montage-Anleitung dazu gibt es als QR-Code zum Download. Das Paar hat an alles gedacht und vermeidet gleichzeitig Müll und unnötige Wege.

Ironman in Frankfurt: Erfinder wollen Teilnehmern das „Trinken beim Fahren erleichtern“

"Das System passt an so gut wie alle Triathlon-Räder der Mittelklasse", sagen die Triathleten. Auch ohne Werbung läuft der Verkauf schon richtig gut. "Es gibt seit wir vor vier Monaten richtig angefangen haben, keinen Tag mehr ohne Bestellungen. Erstaunlicherweise kommen sogar mehr aus Australien als auch Österreich bei uns an", so Rohde. Jetzt nutzen sie den Ironman mit ihrem Stand am Untermainkai am Ende der 183 Kilometer langen Radstrecke, die über 1600 Höhenmeter führt.

"Ein bisschen seltsam fühlt es sich schon an, dass wir nicht aktiv mitmachen", so Hunzinger, die überlegt, ob sie auf Mallorca beim Triathlon mitmacht. Rohde will in Barcelona dabei sein. "Training machen wir die ganze Zeit. Jetzt wollen wir einfach die Gelegenheit nutzen, den Teilnehmern das Trinken beim Fahren zu erleichtern." (Sabine Schramek)

2020 fiel der Ironman in Frankfurt coronabedingt aus. Ein Jahr zuvor siegte Jan Frodeno

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