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Jürgen Storjohann (53), gebürtiger Hamburger, SPD-Spätberufener und Jurist in Diensten einer Bank, tritt auf Listenplatz eins für die SPD um ein Mandat im Ortsbeirat 6 (Frankfurter Westen) an. Foto: Maik Reuß

Frankfurter Westen: Kommunalpolitik

Die SPD setzt im Ortsbeirat auf einen Neuen

  • Holger Vonhof
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Der Schwanheimer Jürgen Storjohann ist Spitzenkandidat im Sechser

Der Ortsbeirat 6, auch Sechser genannt, ist mit seiner Zuständigkeit für rund 135 000 Menschen nicht nur der größte aller 16 Ortsbeiräte in Frankfurt, sondern in der ganzen Republik. Die neuen Stadtteile Höchst, Unterliederbach, Nied, Sindlingen, Sossenheim, Zeilsheim, Griesheim, Schwanheim und Goldstein gehören dazu. Wobei Schwanheim und Goldstein als Stadtteile "dribbdebach" sich eigentlich immer etwas mehr mit Niederrad verbunden sehen. Das sieht auch Jürgen Storjohann so.

Der 53 Jahre alte Jurist tritt aber als SPD-Spitzenkandidat für den Ortsbeirat bei der Kommunalwahl am 14. März an. "Ich stelle mich auf spannende Diskussionen ein", sagt er. Eine davon könnte für ihn auch darin bestehen, über den Zuschnitt des Ortsbeirats neu nachzudenken.

Erst seit 2016 Mitglied der SPD

Jürgen Storjohann, verheiratet, drei eigene Kinder, zwei Stiefkinder, und schon Großvater, sieht sich als politischen Menschen. Aufgewachsen ist er in Hamburg-Langhorn, dem Stadtteil, in dem Helmut Schmidt gewohnt hat. "Da bekommt man das Parteibuch eigentlich mit in die Wiege gelegt, aber das hat bei mir nicht so geklappt", sagt er. Erst 2016 ist er in die SPD eingetreten: "Ich konnte es nicht ertragen, dass in der Folge der Flüchtlingskrise so viele Menschen rechtsradikal wurden und anderen Menschen, die nach Lebensglück streben, die Berechtigung absprechen."

Storjohann hat am reformierten juristischen Fachbereich der Universität Hamburg studiert, "eigentlich eine sozialdemokratische Kaderschmiede", wie er selbst sagt. 1995 ging er ins Referendariat nach Dresden, nahm dort Elternzeit und legte 1999 das zweite Staatsexamen ab. Von 1999 bis 2009 lebte er im Dornbusch, kam dann nach Schwanheim. Gerade ein Jahr in der SPD, wurde er 2017 zum Ortsvereinsvorsitzenden für Schwanheim und Goldstein gewählt. Dieses Amt will er aber abgeben, wenn er in den Ortsbeirat einzieht, um sich auf die Arbeit dort zu konzentrieren. "Der Ortsbeirat ist eine wichtige Institution, bei der man auch mal was abladen kann", sagt er.

Derzeit hat die SPD Schwanheim / Goldstein mit Natascha Cvetanovic und Michael Wanka zwei Vertreter im Ortsbeirat 6, stellt sogar den stellvertretenden Ortsvorsteher. Beide hören jedoch aus privaten Gründen auf und kandidieren im März nicht mehr. Auch die bisherige SPD-Fraktionsvorsitzende Doris Michel-Himstedt, eine Griesheimerin, tritt nicht mehr an. Weil auch der Unterliederbacher Alexander Schott nicht mehr kandidiert, verliert die SPD ihre komplette Fraktion - bis auf den Sossenheimer Klaus Moos, der wieder auf der Liste steht. Jürgen Storjohann ist von seiner Partei allerdings auf Listenplatz eins gesetzt worden.

Er will die Menschen motivieren. Die SPD sei eine Konsenspartei: "Deswegen kriegen wir viel Negatives ab, aber es zeigt, dass der SPD viel Kompetenz zugeschrieben wird." Seiner Ansicht nach muss Politik besser erklärt werden, um verstanden zu werden - etwa auch beim Thema Flüchtlinge.

Das "Aushalten von Widersprüchen"

Doch die SPD lasse "viel Raum für eigenes Denken". Dazu gehöre für einen Genossen auch das Aushalten von Widersprüchen. So ist er als SPD-Mann durchaus einer, der sich dafür einsetzen möchte, dass Regeln auch durchgesetzt werden - im Straßenverkehr gelte das für Geschwindigkeit und Parken, im Kleinen aber auch etwa für den Grillplatz am Schwanheimer Waldspielplatz, wo viel aus dem Ruder laufe. Es sei wie mit dem Verschwinden von Post und Sparkasse in den Stadtteilen immer eine Frage der Ressourcen; Politik müsse auf die öffentliche Infrastruktur achten.

"Es verunsichert die Leute, dass der Staat sich zurückzieht, und dann wählen sie autoritäre Parteien." Wenn man sich um öffentliche Einrichtungen nicht kümmere, könne man sie irgendwann nur noch schließen; das sei nicht unbedingt immer nur ein Vandalismus-Thema. Auch der ÖPNV sei in den Stadtteilen in Randlage wie etwa Schwanheim und Goldstein verbesserungswürdig.

Mehr Transparenz in Politik und Verwaltung, mehr Bürgernähe - das sind die Ziele des Juristen, der als Rechtsanwalt für eine Bank arbeitet. Er will für einen besseren Lärmschutz an der A 5 in Goldstein eintreten und sich für Stadtökologie engagieren: "Da ist noch Luft nach oben." Überhaupt sei etwa die "Fridays for Future"-Bewegung kein ausschließlich "grünes" Thema: "Es sind dort junge Leute engagiert, die durchaus differenzieren."

Jürgen Storjohann will Jüngere für Politik begeistern. "Die SPD in Schwanheim / Goldstein ist recht überaltert und meist männlich. Ich will mehr junge Frauen zur Mitarbeit motivieren." Die SPD sei "die kreativere Partei, etwa auch, was soziale Marktwirtschaft angeht." Für ihn ist es wichtig, das auch zu kommunizieren. Dazu gehöre, das ständige Angebot der Sprechstunden bekannterzumachen. So biete sein SPD-Ortsverein etwa jeden ersten Montag im Monat um 19 Uhr eine Bürgersprechstunde an, in ungeraden Monaten in Schwanheim in der "Blauen Adria" und in geraden im Saalbau Goldstein. Die Nachfrage sei gering: "Zu den Sprechstunden kommt keiner. Aber dann heißt es, wir kämen angeblich nur im Wahlkampf aus unseren Löchern." Holger Vonhof

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