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Die Körperhaltung mit gesenktem Kopf und unsicherem Gesichtsausdruck signalisiert, dass etwas schief gelaufen ist. Im Stück "How to excuse" zeigen die Darsteller, wie man sich entschuldigt.

Ostend: Theaterprojekt

Die richtigen Worte für Entschuldigungen

  • vonAlexandra Flieth
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Kinder schlüpfen in Rollen berühmter Persönlichkeiten und bitten um Verzeihung

Sich zu entschuldigen, fällt nicht immer leicht, ganz gleich, ob im privaten Umfeld oder auf der großen Bühne der Politik - es bedeutet, Fehler einzugestehen. In der Inszenierung "How to excuse" (Wie man sich entschuldigt), zeigen Kinder, wie's geht. Zwar sind die Theater derzeit geschlossen, doch Kultur kann dieser Tage vielerorts weiterhin genossen werden. Das Stück, bei dem Bastian Sistig Regie führte, ist ab Mittwoch, 3. Dezember, 18 Uhr, online zu sehen.

Um Theater und Performance weiter zu den Menschen zu bringen, geht das studioNaxos den Weg des Streamings. Schon vor Corona habe es einen Digitalisierungsschub in den Darstellenden Künsten gegeben, sagt Simon Möllendorf, einer der künstlerischen Leiter vom studioNaxos. "Was machen die technologischen Möglichkeiten mit dem Theater, das auch davon lebt, eine Geschichte mit beschränkten Mitteln zu erzählen?", ist einer der zentralen Gedanken.

2014 ist das studioNaxos aus einem Zusammenschluss von Studierenden der Hessischen Theaterakademie entstanden. Als freies Theaterhaus, das von den Künstlern geleitet wird, bringt es zeitgenössische Positionen aus Theater, Performance, Musik, Installation und Tanz auf die Bühne und setzt sich für den Ausbau der Naxoshalle in der Waldschmidtstraße 19 als kulturell genutztes Industriedenkmal ein. Trotz der Corona-Krise sollen neue Produktionen unter Berücksichtigung der Schutzmaßnahmen weiter angegangen werden, so Möllendorf. Auch während des ersten Lockdowns sei geprobt worden. Es habe im Juli die Premiere einer Neuproduktion gegeben. "Die Premiere von ,Extreme Love im Wohnzimmer am Ende der Welt' wurde die studioNAXOS-Stream-Premiere." Alles, was in diesem Jahr ausgefallen sei, müsse ins kommende Jahr verlegt werden. Dies sei eine Herausforderung.

Die Premiere des Stücks "How to excuse" war bereits im Dezember 2019 in Berlin. Die Premiere in der Mainmetropole war ursprünglich für 3. April 2020 geplant. Wegen der neuen Einschränkungen habe man sich für eine digitale Frankfurt-Premiere entschieden, erzählt Regisseur Bastian Sistig.

Richtige Worte und Gesten fehlten

Die Idee hinter der Inszenierung sei entstanden, nachdem er selbst einmal in einer sehr komplizierten Situation gesteckt habe, in der er nach der richtigen Form suchte, um sich zu entschuldigen. Er habe gemerkt, dass ihm die richtigen Worte, die passende Geste fehlten. "Seitdem hat mich die Frage nicht mehr losgelassen, wie man eigentlich für was am besten um Entschuldigung bitten kann", sagt er. Das Entschuldigen sei eigentlich ein sehr theatraler Vorgang.

Sistig begann sich mit der Frage zu beschäftigen, inwieweit das Entschuldigen in einer Welt voller Schuld als sozialer Zusammenhalt funktionieren könne. Und er fragte sich, was passieren würde, wenn Schuldige sämtlicher Epochen sich versammelten und begännen, sich ihrer Verantwortung zu stellen oder ab wann Geschichte anders verlaufen wäre.

Sechs Kinder und Jugendliche, die im Mittelpunkt der Inszenierung stehen, spielen ausgewählte historische und aktuelle Persönlichkeiten. "Deren Entschuldigungen hätte die Welt in unseren Augen bitter nötig", sagt Sistig. Das Stück stelle unter anderem Fragen nach Verantwortung, Konsequenz und auch nach Stellvertretung im dem Sinne, ob sich jemand für einen anderen überhaupt entschuldigen könne.

Sistig beschreibt die jungen Darsteller als schlau, gewitzt, effizient und kalkuliert. "Sie machen sich schuldig, übernehmen Verantwortung und das besonders an Punkten, die sie gar nicht betreffen können." Von Entschuldigungsklassikern, wie "Es tut mir leid, dass ich die Spülmaschine nicht ausgeräumt habe" bis "Es tut mir leid, dass ich meine Ehefrau mit den Kindern habe sitzen lassen" über sehr komplizierte Entschuldigungen für Landnahme und Vertreibungen sei für jedes "Schuldverhältnis" etwas dabei.

Dabei waren die Kinder auch Mitautoren. Zahlreiche Entschuldigungen des Abends stammen von den jungen Darstellern. Weitere Details möchte der Regisseur nicht verraten. Alexandra Flieth

How to excuse

Das Theaterstück ist vom 3. bis 6. Dezember um 22 Uhr im Stream zu sehen. Weitere Infos unter www.studionaxos.de/programm

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