Auch sechs Wochen nach dem tödlichen Unfall erinnern Kerzen und Blumen an das tragische Ereignis. foto: oscar unger
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Auch sechs Wochen nach dem tödlichen Unfall erinnern Kerzen und Blumen an das tragische Ereignis. foto: oscar unger

Ginnheim: Verkehrssicherheit

Die Rückkehr des Kreisverkehrs

  • Judith Dietermann
    vonJudith Dietermann
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Gefährliche Kreuzung soll nach tödlichem Unfall umgebaut werden

Im Jahr 2019 starben 445 Radfahrer auf deutschen Straßen. Rund zwei Drittel der Unfälle, die sich im Ortsinneren ereigneten, passierten an Kreuzungen oder Einmündungen. Häufig dann, wenn der Radfahrer geradeaus fahren und das Kraftfahrzeug rechts abbiegen wollte. Besonders schwierig und gefährlich wird es, wenn beide Verkehrsteilnehmer gleichzeitig Grün haben. Vor allem für Lastwagenfahrer ist die Sicht deutlich eingeschränkt.

Für 2020 gibt es noch keine aktuellen Zahlen. In diese Statistik einfließen wird aber der tödliche Unfall, der sich am 9. Dezember 2020 an der Kreuzung Ginnheimer Hohl/ Hügelstraße ereignete. Günter Hense (73) wollte seinen elfjährigen Enkel von der Wöhlerschule abholen, als es um 12.55 Uhr an der Kreuzung zu dem tödlichen Unfall kam.

Hense wollte geradeaus in Richtung Raimundstraße fahren, ein Lastwagenfahrer rechts auf die Hügelstraße abbiegen. Dabei wurde das Rad des Rentners erfasst, Günter Hense stürzte und starb später in der Unfallklinik. Bis heute, sechs Wochen nach dem tragischen Unglück, erinnern immer noch Blumen und Kerzen an der Unfallstelle daran.

Die Ermittlungen der Unfallkommission seien noch nicht abgeschlossen, sagt Polizeisprecher Marc Draschl. Es seien Videoaufzeichnungen ausgewertet worden, die zeigen, dass das Rad von dem Lastwagen erfasst worden sei. Abgeschlossen seien die Untersuchungen deswegen aber noch nicht, betont er. Es habe zudem Vor-Ort-Termine gegeben, bei denen besprochen worden sei, welche baulichen Veränderungen an der Kreuzung möglich seien. Ob das rote Einfärben des Fahrradstreifens, Veränderungen an der Ampel oder gar andere Maßnahmen umgesetzt werden, das müsse allerdings zunächst geprüft und geplant werden. "Noch sind das alles Gedankenspiele", sagt Draschl.

Sechs Anträge auf der Tagesordnung

An einigen der Termine seien auch Vertreter des Ortsbeirates 9 (Dornbusch, Eschersheim, Ginnheim) zugegen gewesen, so der Polizeisprecher. Und so sind es gleich sechs Anträge auf der Tagesordnung des Stadtteilgremiums, die sich mit dem tödlichen Unfall und der Entschärfung der Kreuzung befassen.

Die CDU hat für ihren Antrag in älteren Unterlagen gesucht und bringt den bereits mehrfach vorgeschlagenen Kreisverkehr an der Kreuzung wieder in die Diskussion, den der Magistrat zuletzt 2017 abgelehnt hatte. Aufgrund der Geometrie des vorhandenen Straßennetzes und der stark asymmetrischen Verkehrsverteilung sei dies an dieser Kreuzung nicht möglich. Das sei bereits 2010 festgestellt worden, nachdem eine Machbarkeitsstudie für einen Kreisel in Auftrag gegeben worden war, schrieb der Magistrat damals.

Trotzdem fordert die CDU den Kreisel - zumindest als langfristige Maßnahme. Ebenso wie SPD, Grüne und Linke, die zwei gemeinsame Anträge formuliert haben. Neben einem Ortstermin mit den entsprechenden Vertretern, bei dem über kurzfristig durchführbare Maßnahmen diskutiert werden soll, setzen sich auch diese drei Fraktionen für einen Kreisverkehr ein: zur Gefahrenabwehr und zur Verbesserung des Verkehrs. Angelehnt ist dieser an ein niederländisches Modell, das das Verschwenken der Fahrradstreifen in die Zufahrten in den Kreisel vorsieht. Ein Vorschlag, den auch die CDU macht. Demnach ordneten sich die Radfahrer mit einem entsprechenden baulichen Abstand in den Kreisel ein. Das Risiko, den Autos oder Lastwagen gefährlich nahe zu kommen, sei so deutlich geringer.

Eine Trennung, die auch der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) an Kreuzungen präferiert. Demnach sei eine Verschwenkung allerdings auch ohne einen Kreisverkehr möglich. Schutzinseln an den Eckpunkten der Kreuzung könnten den Rad- vor dem Autoverkehr schützen.

Eine Ampel für den Radverkehr

Die BFF-Fraktion, der auch Marc Hense, der Sohn des Verunglückten, angehört, befürwortet zwar den Kreisverkehr, schlägt aber auch Sofortmaßnahmen vor. Unter anderem das Versetzen der Ampel an der Ecke Ginnheimer Hohl/ Hügelstraße nach hinten, um die Aufstellfläche für Radfahrer zu vergrößern. Zudem sollten diese eine eigene Ampel bekommen und die Radwege rot eingefärbt werden. Ein Vorschlag, den auch die FDP macht. judith dietermann

Der Ortsbeirat 9 tagt

Die Sitzung beginnt am Donnerstag, 21. Januar, um 19.30 Uhr im Saalbau Ronneburg, Gelnhäuser Straße 2. Die Plätze sind begrenzt, Mund-Nasen-Masken Pflicht.

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