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"Die Sechszügigkeit geht zulasten der Qualität"

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Von: Michael Forst

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In diesen Containern an der Palleskestraße ist die IGS 15 untergebracht - Lehrer und Schüler kämpfen mit vielen Widrigkeiten.
In diesen Containern an der Palleskestraße ist die IGS 15 untergebracht - Lehrer und Schüler kämpfen mit vielen Widrigkeiten. © Maik Reuß

Der Elternbeirat der IGS 15 schlägt Alarm - und widerspricht vehement einem Magistratsbericht.

Höchst. Schlechte Nachrichten für die Lehrer, Schüler und Eltern der Integrierten Gesamtschule (IGS) 15 in der Container-Anlage an der Palleskestraße in Höchst: Die Schule, die seit längerem aus allen Nähten platzt, wird erst im Laufe des Jahres 2023 um neue Container erweitert werden. Dies geht aus einer Stellungnahme des Magistrats hervor, der damit auf einen Hilferuf reagiert, den der Ortsbeirat 6 (Frankfurter Westen) im Namen des Elternbeirates an die Stadt gerichtet hatte. Der Hintergrund: Das Konzept der IGS 15 ist zwar auf eine Vierzügigkeit ausgerichtet, die fünfte Jahrgangsstufe wird allerdings seit 2020 auf sechs Klassen erweitert, um dem Bedarf der Stadt gerecht zu werden (siehe Info-Kasten).

Raumnot und personelle Engpässe sind die Folgen, vor denen der Elternbeirat um seine Vorsitzende Andrea Natale und ihre Stellvertreterin Carina Scheid seit langem warnen. Von der in ihren Augen alarmierenden Situation ist in den Antworten des Magistrats indes kaum etwas zu lesen. Im Gegenteil: Zwar sei die "die Anlage nicht mit einem endgültigen Schulbau vergleichbar", heißt es. Dennoch biete sie "ausreichend Raum um den Bildungsauftrag zu erfüllen und auch in ausreichender Qualität", befindet die Stadt. Den Standort lernfreundlich zu gestalten, betreffe "in erster Linie die innere Organisation der Schule. Hier ist die IGS 15 sehr gut aufgestellt und wird bei der optimalen Nutzung durch den Schulträger unterstützt".

"Amt legt falschen Maßstab an"

"Das erleben wir leider anders", stellt Natale fest. Sie erklärt den Grund für die Schieflage in der Bewertung der Situation: Die IGS 15 sei die erste Integrierte Gesamtschule am Containerstandort und ihr Konzept weder mit dem Adorno-Gymnasium noch mit der Henri-Dunant-Grundschule vergleichbar. So benötige die Schule sogenannte Differenzierungsräume - ein Raum pro zwei Klassen - die deutlich kleiner als Klassenräume sind. In den Containern stünden jedoch fast nur Klassenräume zur Verfügung, die als "Diffräume", so die Schulsprache, genutzt werden müssten. Das Amt für Bau und Immobilien veranschlage jedoch die "Diffräume" mit weniger Quadratmetern - und komme deshalb zu dem Trugschluss, dass die IGS 15 derzeit "zu viel Platz" benötige.

"Personelle Engpässe gab es schon länger"

Die Raumkapazitäten seien also mitnichten ausreichend, wie der Magistrat annehme, sagt Natale. "Und wir fühlen uns auch keineswegs bei der optimalen Nutzung durch den Schulträger unterstützt", fügt sie hinzu. "Denn wie die Aufnahme eines weiteren sechszügigen Jahrgangs ohne Erweiterungsbau funktionieren soll, scheint beim Schulträger kein Thema zu sein", kritisiert sie. Auch die Auskunft des Magistrats, dass "durch die Erhöhung der Zügigkeit keine personellen Engpässe zu erwarten" seien, stellt Natale nicht zufrieden. Verschweige sie doch, dass es diese Engpässe bereits gab, "vor allem im vergangenen Schuljahr". Immerhin habe die Situation entschärft werden können. "Und zum neuen Halbjahr konnten vier neue Lehrkräfte beginnen, allerdings gibt es auch einige Langzeiterkrankungen", erklärt sie.

Enttäuscht seien die Eltern auch darüber, dass bislang alle Bemühungen um eine angemessene Händewaschgelegenheit für die Schüler beim Schuldezernat auf taube Ohren gestoßen seien. In Eigeninitiative hatten Eltern, Schulleitung, Kollegium und Helfern zu Beginn der Pandemie im April 2020 provisorische Außenwaschbecken auf dem Schulhof installiert, da die Klassenräume bis auf wenige Fachräume keine Waschbecken haben. Nach vielen vergeblichen Anfragen Bohren ließ die Stadt in den Herbstferien 2021 schließlich einen Waschcontainer vor der Schule aufstellen. Der erwies sich allerdings mit nur einer Tür als ungeeignet für die große Schülerzahl (wir berichteten). Wenn die Stadt aber nicht einmal hygienische Mindestanforderungen umsetze, fürchtet Natale, würden sich viele Eltern und Kinder gegen die IGS 15 entscheiden. Und das sei ein Jammer, denn das Konzept und die Bildungsarbeit an der Schule sind laut Natale "gut und innovativ". Michael Forst

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