Sonja Keil vom Diakonischen Werk Frankfurt stellt die Broschüre über die Wohngemeinschaft Bonameser Straße vor.
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Sonja Keil vom Diakonischen Werk Frankfurt stellt die Broschüre über die Wohngemeinschaft Bonameser Straße vor.

Alternative Lebenswelt in Eschersheim

Die weite Welt der Schausteller und Schrotthändler

  • Judith Dietermann
    vonJudith Dietermann
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Neue Broschüre über die Wohnwagensiedlung an der Bonameser Straße erschienen.

Sie ist klein und handlich, reichlich bebildert, sie umfasst alte Fotos, Zeitungsartikel, Geschichten und Fakten und sie ist kostenlos: die neue Broschüre "Die weite Welt ist mein Feld" über die Wohngemeinschaft Bonameser Straße, in der die Soziologin und Diplom-Sozialarbeiterin Sonja Keil auf rund 40 Seiten einen Blick auf diese alternative Lebenswelt wirft.

Im Auftrag des zum Evangelischen Regionalverband zählenden Diakonischen Werks für Frankfurt und Offenbach leistet Sonja Keil seit einigen Jahren Gemeinwesenarbeit auf dem Gelände. Längst kennt sie die Menschen hinter den Geschichten, die sie bereits 2018 in einem Buch erzählte. Längst sind diese auf eine ganz besondere Art Teil ihres Lebens geworden. "Die Arbeit mit und über die Wohngemeinschaft Bonameser Straße ist ein echtes Herzensprojekt", sagt Keil.

Schausteller und Schrotthändler, Zirkusartisten und Puppenspieler leben seit bald 70 Jahren auf dem Gelände in Eschersheim. Begonnen hat die Geschichte der Menschen, die in Keils neuer Broschüre auftauchen, 1953. Damals beschlossen die Frankfurter Stadtverordneten, ambulante Gewerbetreibende, die bisher an verschiedenen Orten in der Stadt lebten, auf einem neuen Platz am Rand der Stadt anzusiedeln.

Anfangs gab es weder Strom noch Wasser. Unterstützung erhielten die Bewohner von der Evangelischen Kirche. Der damalige Kirchenpräsident Martin Niemöller schilderte Oberbürgermeister Werner Bockelmann (SPD) die unzumutbaren Zustände. Dieser reagierte "mit Erschütterung" darauf.

1975 wurde auf Antrag der SPD-Fraktion die Bildung einer ämterübergreifenden Arbeitsgruppe beschlossen. Mit dem Ziel, Verbesserungsvorschläge für die Situation auf dem Wohnwagenstandplatz, der für die dort lebenden Menschen mittlerweile ein richtiges Zuhause geworden war, zu erarbeiten.

Acht Jahre später wird der Wohnwagenplatz an die Gemeinnützige Gesellschaft für Wohnheime und Arbeiterwohnungen übergeben. Das Unternehmen erhielt Mittel in Höhe von 800 000 Euro für Maßnahmen zur Verbesserung der Infrastruktur.

Die Broschüre dokumentiert Diskriminierungen und Vorurteile, mit denen "Reisende" bis heute zu kämpfen haben. Sie endet mit den jüngsten Diskussionen um die Zukunft der Wohngemeinschaft. Sie ist kostenlos herunterzuladen unter www.diakonie-frankfurt-offenbach.de. Auf der Seite gibt es auch eine Übersicht mit den Stellen, an denen sie kostenlos in gedruckter Form erhältlich ist. jdi

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