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Die stärkste Partei rätselt über ihre Schwäche

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Von: Sarah Bernhard

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An Manuela Rottmann als Kandidatin habe es nicht gelegen, sagen die Grünen am Tag nach dem Ausscheiden ihrer Kandidatin aus dem Rennen um den OB-Posten im Römer. FOTO: Renate Hoyer
An Manuela Rottmann als Kandidatin habe es nicht gelegen, sagen die Grünen am Tag nach dem Ausscheiden ihrer Kandidatin aus dem Rennen um den OB-Posten im Römer. © Renate Hoyer

Frankfurts Grüne suchen nach den Gründen für die Niederlage bei der OB-Wahl in Frankfurt. Bisher bleibt Manuela Rottmann von Kritik verschont.

Frankfurt -Am Tag nach der knappen Niederlage von Manuela Rottmann sind die Frankfurter Grünen hin- und hergerissen. Auf der einen Seite hat noch nie eine ihrer OB-Kandidatinnen so gut abgeschnitten, und noch nie lag das Ergebnis über dem der Bundespartei. „Das macht deutlich, dass die Themen sozial-ökologische Wende und Klimaneutralität bis 2035 richtig waren“, sagt Grünen-Kreisvorstandssprecherin Julia Frank. „Aber darüber, dass wir als stärkste Partei in der Stadt und als führende Kraft im Römer nur den dritten Platz belegt haben, müssen wir nachdenken“, ergänzt der Stadtverordnete Uwe Paulsen.

Das will die Partei in den kommenden Tagen tun. Doch erste Ideen gibt es bereits. Zum einen habe es an den starken Gegnern gelegen, gegen die sich Rottmann nicht schnell genug profilieren konnte, sagt Paulsen. Für die Kürze des Wahlkampfs sei sie zu lange aus Frankfurt weg gewesen. Doch alles darauf zu schieben greife zu kurz. „Vielleicht müssen wir bei manchen politischen Projekten auch die Bürgerinnen und Bürger noch mehr mitnehmen.“

In Nordend-West wählt man neuerdings schwarz

An einer Stelle wird dies besonders deutlich: Im traditionell grün wählenden Nordend-West, in dem auch der nun verkehrsberuhigte Oeder Weg liegt, hat mit fast fünf Prozentpunkten Vorsprung vor Rottmann der CDU-Kandidat Uwe Becker gewonnen. „Die verkehrsberuhigenden Maßnahmen sind offensichtlich in die Wahlentscheidung eingeflossen“, sagt Frank. „Wir müssen schauen, wie wir hier künftig besser kommunizieren.“ Man habe zu wenig deutlich gemacht, was die Sperrung des Oeder Wegs gegen den Klimawandel helfe, heißt es hinter vorgehaltener Hand.

Die verkehrspolitische Sprecherin der Grünen, Katharina Knacker, sieht im Wahlergebnis im Stadtteil hingegen keine Ablehnung des grünen Prestigeprojekts. „Wir wurden bei der Ortsbeiratswahl gerade deshalb gewählt, um es umzusetzen.“ Doch Änderungen führten zunächst immer zu Reibungen und Konflikten. „Deshalb begleiten wir das Projekt wissenschaftlich und mit Umfragen und sollten die Ergebnisse dann in Ruhe analysieren. Ich mag Schnellschüsse nicht so gerne.“

Grüne bei Personenwahlen unter ihrem Potenzial

Der Grünen-Fraktionsvorsitzende Dimitrios Bakakis hat ein weiteres Problem identifiziert: „Bei Personenwahlen bleiben die Grünen regelmäßig unter ihrem Potenzial.“ Das sei bei Nargess Eskandari-Grünberg und Rosemarie Heilig vor fünf und elf Jahren nicht anders gewesen. „Ich glaube nicht, dass das an den Personen liegt. Woran dann, das müssen wir noch ergründen.“

Schließlich, ergänzt Julia Frank, hätten auch Themen die Frankfurter bewegt, auf die im Grünen-Wahlkampf zu wenig eingegangen worden sei. „Zum Beispiel suchen viele eine bezahlbare Wohnung, und überall hing Mike Josef mit seinen Wohnungsversprechen. Und wo waren wir?“, sagt ein Grünen-Mitglied im Hintergrundgespräch. Zwar habe auch Manuela Rottmann Wohnen zum Thema gemacht und „gepredigt, dass, wer billig baut, teuer wohnt“, sagt Bakakis. „Aber es kann sein, dass das Argument, dass ökologisches Bauen später die Nebenkosten reduziert, ein bisschen zu abstrakt war.“

In einem aber sind sich alle einig: Dass die Frankfurter die führende Kraft im Römer für ihre Klientelpolitik abgestraft haben, sei definitiv falsch. Und dass es an der Kandidatin gelegen habe, ebenso.

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