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Frankfurter Bürgerämter: Die Warterei soll kürzer werden

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Von: Brigitte Degelmann

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Eine lange Schlange vorm Bürgeramt in der Lange Straße, wie so oft mittwochs, wenn das Amt ohne Termine bedient.
Eine lange Schlange vorm Bürgeramt in der Lange Straße, wie so oft mittwochs, wenn das Amt ohne Termine bedient. © Rainer Rüffer

Die Stadt Frankfurt will schnell 15 neue, aber befristete Stellen in den Bürgerämtern besetzen. Dadurch soll man schneller an Reisepass und Co. kommen.

Frankfurt - Wie schwierig es in Frankfurt sein kann, einen neuen Reisepass zu beantragen oder sich nach einem Umzug in der Stadt anzumelden, wissen viele aus leidvoller Erfahrung. Denn Termine in den dafür zuständigen Bürgerämtern sind oft schwer zu ergattern. Auch deshalb, weil die Behörden überlastet sind, unter anderem wegen der Registrierung von Flüchtlingen aus der Ukraine.

Für Besserung sollen nun 15 neue Stellen im sogenannten Bedienbereich sorgen, die zunächst auf zwei Jahre befristet sind. Die neu eingestellten Beschäftigten würden mit einer zunächst verkürzten Qualifizierungszeit eingearbeitet und sollen besonders gefragte Dienstleistungen bearbeiten, teilt der Magistrat auf Anfrage der AfD-Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung mit. Das Auswahlverfahren laufe derzeit. Für eine langfristige Lösung der Probleme reiche das allerdings nicht aus, räumt die Stadtregierung ein. Dafür brauche man eine „stetige, dauerhafte Personalaufstockung“.

Frankfurter Bürgerämter: Nachfrage nach Dienstleistungen übersteigt Ressourcen

In dem Bericht wird auch darauf verwiesen, dass das Bürgeramt Höchst seit dem vergangenen Juni exklusiv für die Beantragung von Pässen und Ausweisen zur Verfügung stehe. „So konnten die Kapazitäten, für diese in der Vorurlaubszeit besonders gefragten Dienstleistungen gesteigert werden“, informiert der Magistrat. Die Konzentration auf große Standorte schaffe Synergieeffekte: „Es können hierdurch trotz geringer Mitarbeiterzahl mehr Termine vergeben werden.“

Dennoch übersteige die Nachfrage nach Dienstleistungen immer noch die personellen Ressourcen in den Bürgerämtern, so die Stadtregierung: „Das führt dazu, dass Termine schnell ausgebucht sind. Angestrebt wird ein ausgewogenes Verhältnis, was eine Auswahl eines individuell passenden Termins jederzeit möglich macht.“

Wiedergewonnene Reiselust macht sich in Frankfurts Bürgerämtern stark bemerkbar

Die Probleme in den sechs Frankfurter Bürgerämtern - das siebte in Nieder-Eschbach ist derzeit wegen einer grundlegenden Umgestaltung geschlossen - hängen nach Auskunft des Magistrats auch mit der wachsenden Einwohnerzahl zusammen; ebenso mit der erhöhten Nachfrage nach Ausweispapieren, weil viele nach Aufhebung der Corona-Beschränkungen nun wieder ins Ausland reisen. Darüber hinaus hätten sich die Rahmenbedingungen der Pandemie nachteilig auf den Bürgerservice ausgewirkt, heißt es in dem Bericht. Denn Schwangere sowie Beschäftigte mit besonderen Risikofaktoren dürften nun nicht mehr im direkten Publikumsverkehr eingesetzt werden.

Allerdings habe es auch vor Corona schon Schwierigkeiten gegeben, gibt die Stadtregierung zu bedenken. Denn: „Das tägliche Besucheraufkommen war nicht planbar. Die Folge waren mehrstündige Wartezeiten und überfüllte Warteräume. Die Standorte mussten regelmäßig vorzeitig die Wartenummernausgabe stoppen. Dies führte zu Konflikten und erheblichen Beschwerden seitens der Bürgerinnen und Bürger.“ Das nun geltende Terminsystem stoße im Übrigen auch auf positive Resonanz, weil sich die Wartezeiten in den Bürgerämtern selbst drastisch verringert hätten.

„Die geäußerte Kritik dürfte sich insofern überwiegend nicht gegen das System der Terminvergabe an sich, sondern den Mangel an Kapazitäten richten“, resümiert der Magistrat und verweist darauf, dass man die Öffnungszeiten der Bürgerämter sogar um zwei Stunden erweitert habe.

Frankfurt: Viele Bürgerämter in Deutschland kämpfen mit ähnlichen Problemen

Wann die vier Außenstellen in Fechenheim, Nieder-Erlenbach, Harheim und Kalbach wieder geöffnet werden können, steht noch nicht fest. Denn, schreibt der Magistrat, „mit dem Ziel, der Gesamtnachfrage möglichst umfassend gerecht zu werden, müssen die mit großen Standorten verbundenen Synergien aktuell noch ausgeschöpft werden“.

Mit ähnlichen Schwierigkeiten wie die Frankfurter Bürgerämter kämpfen übrigens auch andere Großstädte in Deutschland. „Gegenwärtig ist die Situation überall sehr angespannt“, erklärt die Stadtregierung und ergänzt: „Viele Städte beneiden Frankfurt für das auf Kurzfristigkeit angelegte Terminsystem. Andernorts sind Termine über mehrere Monate hinweg ausgebucht. Eine kurzfristige Hilfe bei drängenden Anliegen ist dort nicht möglich, viele Termine verfallen auch, weil sie nicht wahrgenommen werden.“ (Brigitte Degelmann)

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