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Die Rettung kommt von Frankfurt her aus der Luft

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Von: Michelle Spillner

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Seit 2008 ist Christoph 2 in Frankfurt und Umgebung im Einsatz. Stationiert ist er an der Unfallklinik.
Seit 2008 ist Christoph 2 in Frankfurt und Umgebung im Einsatz. Stationiert ist er an der Unfallklinik. © BGU FFM/Marc Dickler“.

Das ist doch mal ein toller Geburtstag: Seit 50 Jahren wird in Frankfurt ein Hubschrauber für den Notfall eingesetzt. Die Bilanz: beeindruckend.

Frankfurt -Die 50 Geburtstagskerzen, die am 15. August für ihn angezündet werden, kann Christoph 2 mit einer Rotorumdrehung "auspusten". Doch Christoph 2 macht nicht nur Wind und ist zu hören, wenn er vom Dach der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik (BGU) aufsteigt und sich in leuchtendem Orange vom Himmel abhebt, - in den 50 Jahren seiner Existenz hat er rund 55 000 Einsätze geflogen. Er ist einer von insgesamt 18 Zivilschutzhubschraubern an zwölf Standorten in acht Bundesländern.

"Jeder Einsatz ist mit einem persönlichen Schicksal verbunden", machte Dr. Wolfram Geier vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) gestern bei einer Bilanzpressekonferenz der "Retter in Orange" klar. Im Jahr 2021 ist Christoph 2 insgesamt 1083 Mal gestartet, war 430 Stunden in der Luft, hat 474 Patienten transportiert und 404 Mal einen Notarzt zum Einsatz gebracht. "Der Zivilschutzhubschrauber bedeutet einen deutlichen Überlebensvorteil für die Patienten", so Dr. Christoph Reimertz, medizinischer Geschäftsführer und Chefarzt des BG Service- und Rehabilitationszentrums. Weitere Einsätze waren beispielsweise Überwachungsflüge, Sucheinsätze, Bluttransporte oder auch wenige Fehleinsätze: Wenn sich herausstellt, dass es gar nicht so schlimm ist, "dann drehen wir ab und fliegen wieder nach Hause", erklärt Dr. Bernd Wohlrath, leitender Hubschrauberarzt auf Christoph 2. Oft wird der Hubschrauber automatisch mit dem Bodenrettungspersonal alarmiert, um keine wertvolle Zeit zu verlieren.

Zwei Minuten vom Alarm bis in die Luft

Christoph 2 ist schnell. Innerhalb von zwei Minuten ist er nach Alarmierung in der Luft. Die äußeren Grenzen seines Einsatzgebietes in einem 70-Kilometer-Radius um Frankfurt erreicht er innerhalb von 20 Minuten: Gießen, Mannheim, Wertheim und Bad Kreuznach. Er ist schneller als der Rettungswagen, steht nicht im Stau und kann direkt Spezialkliniken ansteuern.

Je nach Standort der Zivilschutzhubschrauber in Deutschland variieren die Einsatzzahlen und -arten. Christoph 2 liegt bei der Zahl der Einsätze an neunter Stelle und hinsichtlich der Patiententransport bundesweit an dritter Stelle. Während Christoph 29 in Hamburg vor allem im Zusammenhang mit internistischen und neurologischen Krankheitsbildern zum Einsatz kommt, haben die Kollegen in Traunstein wegen risikofreudiger Bergsteiger häufiger Sucheinsätze.

Ganz oft sind es Arbeits- und Verkehrsunfälle

Christoph 2 in Frankfurt startet in der Hälfte der Fälle zu Verkehrs- und Arbeitsunfällen, in 20 Prozent der Fälle geht es um akute neurologische Probleme wie Schlaganfälle und bei zehn Prozent um Herzprobleme. Der Standort Frankfurt ist insofern speziell, als dass Christoph 2 "sich nur knapp außerhalb des Kontrollzentrums des Flughafens befindet und eine sehr enge Zusammenarbeit mit dem Tower und den Fluglotsen erfolgen muss", schildert Dr. Wohlrath.

Pilotprojekt seiner Zeit weit voraus

Für die "Retter in Orange" müssen viele Räder ineinander greifen: Das BBK ist für die Beschaffung und Ausstattung zuständig, geflogen werden die Zivilschutzhubschrauber von Bundespolizei und Fliegerstaffel Fuldatal. Christoph 2 wird durch die Berufsfeuerwehr Frankfurt mit Notfallsanitätern besetzt und durch die BGU mit Notärzten - im Pool sind 18.

Frankfurt war eine der ersten Städte, die die Notwendigkeit des Einsatzes von Rettungshubschraubern formulierte. Schon 1962 war dies eine Forderung von Ernst Achilles, später Direktor der Branddirektion Frankfurt. 1967 gab es erste Versuche von Ober-Mörlen aus mit einem Hubschrauber bei Unfällen die Autobahn anzufliegen. 1968 wurde in einem Pilotprojekt "Florian Frankfurt" für lediglich acht Tage an Ostern und Pfingsten eingesetzt, weil da das Verkehrsaufkommen so hoch war.

Eine Briefmarke und Udo Jürgens

Es dauerte noch vier Jahre, bis die Finanzierung für Frankfurt gesichert war und Schlagerstar Udo Jürgens die Schlüssel für den ersten Hubschrauber überreichte: Die "Bo" wurde nach ihrer Ausmusterung 2008 auf einer Briefmarke verewigt. Seit 2008 ist Christopher 2 bei der BGU angesiedelt - mit einer kleinen Unterbrechung für die Dauer des Umbaus des Landeplatzes im 13. Stock des Krankenhauses.

Das Gesamtjahresbudget für den Einsatz von Christoph 2 verhandelt das Regierungspräsidium Gießen mit den Krankenkassen: 2,6 Millionen Euro für das Jahr 2022, das sind 76 Euro pro Flugminute. (Michelle Spillner)

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