Die FES hatte gestern in der Stadt viel zu tun, denn die Fußwege mussten freigeräumt werden.
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Die FES hatte gestern in der Stadt viel zu tun, denn die Fußwege mussten freigeräumt werden.

Schneefälle

Die weiße Pracht in Frankfurt kam über Nacht

  • Thomas J. Schmidt
    vonThomas J. Schmidt
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Frühaufsteher konnten gestern eine verschneite Stadt bewundern, die FES war den ganzen Tag über im Großeinsatz.

Ein paar tapfere Radfahrer quälen sich durch den Schnee, Fußgänger kämpfen gegen den strammen Wind, der die Schneeflocken zeitweise fast waagrecht durch die Frankfurter Straßen treibt. Die Autofahrer sind vorsichtig unterwegs. Trotzdem ist es gestern zu mehreren Dutzend Verkehrsunfällen gekommen, meldet die Polizei. In Bonames wurde eine Ampel umgefahren. Der Mast liegt abgeknickt am Fahrbahnrand, die Ampel selbst funktioniert noch. Auf Kniehöhe warnt jetzt das Rotlicht.

Der für den späten Teil der Nacht angekündigte Schneefall beginnt gestern erst am Morgen, gegen sechs Uhr. Immer dichter fallen dann die Flocken. Seit vier Uhr sind die ersten Trupps vom Winterdienst der Frankfurter Entsorgungs- und Servicegesellschaft (FES) unterwegs: 21 große Streufahrzeuge verspritzen Salzlauge und Streusalz auf den Hauptzufahrtsstraßen. "Es sind die A- und B-Strecken, die Busstrecken und die Steigungen, die wir als erstes gesichert haben", sagt FES-Sprecher Stefan Röttele am frühen Morgen. Kurz zuvor hat der Schneefall eingesetzt. "Eigentlich sollten ab sechs Uhr die kleinen Streufahrzeuge fahren, aber wir müssen die großen noch einmal befüllen und wieder auf Tour schicken." Zu dicht ist das Schneetreiben.

Später am Morgen fährt die FES richtig schweres Gerät auf, große Räumfahrzeuge schieben den inzwischen einige Zentimeter hoch liegenden Schnee von den Straßen. Kleinere Räumfahrzeuge säubern schon seit 7 Uhr die Fahrradwege. Für die wenigen tapferen Radfahrer.

Für Hassan Achamadi (55) und seine Kollegen hat der Einsatz um sechs Uhr in der Früh begonnen. Seitdem steuern die vier Männer mit einem kleinen Lastwagen die Kreuzungen an. Hinten auf der Ladefläche liegt Splitt. An der Kreuzung Eckenheimer Landstraße/Nibelungenallee halten sie an. Emeka Okwanne (45) nimmt den schwarzen Eimer von der Ladefläche, füllt ihn mit Splitt und verteilt ihn mit einer langstieligen Schaufel auf dem Boden - dort, wo die Fußgänger gehen und schon kein Schnee mehr liegt.

2000 Kilometer Straßen geräumt

Sein Kollege Tayeb Soklimane (26) fegt derweil mit dem Reisigbesen die Stelle, die der dritte Mann, Abdi Haiem (38), mit seiner Schneeschippe nur schlecht erreicht, weil die sich am behindertengerechten Bodenbelag an der Ampel verhaken würde. Er räumt den Schnee in langen Läufen von den Bürgersteigen, sein Kollege Emeka hinter ihm streut den Kies mit seinem schon zum dritten Mal gefüllten Eimer. Längst haben sie die ersten beiden Fußgängerüberquerungen an dieser Kreuzung gesäubert und gesichert. "Wichtig ist", erläutert Röttele, "die Haltestellen der Bahnen und die Zugänge zu den Haltestellen sauber zu machen."

Alle Mitarbeiter im Einsatz

Es ist der zweite Schneeeinsatz der FES in diesem Winter, alle verfügbaren Mitarbeiter sind auf den Straßen unterwegs, 232 insgesamt, manche seit vier Uhr, andere seit fünf oder sechs Uhr. Corona-bedingt sind die Arbeitszeiten der Mitarbeiter aufgesplittet. Die Räumarbeiten ziehen sich noch bis in den frühen Nachmittag. Vor allem im Norden und im Westen der Stadt ist viel Schnee gefallen. Die A-Strecken, Hauptverkehrsstraßen, wurden dreimal abgefahren, die B-Strecken nicht ganz so oft. Diese für den Straßenverkehr wichtigen Straßen haben zusammen eine Länge von 520 Kilometer, das Doppelte, wenn beide Fahrtrichtungen getrennt gerechnet werden. Mindestens 2000 Kilometer hat die FES gestern geräumt. Trotzdem ist es zu Unfällen und Störungen gekommen. Auf der Vilbeler Landstraße drehte sich ein Laster, was einen beträchtlichen Stau zur Folge hatte. "Aber das war alles nicht schlimm", sagte Polizeisprecher Benjamin Wiewiorra. "Es hat leichte Unfälle mit Blechschaden gegeben im mittleren zweistelligen Bereich, aber nichts Dramatisches." Beim ersten Schneefall reagierten Autofahrer manchmal falsch. Auf den Autobahnen, besonders auf der A 3, gab es Staus und Stop-and-Go-Verkehr. Die Autobahnmeisterei Frankfurt war mit sieben Streufahrzeugen im Einsatz. Auf dem Flughafen wurden einige Flüge abgesagt.

Spaß hatten hingegen die Kinder, die am Morgen mit dem Schlitten loszogen und ein wenig im Schnee spielen konnten. Im Lauf des Tages war vielerorts schon wieder Schluss mit der Pracht - die Temperatur stieg, der Schnee schmolz. Aber immerhin gab's ein bisschen Winterwunderland mitten in der Großstadt.

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