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Die Zukunft soll synthetisch sein

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Von: Michael Forst

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Eines der Module, wie sie in der geplanten Pionieranlage Verwendung finden werden, um alternativen Kraftstoff zu erzeugen.
Eines der Module, wie sie in der geplanten Pionieranlage Verwendung finden werden, um alternativen Kraftstoff zu erzeugen. © N.N.

Im Industriepark entsteht die weltgrößte Pionieranlage zur Herstellung von alternativen Kraftstoffen.

Frankfurt -Es soll ein Schritt in die Zukunft alternativer Kraftstoffe sein: Das Karlsruher Start-up-Unternehmen Ineratec wird noch in diesem Jahr im Industriepark Höchst mit dem Bau einer industriellen Pionieranlage für CO2-neutrale, alternative Kraftstoffe beginnen. Es ist nach Angaben des Industriepark-Betreibers Infraserv die weltweit größte Anlage ihrer Art. Sie soll ab 2023 bis zu 4,6 Millionen Liter der Kraftstoffe im Jahr herstellen. Angekündigt im Januar 2021, nimmt das Projekt jetzt Fahrt auf, bestätigte Ineratec-Geschäftsführer Philipp Engelkamp gestern. "Es ist uns wichtig, möglichst schnell nachhaltige e-Fuels (synthetische Kraftstoffe, Anm. d. Red.) für die Luft- und Schifffahrt in bedeutsamer Menge zur Verfügung zu stellen. Unser Standort in Höchst soll dafür ein weltweiter Leuchtturm werden", erklärte er.

Strom kommt aus erneuerbaren Quellen

Bei der "Power-to-Liquid"-Anlage der Firma, die aus dem Karlsruhe Institute of Technology gegründet wurde, geht es den Angaben zufolge um Investitionen von bis zu 30 Millionen Euro. Mit der Pionieranlage würden erstmals CO2-neutrale, synthetische Kraftstoffe verfügbar sein. "Power-to-Liquid" ist ein Verfahren, um aus Strom, Wasser und Kohlendioxid Kraftstoff zu erzeugen. Dabei wird Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff aufgespalten. Der benötigte Strom kommt aus erneuerbaren Quellen. Im Kampf gegen den Klimawandel und hohe CO2-Emissionen im Luftverkehr gelten synthetische Kraftstoffe vielen als Hoffnungsträger. Die Herstellung ist aber sehr aufwendig, da dabei fossile Rohstoffe ersetzt werden müssen.

Den Weg für die Pionieranlage im Westen des Industrieparks bereitet hatte Infraserv nach eigenen Angaben durch erfolgreiche Tests mit Partnern aus Finnland, Italien und Deutschland im Rahmen eines von der EU geförderten Projektes. Dabei sei geklärt worden, dass sich in einem industriellen Umfeld CO2, das aus einer Biogasaufbereitungsanlage kommt und sonst in die Atmosphäre entlassen würde, mit Wasserstoff zu Kohlenwasserstoffen umwandeln lasse. Mit der Pionieranlage von Ineratec soll nun im kommenden Jahr die Produktion von synthetischen, CO2-neutralen Kraftstoffen in einem größeren Maßstab beginnen, um nach und nach den Einsatz fossiler Rohstoffe immer weiter zu reduzieren. Natürlich, so heißt es bei Infraserv, seien die produzierten Mengen im Vergleich zum gesamten Kraftstoffbedarf, beispielsweise des Flugverkehrs, immer noch sehr gering: Allein in Deutschland liegt dieser bei etwa 10 Millionen Tonnen pro Jahr. Aber es sei ein richtiger Schritt in die Zukunft.

Die hessische Landesregierung hatte den Bau einer Pilotanlage für synthetisches Kerosin bereits 2018 im Koalitionsvertrag vereinbart. Auch der Industriepark Höchst, wo rund 90 Firmen vor allem aus der Pharma- und Chemiebranche angesiedelt sind, arbeitet an nachhaltigen Technologien.

Wasserstofftankstelle versorgt Regionalzüge

So lässt Infraserv im Industriepark Höchst eine zweite Wasserstofftankstelle samt Zusatz-Infrastruktur bauen. Dort sollen 27 Regionalzüge des Herstellers Alstom mit Wasserstoff betankt werden und mit dem Jahresfahrplan 2023 auf vier Taunus-Strecken in Betrieb gehen: Eine größere Flotte gibt es weltweit im Personenverkehr nirgends. Das Land Hessen fördert den Bau der Schieneninfrastruktur mit rund 2,5 Millionen Euro, das sind knapp 60 Prozent der hierfür anfallenden Kosten. Außerdem hat das Land für die Erstellung vorbereitender Gutachten und den Bau einer mobilen Zugbetankungseinrichtung mehr als 800 000 Euro zur Verfügung gestellt. Für die Betankungseinrichtung als solche stellt der Bund Fördermittel bereit.

Um jederzeit die Betankung der Züge sicherzustellen, baut Infraserv neben der Tankstelle und einer Verdichterhalle auch einen Elektrolyseur, der mit "grünem" Strom "grünen" Wasserstoff herstellt. Das Geld des Landes wird für die Schienen-Infrastruktur verwendet, etwa für eine neue Rampe zur einzigen Brücke, die über die Hoechster Farbenstraße die Schienenverbindung nach außen darstellt - damit die einpendelnden Personenzüge den vielen Kessel- und Container-Wagen nicht in die Quere kommen, die tagtäglich im Werk rangiert werden. Michael Forst

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