Die Sozialdemokraten sind ganz aus dem Häuschen: Hier freuen sich (von links) Armand Zorn, der für die SPD das Direktmandat im Wahlkreis 182 (Frankfurter Westen) gewinnen konnte, Frankfurts SPD-Chef Mike Josef und SPD-Geschäftsführer Sebastian Maier. FOTO: renate hoyer
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Die Sozialdemokraten sind ganz aus dem Häuschen: Hier freuen sich (von links) Armand Zorn, der für die SPD das Direktmandat im Wahlkreis 182 (Frankfurter Westen) gewinnen konnte, Frankfurts SPD-Chef Mike Josef und SPD-Geschäftsführer Sebastian Maier.

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Bundestagswahl in Frankfurt: Grüne jubeln – SPD-Chef: „Größte Comeback seit Rocky Balboa“

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Die Grünen werden in Frankfurt stärkste Kraft. Grund zum Jubeln hat aber auch die SPD. Für die Frankfurter CDU ist es ein rabenschwarzer Tag.

Frankfurt - Es ist lange her, dass die Sozialdemokraten in Frankfurt Grund zum Feiern hatten, sieht man einmal von der Oberbürgermeisterwahl ab. Entsprechend groß war der Jubel bei der Bundestagswahl 2021 am Sonntagabend: Wahlsieger im Bund, in Frankfurt mit 22,5 Prozent der abgegebenen Stimmen (das sind 2,4 Prozentpunkte mehr als 2017) nur knapp hinter den erstplatzierten Grünen, die 24,4 Prozent der Stimmen holten (Stand: 22.45 Uhr). Zum Vergleich: Bei der Kommunalwahl im März dieses Jahres holte die SPD gerade einmal 17 Prozent der Stimmen, landete hinter Grünen und CDU nur auf Rang drei.

Frankfurts SPD-Chef Mike Josef kam aus dem Jubeln gar nicht mehr heraus: "Das ist das größte Comeback seit Rocky Balboa", schwärmte er angesichts des Wahlsiegs von Olaf Scholz. Auch Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) konnte das Wahlergebnis kaum fassen: "Wenn mir vor drei Monaten jemand gesagt hätte, dass die SPD gleichauf ist mit der CDU, hätte ich gesagt: ,Träum weiter. . .'"

Bundestagswahl 2021 in Frankfurt: Grüne stärkste Kraft – Niederlage für CDU

Armand Zorn, der für die Sozialdemokraten mit 29 Prozent der Erststimmen das Direktmandat im Wahlkreis 182 (Frankfurter Westen) holte, sieht das Wahlergebnis als Lohn für die Mühen der vergangenen Jahre: "Die SPD hat seit der Wahl 2017 hart gearbeitet an ihrer Erneuerung, das ist das Ergebnis. Leute wie Kaweh Mansoori und ich stehen für neue Politik." Mansoori indes musste sich beim Kampf um das Direktmandat im Wahlkreis 183 mit 23,4 Prozent der Stimmen dem Grünen Omid Nouripour geschlagen geben (28,9 Prozent). Mansoori landete aber noch vor der CDU-Bundestagsabgeordneten Bettina Wiesmann (22,5 Prozent), der es nicht gelang, ihr Direktmandat zu verteidigen.

Womit wir beim großen Wahlverlierer wären: Mit 18,1 Prozent der Stimmen (minus 8,3 Prozentpunkte) nur noch drittstärkste Kraft in der Stadt, beide Direktmandate verloren und ein noch weitaus schlechteres Ergebnis als die Bundes-CDU - für die Frankfurter Christdemokraten war dieser Wahlsonntag ein rabenschwarzer Tag.

Frankfurt: Enttäuschung nach Bundestagswahl bei CDU-Chef Schneider

Der gerade erst aus der Stadtregierung abgewählte CDU-Chef Jan Schneider machte aus seiner Enttäuschung keinen Hehl: "Das kann nicht unser Anspruch sein. Wir können uns nicht mit dem dritten Platz zufriedengeben. Wir müssen uns Gedanken machen, was wir anders machen müssen." Der CDU-Kreisvorstand werde am Donnerstag zusammenkommen und das Ergebnis analysieren. Die Hoffnung auf eine CDU-geführte Bundesregierung indes hat der Frankfurter CDU-Chef noch nicht aufgegeben, auch wenn die Christdemokraten im Bund nur zweitstärkste Kraft sind. FDP-Chef Christian Lindner habe "der CDU eine Brücke gebaut und sich sehr zugunsten von Jamaika geäußert". Weniger optimistisch klang da der stellvertretende CDU-Kreisvorsitzende Markus Frank: "Die Stimmung ist wie 1998", sagte er. Damals gewann die SPD die Wahl und Gerhard Schröder wurde Kanzler.

Der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Römer, Nils Kößler, machte eigene Fehler der Partei für das schlechte Ergebnis verantwortlich. "Die Kür des Kanzlerkandidaten war ein Drama." Auch die Wahl des CDU-Vorsitzenden habe sich zu lange hingezogen.

Bundestagswahl 2021 in Frankfurt: Grüne stärkste Kraft – „Ein Zeichen für den Wandel“

Zufriedener konnten da die Frankfurter Grünen sein. Nicht nur wurden sie stärkste Kraft in der Stadt, sie holten mit dem Bundestagsabgeordneten Omid Nouripour als Kandidaten auch erstmals in einem Frankfurter Wahlkreis ein Direktmandat für den Bundestag. "Als Grüner einen Wahlkreis zu gewinnen, den mehrfach Erika Steinbach (früher CDU) geholt hat, ist ein Zeichen für den Wandel in der Stadt. Ich bin einfach nur dankbar und sprachlos", freute sich Nouripour.

Auch Julia Frank, Vorstandsprecherin der Frankfurter Grünen, zeigte sich überaus zufrieden. "Das ist ein absolut starkes Ergebnis für uns und ein voller Erfolg. Besonders glücklich macht mich, dass Omid Nouripour das Direktmandat gewonnen hat. Er hat wirklich alles gegeben in den vergangenen Wochen. Er war gefühlt überall und hat nicht geschlafen."

Auch Liberale in Frankfurt konnten sich nach Bundestagswahl freuen

Grund zur Freude hatten auch die Frankfurter Liberalen, sie konnten ihr starkes Ergebnis von 2017 (14,1 %) leicht verbessern auf 14,7 Prozentpunkte. FDP-Chefin und Ordnungsdezernentin Annette Rinn sagte: "Ich freue mich über das FDP-Ergebnis. Und ich freue mich, wenn wir eine Regierungsbeteiligung bekommen und dann eine liberalere Drogenpolitik. Das wäre für Frankfurt essenziell wichtig."

Die Wahlbeteiligung lag bei 72,4 Prozent. Bei Redaktionsschluss fehlten noch die Ergebnisse von 10 der insgesamt 575 Frankfurter Wahlbezirke. (stef/dpg/jlo/tre)

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