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Die teure Kulanz der Bauaufsicht: es fehlen Parkplätze in Eckenheim

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Bei den Parkplätzen nahmen es die Prüfer beim Bau eines Wohnhauses an der Eckenheimer Landstraße nicht ganz so genau - Bauherr spart bis zu 70 000 Euro.

Ursprünglich schreibt die Stellplatzsatzung der Stadt Frankfurt klar vor, wie viele Parkplätze gebaut werden müssen. Wenn Altenheime entstehen, Schulen, Kitas, Bürogebäude oder - wie im Fall der Eckenheimer Landstraße 338 - Wohnhäuser, gibt es klare Bestimmungen. Doch an der Eckenheimer 338, in einem Viertel mit engen Straßen, vielen Wohnungen und wenigen Parkplätzen, nahm es die Bauaufsicht mit der Stellplatzsatzung jetzt nicht ganz so genau. Von einer "Sonderbehandlung" spricht gar der Nachbar Andreas Trümper. Für 14 Wohnungen lässt der Bauherr, die "Vwl Liegenschafts GBR", statt vorgeschriebenen 15 Parkplätzen nur acht in einer Tiefgarage herrichten. Zum "Ausgleich" entstehen statt 33 Stellplätzen für Fahrräder "etwa 40 Fahrradstellplätze", wie Bauherr Carsten Volleth erklärt.

Für den Bauherrn günstig und praktisch

Der Bauaufsicht war aufgefallen, dass statt 15 Parkplätzen nur acht geplant sind. Sie forderte, mehr Stellplätze herzustellen. In Absprache mit dem damals stellvertretenden Leiter der Bauaufsicht durfte der Bauherr die fehlenden Parkplätze durch Fahrradstellplätze ersetzen - und zwar für mehr als 25 Prozent der Plätze, die die Satzung als Spielraum einräumt. Für die Vwl-Gesellschaft ist das praktisch und günstig.

Die Stellplatzsatzung gewährt den Spielraum, dass Bauherren sich von der Pflicht, Parkplätze zu schaffen, freikaufen können, "wenn die Herstellung aus rechtlichen oder tatsächlichen Gründen nicht möglich ist", heißt es in der Satzung. Pro Parkplatz müssen Bauherren in diesem Fall 10 000 Euro zahlen. Bis zu 70 000 Euro sparte also die Vwl-Gesellschaft durch die Kulanz der Bauaufsicht. Das zuständige Planungsdezernat lehnte ab, Fragen dazu zu beantworten. Zum konkreten Fall könne man keine Auskunft geben, da Baugenehmigungsverfahren grundsätzlich nichtöffentlich seien, sagte der Dezernatssprecher. Die allgemeine Frage, ob diese Kulanz übliche Praxis in der Bauaufsicht ist, wollte er nicht beantworten. Bauherr Volleth, selbst Architekt, habe die Erfahrung gemacht, dass Bauaufsichten öfters nicht die volle Anzahl an Parkplätzen einforderten. "Manche Mieter mit Auto wollen den Parkplatz nicht zahlen, viele haben gar kein Auto. Darum wird mehr auf Fahrradstellplätze gesetzt." Der Nachbar Trümper - er ist selbst Architekt - dagegen meint: "Solch eine Sonderbehandlung würde ich nicht bekommen."

Gero Gabriel, Eckenheimer und CDUler im Ortsbeirat, sieht Wohnungsbau mit weniger Parkplätzen, als die Satzung vorsieht, kritisch. Vor allem in dieser Ecke Eckenheims. "Der Parkdruck ist zwar nicht so hoch wie im Nord-end, aber er wächst." Und: "Rund um die Eckenheimer 338 versuche ich gar nicht mehr, einen Parkplatz zu finden."

Kleine Wohnungen für Fahrrad-Liebhaber

Aus drei Teilen besteht das Ensemble. Zwei Gebäuderiegel mit dem Giebel zur Straßenseite stehen sich gegenüber, einer leicht schräg, so dass sich der Hof dazwischen nach hinten verengt. Elf Wohnungen entstehen in diesen dreigeschossigen Häusern, und im rechten Haus zudem die Tiefgarage mit den Park- und Fahrradstellplätzen. "In dem rechten Gebäude entstehen nur kleine Wohnungen, da werden die Mieter sicher kein Auto haben", sagt Volleth. Am Ende des schmalen Hofs entstehen die drei Reihenhäuser.

Kritik an

Gefängnisatmosphäre

Froh sind Nachbarn über den architektonischen Entwurf nicht. Im Ortsbeirat hatten sich Anwohner beschwert, vor allem wegen der gewaltigen, grauen, fensterlosen Wand, die direkt auf der Grundstücksgrenze zum Nachbargrundstück mit der Tierarztpraxis abschließt. Eine Atmosphäre von Gefängnis strahlt sie aus.

Bauherr Volleth dagegen findet den Entwurf, der von seinen eigenen Architekturbüros stammt, sehr gelungen. "Durch die Hofstruktur glaube ich, dass das sehr schön wird", sagt er. Drei Bäume sind in dem Hof geplant, Beete mit Zierpflanzen, ein Sandkasten für kleine Kinder und mehrere Sitzbänke. "Eckenheim könnte besser dastehen, wenn man sich mit den Häusern mehr Mühe geben würde", sagt Volleth.

Nachbar Trümper findet die Hofstruktur katastrophal. Sie widerspräche der Vorgabe, dass sich eine Bebauung in seine Umgebung einfügen muss. Volleth sagt, die Hofstruktur habe die Stadt vorgegeben. Eine Klage Trümpers wies das Verwaltungsgericht zurück. In der weiteren Umgebung gebe es vergleichbare Höfe.

Friedrich Reinhardt

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