Bühnenaufbauarbeiten finden im Schauspiel statt. Das Haus wird aufgrund des hohen Sanierungsbedarfs abgerissen und neu gebaut. Über den Standort und das Wie streiten die Parteien.
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Bühnenaufbauarbeiten finden im Schauspiel statt. Das Haus wird aufgrund des hohen Sanierungsbedarfs abgerissen und neu gebaut. Über den Standort und das Wie streiten die Parteien.

Kultur

Die Zukunft von Frankfurts Oper und Schauspiel ist der Mega-Zankapfel

  • Thomas Remlein
    vonThomas Remlein
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Vor der Kommunalwahl checkt die FNP die Programme der Parteien. Was sie in der Kulturpolitik wollen, dürfte es der nächsten Koalition schwer machen.

Frankfurt -Die in der Kulturpolitik alles beherrschende Frage ist der Neubau von Oper und Schauspiel. Dabei sind allerdings schon wichtige Vorentscheidungen gefallen. Die Stadtverordnetenversammlung beschloss den Abriss und Neubau der bestehenden Doppelanlage. In ihrem Wahlprogramm spricht sich die CDU für einen Neubau der Doppelanlage auf dem Raab-Karcher-Gelände im Hafenquartier aus.

Opernhaus im Osthafen: CDU hat keine Mehrheit

Doch dieser innovative Vorschlag hat wenig Chancen auf eine Verwirklichung, denn die CDU wird dafür nach der Kommunalwahl in welcher auch immer gearteten Koalition keine Mehrheit finden. Dabei nimmt die Partei an, dass sich Frankfurt in den kommenden 20 Jahren rund um den Neubau der Europäischen Zentralbank und den Hafenpark weiterentwickeln wird. Als einen der Leuchttürme der städtischen Entwicklung möchten die Konservativen deshalb den Bühnenneubau in der Nähe des Hafenparks ansiedeln.

Die Kräfte der Beharrung sind in diesem Fall SPD und Grüne. "Der Willy-Brandt-Platz ist Standort der Städtischen Bühnen und soll es auch bleiben", schreiben die Grünen im Wahlprogramm. Neue Gebäude müssten dabei die Geschichte des Ortes und der Kultur an diesem Ort respektieren. Das Wolkenfoyer und die klare, transparente Architektur der Städtischen Bühnen, stünden auch für eine Haltung, an der die Grünen festhalten wollen.

SPD und FDP: Oper in die Neue Mainzer

Die SPD will den öffentlich und kulturell genutzten Raum in der Innenstadt gegen den Vermarktungsdruck verteidigen. Dabei hat sie besonders den Willy-Brandt- Platz in Blick, den sie "beim Neubau der Städtischen Bühnen als Frankfurts traditionellen Bühnenstandort mit mindestens einer Bühnensparte erhalten" will. Für die Aufteilung beider Häuser auf getrennte Standorte sind - neben dem Willy-Brandt-Platz - zwei Flächen in und an den Wallanlagen im Gespräch.

Dort, wo heute das Euro-Zeichen leuchtet, könnte vis-à-vis dem heutigen Standort ein Schauspielhaus entstehen, das mit dem Neubau einer Oper am alten Platz des Schauspiels ein Gegenüber bilden könnte. Vorteilhafter wäre aber wohl der Neubau der Oper auf dem Sparkassen-Areal zwischen Neuer Mainzer Straße und Grünanlage bei Neubau eines Theaters am bisherigen Standort. Diese Variante favorisiert die amtierende Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD). Eine Lösung, für die sich auch die FDP stark macht.

Finanzierung ist eine Jahrhundertaufgabe

Auch die Linke ist für den Verbleib der Städtischen Bühnen am Willy-Brandt-Platz, bei einer möglichen Aufteilung auf zwei Häuser, sollte das zweite zentral erreichbar für die Besucher und Beschäftigten in der Innenstadt liegen.

Nur zwei Parteien wollen das Alte wieder aufbauen

Die Bürger für Frankfurt (BFF) wollen das Schauspiel am Willy-Brandt-Platz erhalten, allerdings in einer Rekonstruktion des Gebäudes von 1902. Die Oper könne laut der BFF als moderner Bau an geeigneter Stelle in der Innenstadt errichtet werden. Auch die AfD favorisiert einen historisierenden Wiederaufbau, fragt sich aber, ob Frankfurt angesichts der Nähe der Staatstheater in Wiesbaden und Darmstadt überhaupt noch Oper und Schauspiel braucht. Lediglich die CDU macht sich Gedanken um die Finanzierung des Neubaus von Oper und Schauspiel und spricht im Wahlprogramm "von einer "Jahrhundertaufgabe". Die ist natürlich aufgrund der Corona-Pandemie nicht leichter geworden. Deshalb steht nach der Wahl das Kinder- und Jugendtheater vermutlich auf der Kippe, auch wenn es ein lange gehegter Wunsch der Kulturpolitik ist. Als möglichen Ort schlägt die CDU das Zoogesellschaftshaus vor. Die Liberalen dagegen wollen das Kinder- und Jugendtheater im Schauspiel integrieren und Platz für ein Ballett vorhalten.

Zum Glaubensbekenntnis der Grünen gehört die Förderung der freien Theaterszene. Da sind sich die Grünen mit der SPD einig, die ebenfalls ihre Unterstützung betont. Unabhängig davon wird die freie Theaterszene in Frankfurt im Vergleich zu anderen Großstädten bereits großzügig unterstützt.

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