Auch in Frankfurt wurden die Menschen 2020 zumindest vom Wetter mit viel Sonne verwöhnt.
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Auch in Frankfurt wurden die Menschen 2020 zumindest vom Wetter mit viel Sonne verwöhnt.

Sonne gegen Corona-Frust

Wetter-Glück in Frankfurt: Die Sonnenseite des Corona-Jahres

  • vonSarah Bernhard
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Zumindest das Wetter spielte 2020 mit: Eines der wärmsten Jahre seit Aufzeichnungsbeginn brachte auch Frankfurt viele Sonnenstunden. Doch das hat auch eine Kehrseite.

Frankfurt - Noch ist das Jahr 2020 nicht vorüber, doch eines lässt sich bereits mit Gewissheit sagen: Petrus hat es im Corona-Jahr gut gemeint. 2010 Stunden Sonne hat der Deutsche Wetterdienst (DWD) bis vergangenen Donnerstag am Frankfurter Flughafen registriert. Das sind schon jetzt 338 Sonnenstunden mehr als im Durchschnitt, sagt Diplom-Meteorologe Thomas Kesseler-Lauterkorn. Stunden, die die Menschen nutzen konnten, um spazieren zu gehen oder draußen Freunde zu treffen.

Und damit effektiv dem Corona-Blues entgegenzuwirken, sagt Prof. Dr. med. Sibylle C. Roll, die neue Chefärztin der Klinik für Psychische Gesundheit am Klinikum Höchst. "Vermehrte Sonneneinstrahlung führt zu vermehrter Ausschüttung der sogenannten Glückshormone Serotonin, Dopamin und Noradrenalin. Dadurch fühlen wir uns automatisch glücklicher, motivierter und beschwingter." Zudem beeinflusse Licht den Tag-Nacht-Rhythmus, der wichtig für eine ausgeglichene Stimmung sei, und die Produktion von Vitamin D und den Hormonhaushalt positiv. Potenziell noch besser gelaunt waren die Menschen nur 1959 (2086 Sonnenstunden), 2008 (2113 Stunden) und 2003 (2137 Stunden).

Wetter bringt Frankfurt 2020 viel Sonne und wenig Regen

Wenn viel die Sonne scheint, folgt daraus: Geregnet hat es selten und verhältnismäßig wenig. 138 Tage Regen gab es in Frankfurt in diesem Jahr bisher, "bis zum Jahreswechsel kommen aber sicher noch ein paar dazu", sagt der Meteorologe Kesseler-Lauterkorn. Im Schnitt regnet es in Frankfurt an 166 Tagen pro Jahr. Schon jetzt liegt die Zahl der Regentage über dem Wert des Trockenjahrs 2018: Damals regnete es nur an 128 Tagen.

Wenn dann Regen vom Himmel fiel, was es entweder leichter Regen - oder ein Starkregen-Ereignis. Insgesamt 476 Milliliter Wasser pro Quadratmeter kamen so zusammen, durchschnittlich sind es 620 Milliliter im Jahr. Auch hier liegen wir 2020 wieder hinter dem Jahr 2018: Vor zwei Jahren regnete es nur rund 400 Milliliter.

Nun heißen viel Sonne und wenig Regen noch nicht, dass es draußen angenehm ist. Doch auch mit der Temperatur hatten die Frankfurter Glück: 2020 wird "eines der mildesten Jahre seit Aufzeichnungsbeginn" werden, sagt Kesseler-Lauterkorn, der das Frankfurter Wetter von Essen aus auswertet. Das sei ebenfalls gut für die Psyche, sagt die Psychiaterin Roll: "Die durch Sonnenlicht entwickelte Wärme kann in einem bestimmten Bereich des Gehirns, der unter anderem für die Entstehung von innerer Unruhe, Anspannung und Angst verantwortlich ist, eine beruhigende Wirkung entfalten."

Wetter in Frankfurt: Nur drei Jahre waren wärmer als 2020

Zwar kann Kesseler-Lauterkorn die diesjährige Durchschnittstemperatur noch nicht ganz genau angeben, da noch 17 Tage vor uns liegen, aber wahrscheinlich wird das Jahresmittel bei 12 Grad liegen - und damit 1,2 Grad über der Jahresmitteltemperatur (10,8 Grad) seit Beginn der Aufzeichnungen 1825. Damals hatte es durchschnittlich 9,4 Grad, seitdem war es nur in den Jahren 2014 (12,1 Grad) und 2018 (12,5 Grad) noch wärmer als 2020.

Und damit kommen wir zur Kehrseite der Medaille. Zwar hat uns das schöne Wetter in diesem Jahr gutgetan. "Aber die vergangenen zehn und insbesondere die letzten drei Jahre passen ins Bild des gewandelten Klimas", sagt Kesseler-Lauterkorn: "Relativ trocken, relativ warme Verhältnisse - und mittendrin Starkregenereignisse mit hohem Schadenspotenzial". So zum Beispiel am 11. August über den nordwestlichen Stadtteilen oder am 15. August im Westen, wo in Folge der Wassermengen der Liederbach über die Ufer trat.

Wetter in Frankfurt: Noch einige leichte Schneefälle sind möglich

Heißt das im Umkehrschluss, dass Petrus uns im Corona-Winter im Stich lässt und Regen statt Schnee schickt? Wahrscheinlich nicht. Denn anders als in den vergangenen fünf Jahren, in denen rund um den Flughafen an keinem einzigen Tag über zehn Zentimeter Schnee lag, hält der Deutsche Wetterdienst bis Ende Dezember noch einige Tage mit leichtem Schneefall für möglich.

1963, dem Jahr mit dem meisten Schnee seit Ende des Zweiten Weltkriegs, lag 81 Tage lang Schnee, davon an 29 Tagen mehr als zehn Zentimeter. So groß wie damals ist die Chance auf weiße Weihnachten nicht. Aber zumindest ein kleines bisschen größer als noch im vergangenen Jahr.

Frankfurt: Auch bei trübem Wetter kommt Sonnenlicht durch

Was aber tun, wenn einen die Aussicht auf weißere Weihnachten nicht in Euphorie versetzt? Am wichtigsten: rausgehen. Und zwar mindestens eine Stunde pro Tag, empfiehlt Psychiaterin Sibylle C. Roll. Denn auch bei trübem Wetter komme Sonnenlicht durch. Wirksam sei auch eine Lichttherapie, bei der, vorzugsweise morgens, "ein Lichtimpuls von dreißig bis sechzig Minuten" gegeben wird. Das "stabilisiert den Rhythmus, hat eine synchronisierende Wirkung, macht wach und hebt die Stimmung".

Und auch Wärme muss nicht zwangsweise aus einer natürlichen Quelle kommen, um zu wirken, sagt Roll weiter. "Warme Getränke, ein heißes Wannenbad oder ein gutes Buch vor dem knisternden Kamin können ebenso wirkungsvoll gegen trübsinnige Gedanken sein wie ein vertrautes Gespräch mit Freunden oder ein Ausflug in die Natur."

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